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Zuletzt aktualisiert: 26.04.2011 um 09:59 UhrKommentare

Fußball statt Traualtar: Briten noch nicht in Hochzeitslaune

Im Gegensatz zum Rest der Welt, zeigen die Briten noch wenig Begeisterung für die bevorstehende Hochzeit. Nur eine limitierte U-Bahnkarte mit einem Bild des Prinzenpaares sorgt für Begeisterung.

Foto © APA

Ähm, pffff, Augenrollen, Schulterzucken. Londons Shopbesitzer reden nicht gerne über ihre Umsätze. Schon gar nicht über jene mit royalen Produkten; Postkarten, Fahnen, Taschen, Uhren, Teller, Häferln, Miniatur-Big-Bens. Und von überall strahlen Prinz William und seine Zukünftige: Miss Catherine Middleton. Und nicht Kate, bitte schön. Schon gar nicht Katie. Tritt man jedoch aus den kleinen Geschäften mit dem schier unerschöpflichen Sortiment, sinkt die Royal-Wedding-Fieberkurve rapide. London hat nämlich vier Tage vor der Hochzeit des Jahrzehnts keine Lust auf hysterische Vorfreude. Noch nicht.

Tiefschlaf in der royalen PR-Zentrale?

Flughafen London-Heathrow, der Haupteingang zum Häuser-Ozean. Kein einziger Union Jack, kein verschämtes Plakat, nicht eine flackernde Leuchtreklame aus dem Hause Windsor. In den Zügen und U-Bahnschächten klebt Reklame für den Film "Kings Speech". Und das ABBA-Musical "Mamma mia" lockt mit dem frechen Spruch "Kommen Sie zur Hochzeit des Jahres". Wo bleibt da die empörte Reaktion aus dem Königspalast? Tiefschlaf in der royalen PR-Zentrale? Oder einfach nur noble Zurückhaltung?

"Keine Sorge, das wird schon noch", bleibt Sanjib locker. Er sitzt in genau so einem kleinen Kabuff, wo man nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Nahe Tottenham Court Road verkauft er Zeitungen, Zigaretten, Getränke, macht frische Sandwiches, hat auch Batterien und unfassbar viel Krimskrams. Besonders gut gehen die Queen-Postkarten; also nicht die viereckigen, sondern jene die aussehen, als hätte man den Kopf der alten Dame ausgeschnitten. Lady Di hängt übrigens gleich daneben.

Royal Wedding? Kein Thema

Doch der Funke ist noch nicht übergesprungen auf die da draußen auf der Straße. In Paddington wirbt ein Lokal mit Live-Übertragung von 9.00 bis 17.00 Uhr. Bei Leicester Square sind zwei Pubs ordentlich ausgeflaggt. Aber sonst? Am legendären Camden Market sitzen die Leute auf Mofa-Hälften, essen "Asian Food" und wippen zu den dumpfen Bässen, die aus den hippen Stores dröhnen. Royal Wedding? Kein Thema. Selbst auf der mondänen, ein bisschen seelenlosen Oxford Street erinnert absolut nichts an das bevorstehende Megaevent. Ganz oben, beim Marble Arch, dann endlich: Tassen und Teller mit William und Kate. Darunter ein Schild: 50 Prozent Rabatt.

Die mächtigen britischen Boulevardblätter bemühen sich redlich, verwenden ihre vier, fünf Zentimeter hohen Schlagzeilenlettern um Stimmung zu machen. Doch der wahre Schocker ist und bleibt das peinliche 1:2 von Arsenal gegen Bolton. Wären da nicht die Londoner Verkehrsbetriebe, die sich für die königliche Familie ins Zeug hauen, man könnte fast übersehen, worauf die Metropole zusteuert. Denn mit einem geschickten Marketing-Trick wird dafür gesorgt, dass zumindest die Benützer der U-Bahn (und das sind jährlich immerhin 1,1 Milliarden Menschen) ihr ganz persönliches Royal-Wedding-Andenken stets bei sich tragen.

Das Prinenpaar immer mit dabei

"Oyster Card" nennt sich das beliebte Ticket, das es zur Zeit in "limitierter Auflage" zu kaufen gibt. "To commemorate the Marriage of Prince William of Wales and Miss Catherine Middleton, 29 April 2011", steht es geschrieben. Durch den Begriff Oyster, zu deutsch: Auster, sollen die öffentlichen Verkehrsmittel mit sicher (harte Schale) und wertvoll (Perle) assoziiert werden. Zusätzlicher Schmäh: Zum Kaufpreis kommen noch fünf Pfund "Einsatz" - falls jemand so dämlich sein sollte und das Sammlerstück wieder zurückgeben möchte. Ein bisserl was von dem kaufmännischen Talent möchte man auch den Windsors wünschen. Doch das, meint Sanjib, brauchen die eigentlich gar nicht. "Wart nur ab, am Freitag ist hier überall der Teufel los."


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Bild vergrößernWenig beliebt: die Oyster-CardFoto © APA

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