"Es wurden Namen erfunden"
Georg Kindel, 41, ist Veranstalter des geplanten "Tribute"-Konzerts für Michael Jackson in Wien. Trotz anhaltender Kritik zeigt er sich von seinem Projekt überzeugt.

Foto © APAJermaine Jackson mit Georg Kindel
Sie genießen einen sehr guten Ruf als Veranstalter ihrer "World Awards". Sehen Sie diesen nun gefährdet?
GEORG KINDEL: Ich sehe das, was hier passiert, sehr gelassen. Die internationale Berichterstattung zum "Tribute" ist exzellent. Das einzige Land, das offenbar nicht kapiert, was ein Michael-Jackson-Tribute bedeutet, ist Österreich. Ich verstehe diese niedermachende Berichterstattung nicht. Medien haben teilweise Namen erfunden, die von uns nie kommuniziert wurden.
Wieso hat man dann nicht öffentlich erklärt, dass Namen wie U2 und Madonna reine Spekulationen der Presse sind?
KINDEL: Wir haben das gemacht! Ich habe gebetsmühlenartig den Medienvertretern gesagt, dass das Line-Up noch nicht steht. Faktum ist, es wurde trotzdem spekuliert, weil man einen Aufmacher brauchte.
Sie wissen, dass diese Spekulationen vor allem von der Zeitung "Österreich" vorangetrieben wurden. Sie selbst waren früher bei "News" und stehen dem Herausgeber nahe. Gibt es da einen Zusammenhang?
KINDEL: Ich sehe das relativ nüchtern. Es war ja nicht nur eine Tageszeitung, sondern mehrere, die über Dinge berichteten, die nie von uns bestätigt wurden. Ich habe mich selbst gewundert, dass ich teilweise von heimischen Medien zitiert wurde, die nie mit mir geredet haben. Das ist bei manchen Journalisten eine Vorgehensweise, die ich nicht nachvollziehen kann. Das Interessante ist ja, dass ausländische Medien weitgehend extrem positiv über das Konzert berichtet haben. Während wir in Österreich nach Strich und Faden verprügelt wurden, hat man uns in Großbritannien sogar zu unserem Line-Up gratuliert.
Aber finden Sie, dass die Besetzungsliste, so wie sie jetzt steht, wirklich zwischen 63 und 518 Euro wert ist?
KINDEL: Nehmen Sie beispielsweise Mary J. Blige. Die füllt in den USA ganze Stadien, dort liegen die billigsten Ticketpreise weit über unseren 63 Euro.
Die kommt ja jetzt gar nicht.
KINDEL: Der letzte Stand ist, dass Jermaine Jackson, der für die Künstler verantwortlich ist, mit ihrem Mann gesprochen hat. Mary J. Blige hat in Italien Verpflichtungen, man versucht aber, sie auf die Bühne zu bekommen.
Dennoch gibt es unter den Ticketkäufern sicher nicht wenige, die auf diese Versprechungen gehört haben und sich jetzt fragen, was sie mit den Karten sollen.
KINDEL: Nein. Schon deshalb, weil die Hälfte der Ticketkäufer aus dem Ausland ist, wo diese Künstler niemals kolportiert wurden.
Wenn sie die Wahrscheinlichkeit, dass das "Tribute" tatsächlich noch stattfindet, beziffern müssten, wie hoch wäre sie?
KINDEL: Wir planen das Konzert und wir werden es durchführen. Das ist der derzeitige Stand und wir sehen überhaupt keine Veranlassung, von unserem Weg abzuweichen.
Also noch einmal zugespitzter: Laut Ihnen findet das Konzert zu 100 Prozent statt?
KINDEL: Zum heutigen Tage ja.
INTERVIEW: CARL-MICHAEL DRACK








