Rothaarig und gemobbt: Briten leiden unter Haarfarbe
Pippi Langstrumpf, Nicole Kidman und Boris Becker haben sie, auch Pumuckl leuchten sie auf dem Kopf: Rote Haare. Ihnen hat dies auf dem Weg zum Erfolg nicht geschadet. Doch andere leiden darunter.

Foto © ReutersSexy Rothaarige: Marcia Cross
In Großbritannien, dem Mutterland vieler Rothaariger, sorgt
nun ein Fall für Aufregung: Eine Familie musste drei Mal umziehen,
weil sie wegen ihrer roten Haare so schlimm gemobbt wurde.
Beleidigt und geschlagen.
Die Chapmans aus dem englischen Newcastle wandten sich am
Wochenende verzweifelt an die Presse: Ihre Wohnungen seien mit
Graffiti beschmiert und Fensterscheiben zertrümmert worden. Ihre vier
Kinder würden, egal wo sie hinzögen, beleidigt und geschlagen. Alles
wegen der roten Haarfarbe, berichteten Zeitungen empört. "Man
erwartet ja, dass die Leute einen Spaß machen, wenn man rote Haare
hat. Aber das ist einfach nur noch unglaublich", klagte der Vater
Kevin Chapman. Die Familienmitglieder lebten wie Ausgestoßene.
Kulturell abhängig.
Der Fall Chapman ist zwar ein drastischer, aber kein Einzelfall.
Die Fotografin Charlotte Rushton hat für ein Buch 300 Rothaarige
fotografiert, und sie erzählt: "Nur ein einziger hat keine schlechten
Erfahrungen mit seiner Haarfarbe gemacht." Das Rothaar-Mobbing hält
sie für eine typisch britische Eigenschaft, "in Amerika finden sie
rote Haare feurig und attraktiv". Der Fußballer David Kitson sagte
einmal, die Fans, die über seine Haarfarbe Witze machten, seien so
schlimm "wie Rassisten".
"Redheads".
Erst kürzlich zeigte die BBC einen Bericht über Leben und Leiden
der Rothaarigen. Darin wurde auch eine Werbekampagne getestet, die
den Geplagten ein besseres Image verpassen sollte. Schließlich gibt
es auf der Insel überproportional viele "Redheads", wie sie auf
Englisch genannt werden. In Schottland sollen es nach Schätzungen
mehr als zehn Prozent der Bevölkerung sein, weltweit sind es weniger
als ein Prozent.
Schutzmaßnahmen.
Die Zeitung "The Times" schrieb am Wochenende sogar einen
Leitartikel zum Thema. "Genug ist genug", heißt es darin. "Wenn es
irgendeine andere Minderheit wäre, die Empörung wäre weltweit groß."
Rothaarige sollten vor Beleidigungen geschützt werden. Denn: "Wo
Dunkelheit ist, bringen sie Helligkeit. Wo Blonde sind, bringen sie
Farbe." Die Familie Chapman denkt aber dennoch darüber nach, sich nun
die Haare zu färben.
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Nicole Kidman zählt ebenso zu den "Redheads"...Foto © Reuters
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... wie Sängerin Tori Amos Foto © AP
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Natürlich rot: Julianne MooreFoto © Reuters
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Nicht zu vergessen: Pippi Foto © APA / ORF














