Brutale Kampagne: Dolce & Gabbana erzürnen die Frauenwelt
Porno-Ästhetik ist noch das netteste, was Betrachtern zur neuen Werbekampagne von Dolce&Gabbana einfällt. Szenen einer Erregung.

Foto © APADie umstrittene Kampagne des italienischen Mode-Duos
Da drückt also ein halbnackter Mann, mit ölig glänzendem Oberkörper, eine Frau in abwehrender Haltung an den Handgelenken zu Boden, und eine Schar cooler Typen schaut teilnahmslos zu. Die Rechnung des italienischen Modeduos Dolce&Gabbana geht auf: Ihr sexistisches Werbeplakat ist Tagesthema Nummer eins.
Ermunterung zur Vergewaltigung.
Und nicht nur in Italien, wo jetzt sogar 16 Senatorinnen aller Couleurs mit Frauenministerin Barbara Pollastrini an der Spitze in einem offenen Brief heftig protestieren: "Diese Werbung ermuntert zur Vergewaltigung. Wie ist es möglich, dass solch gewaltgetränkte Bilder durchgehen, wenn man doch weiß, dass sie als Verhaltensvorbilder dienen?" Die stärkste Gewerkschaftsorganisation in Italien rief zum Protest gegen die Werbekampagne auf, die schlicht "zur Gewalt gegen die Frauen aufhetzt".
Boykott.
"Wenn die beiden Designer sich bei den Frauen nicht entschuldigen, werden wir am 8. März, am Internationalen Frauentag, zu einem Boykott der Produkte der Modegruppe aufrufen", sagte Gewerkschaftssprecherin Valeria Fedeli. Zu Hilfe komme ihr die Statistik, die besagt, dass fast 32 Prozent der italienischen Frauen Opfer von psychischer oder sexueller Gewalt sind.
"Dieses Foto ist Kunst".
In Spanien schaltete man – wie auch schon bei der Magermodel-Diskussion – wieder einmal viel schneller: Die dortige Regierung zwang Dolce&Gabbana bereits dazu, das Plakat sofort zurückzuziehen. Was das Modeduo Domenico Dolce (48) und Stefano Gabbana (44) zum g?schnappigen Kommentar bewegte, das überrasche sie ja überhaupt nicht, die Spanier seien nun einmal zurückgeblieben. "Dieses Foto ist Kunst. Wenn man über dessen Erlaubtsein diskutiert, kann man auch über die Schließung der großen Museen diskutieren", setzten Italiens Mode-Zampanos nach.
Kühle Kalkulation.
Unverstandene Kunst also. Und Zensur! Das wollen die beiden Modemacher, die viele Jahre auch privat ein Paar waren, der Welt nun weismachen. Naheliegender ist da schon der Gedanke, dass nichts weiter als kühle Kalkulation dahintersteckt, mit dem die Kasse noch mehr klingelt, als sie es bisher ohnehin tat. Schlag? nach bei Benetton. Der Textil-Kaiser aus Treviso hat gezeigt, dass man es mit bunten Pullovern zu einem der reichsten Männer Italiens bringt. Wenn man sich nicht nur darauf verlässt, Menschen mit Wolle einzuwickeln.

















