Der Traum von einer Welt ohne "Life Ball"
Der 18. "Life Ball" am kommenden Samstag ist der Auftakt zur 18. Internationalen Aids-Konferenz mit 25.000 Teilnehmern in Wien.

Foto © AP Semiprominente Paradiesvögel am "Life Ball": "Sie dienen als Sprachrohr und müssen mit ganzem Herzen dabei sein"
Was tut man nicht alles für den guten Zweck. Flugangst überwinden zum Beispiel, auch wenn sie noch so panisch ist wie im Falle der US-Schauspielerin Whoopi Goldberg. "Davon, dass sie kommt, habe ich schon lange geträumt", sagt Gery Keszler, Erfinder des "Life Ball", der am kommenden Samstag zum 18. Mal vor und im Rathaus zu Wien über die Bühne geht. Und nicht nur dort. "Ich bin froh und stolz, dass heuer auch Parlament und Burgtheater ihre Pforten für die gute Sache öffnen."
Letztere, die gute Sache nämlich, gerät nach Ansicht von Otto Penz, Wiener Soziologe und Autor des Buches "Schönheit als Praxis", zwar nicht verloren, jedoch zu sehr in den Hintergrund. "Dieser Ball war früher eine gegenkulturelle Veranstaltung, die vor allem der Selbstfindung der Schwulenkultur diente", sagt Penz: "Heute ist es ein hochkommerzielles Spektakel, für das völlig sinnentleert Prominente angekarrt und viel nackte Haut gezeigt werden, um Aufmerksamkeit zu erreichen. Das gelingt natürlich, aber vor lauter Party geht der eigentliche Zweck unter."
Keszler sieht das naturgemäß anders und in der Tatsache, dass Prominente Aufmerksamkeit erregen, nichts Negatives: "Sie dienen als eine Art Sprachrohr und müssen auch mit ganzem Herzen dabei sein, sonst wären sie unglaubwürdig und uninteressant für uns. Gage hat übrigens noch nie einer bekommen, seit den Anfängen nicht. Und auch dazu muss ein Prominenter bereit sein."
Gerüchte um Finanzen
Im Jahr 2009 beliefen sich die Spendeneinnahmen auf fast 1,5 Millionen Euro. Heuer hofft man auf noch mehr. Und wenn abermals Gerüchte laut werden sollten, dass es beim Finanzgebaren unkorrekt zugehen soll, würde man das wie im Vorjahr widerlegen können. "Es geht mit rechten Dingen zu", sagt Keszler. "Der Ball ist kein Projekt, das wir betreuen, sondern die Plattform, die Geld lukriert. Mit dem unterstützen wir nationale Hilfsorganisationen und internationale Projekte. Sie alle sowie die Geldvergabe sind auf unserer Homepage aufgelistet."
Für heuer verspricht Keszler übrigens eine andere Eröffnungszeremonie als in der Vergangenheit. Es würde nicht so schrill zugehen, sondern klassischer und emotionaler. Der Höhepunkt: Whoopi Goldberg wird, eingebettet in die riesige Erdkugel Erda, in einer textlich dem "Life Ball" angepassten Version einer Szene aus Richard Wagners "Siegfried" Wotan die Zukunft der Erde prophezeien.
Hat auch Keszler eine Vision? "Ja, dass der Life Ball gar nicht notwendig wäre."
Features
Fotoserie
DREI STANDORTE
Parlament: Whoopi Goldberg moderiert ab 18.00 die Gala der Hilfsorganisation amfAR. Ehrengast: Bundespräsident Fischer.
Rathausplatz & Rathaus: Bürgermeister Häupl und sein Berliner Amtskollege Wowereit eröffnen den Ball. Die Modenschau richtet u.a. Calvin Klein aus.
Burgtheater: Wird zum Tanzpalast.











