Michael Jackson: Letzter Vorhang für den "King of Pop"
Die amerikanische Pop-Legende Michael Jackson ist tot. Er wurde nur 50 Jahre alt. Exzentrik und Skandale überschatteten seine beispiellose Begabung

Foto © Reuters
Der letzte Vorhang ist gefallen für den "King
of Pop". Im Alter von nur 50 Jahren ist Michael Jackson am Donnerstag
in Los Angeles gestorben. Herzstillstand, lautet die erste Diagnose
der Mediziner. Eine Autopsie sollte noch am Freitag genaueren
Aufschluss über die Todesursache geben. Die Fans weltweit reagieren
geschockt, stand ihr Idol doch nach jahrelanger Bühnenabstinenz kurz
vor der Rückkehr ins Scheinwerferlicht. Mitte Juli sollte in London
das erste einer Serie von 50 Konzerten stattfinden. Es wäre die
Chance für Jackson gewesen, nach Jahren der Skandale um
Missbrauchsvorwürfe, finanzielle Schwierigkeiten und
Gesichtsoperationen wieder Schlagzeilen als Musiker zu machen.
Tragischer Schlusspunkt.
Sein früher Tod ist tragischer Schlusspunkt einer
Künstlerkarriere, die glanzvolle Höhen erklommen und schmerzhafte
Tiefen durchlebt hat. Schon mit vier Jahren stand Jackson mit den
Jackson Five auf der Bühne. In den 80er Jahren stieg er dank seines
Talents als Komponist und Tänzer auf zum "King of Pop", der die Musik
revolutionierte. Sein Album "Thriller" ist mit weltweit mehr als 41
Millionen Exemplaren immer noch das meistverkaufte Album aller
Zeiten. Mit dem "Moonwalk" brachte er eine neue Tanzform auf die
Bühne, der provozierende Griff in den Schritt wurde Jacksons
Markenzeichen.
Harte Zeit als Kinderstar.
Doch die harte Zeit als Kinderstar - Jackson sprach später auch
von Misshandlungen durch seinen Vater - und der weltweite Ruhm
setzten ihm offenbar zu. Der Superstar machte bald weniger mit Musik
als mit Geschichten über einen Schimpansen als bestem Freund, mit
veränderter Nasenform und Hautfarbe und überraschenden Hochzeiten von
sich reden. Jackson schuf sich seine eigene Welt und verhielt sich
immer auffälliger. "Whacko Jacko" wurde er genannt - "verrückter
Jackson". Zwei Ehen, eine mit der Elvis-Tochter Lisa Marie Presley
und eine mit einer Krankenschwester, die ihm zwei Kinder gebar,
dauerten jeweils nur kurz. Ein weiteres Kind ließ Jackson von einer
unbekannten Leihmutter austragen - und ließ es im Berliner
Adlon-Hotel aus dem Fenster baumeln, wofür er sich später
entschuldigte.
Der Ruhm zerstörte ihn.
"Er wurde so reich, so mächtig und so berühmt, dass er sich aus
jeder Art von Wirklichkeit zurückziehen durfte", sagte der
Popkultur-Experte Robert Thompson von der US-Universität Syracuse im
vergangenen Jahr. "Michael Jackson ist das perfekte Beispiel für
jemanden, den die Wucht seines Ruhms zerstört hat."
Wegweisende Pop-Alben gehören ebenso zu Jacksons Vermächtnis wie
die Tatsache, dass er in den USA 2005 unter dem Verdacht des
sexuellen Missbrauchs minderjähriger Buben vor Gericht stand. Das
Urteil der Geschworenen lautete damals auf Freispruch. Das Urteil der
Öffentlichkeit fiel harscher aus: Jackson verlor die Gunst vieler
Fans. Das Image-Desaster durch die Pädophilievorwürfe begleitete den
künstlerischen Absturz. Seine letzten Alben floppten, die Kritiker
fällten vernichtende Urteile, finanzielle Probleme beschleunigten den
Niedergang der Pop-Ikone.
Rast- und heimatlosen Nomaden.
Jackson flüchtete sich in das Dasein eines rast- und heimatlosen
Nomaden. Öffentliche Auftritte mied er. Fotos zeigen einen Mann,
dessen Gesicht durch chirurgische Eingriffe geprägt schien. Dass er
sich die Haut habe bleichen lassen, bestritt Jackson allerdings bis
zuletzt.
Comeback.
Mit seinem geplanten Comeback wollte Jackson an die Zeit der
Triumphe anknüpfen. Vielleicht trieb ihn dabei das Verlangen, nicht
als tragische Figur in Erinnerung zu bleiben. Wahrscheinlich spielten
auch finanzielle Gründe eine Rolle. In US-Medien häufen sich Berichte
über Millionen-Schulden. Etwa 50 große Konzerte wollte Jackson in den
kommenden Monaten geben, die Karten dafür waren schnell ausverkauft.
Dem Bühnen-Genie muss es gefallen haben, dass er noch immer die
Massen anziehen konnte.








