Richard Lugner: Der schlaue Kasperl wird 80 Jahre alt
Am 11. Oktober wird Richard Lugner 80 Jahre alt. Ans Aufhören denkt er nicht: "Solange ich gesundheitlich dazu in der Lage bin, mache ich weiter so "Mörtel".

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Richard Lugner hat die prunkvollste Moschee Österreichs gebaut, trotz Abratens sämtlicher Experten mitten am Wiener Gürtel ein erfolgreiches Einkaufszentrum aus dem Boden gestampft und verschafft den Organisatorinnen des Opernballes mit seinen illustren Stargästen alljährlich schlaflose Nächte. Am 11. Oktober wird "Mörtel" 80 Jahre alt. Und ans Aufhören denkt er nicht: "Solange ich gesundheitlich dazu in der Lage bin, mache ich weiter", sagte der Baumeister gegenüber der APA.
Es gab eine Zeit, da war Richard Lugner völlig unbekannt. Während sich im Bauboom der 1960er Jahre die großen Firmen im Kampf um die Großaufträge gegenseitig aufrieben, spezialisierte sich der junge Lugner auf kleine Baustellen. "Wir haben etwa bestehende Villen renoviert", erinnerte sich der Baumeister. Das Geschäft ging bald so gut, dass die Angestelltenzahl von zwei Personen auf 700 in die Höhe schoss.
Lugner verstand bereits in jungen Jahren, auf jeden erdenklichen Weg Aufmerksamkeit zu erreichen: Er unterbot Anbote für Baustellen in der Innenstadt - nur um möglichst präsent zu sein. Seine Firmenschilder waren schreiend rot anstatt des üblichen weiß und derart platziert, dass sie nicht zu übersehen waren. Auch die Lieferwagen der Firma waren bald ganz rot. "Wir haben die jedes Jahr in den Weihnachtsfeiertagen neu angestrichen", so Lugner.
Seinen ersten großen Coup landete der Baumeister 1975, als ihm vom damaligen saudiarabischen König Faisal ibn al-Aziz der Auftrag zum Bau der Wiener Moschee in Floridsdorf erteilt worden ist. Die Konkurrenz um den Auftrag war hart: Ein Mitbewerber ging den Erinnerungen des Baumeisters zufolge soweit, zum Islam zu konvertieren. "Er hat sich sogar beschneiden lassen", sagte "Mörtel". Der König ließ sich von dem Argument, dass kein Falschgläubiger das Gebetshaus errichten dürfe, aber nicht beeindrucken. "Er hat gesagt, lieber ein gläubiger Christ als jemanden, der nur wegen des Geldes die Religion wechselt", so Lugner
Durch den Bau der Moschee kam Lugner auch das erste Mal mit einem Berufsstand in Kontakt, der sein Leben nachhaltig prägen sollten: Die Journalisten. "Es gefiel mir, in der Zeitung zu stehen", sagte der Baumeister.
"Lugner City" gegen alle Chancen
Im Jahr 1988 kaufte Richard Lugner um 14 Millionen Schilling einen Grund direkt am Wiener Gürtel unweit der Stadthalle in Rudolfsheim-Fünfhaus. Sein Plan: Die Errichtung seines eigenen Einkaufszentrums, der "Lugner City". Das erste Gutachten sprach allerdings eine eindeutige Sprache. Das Projekt sei aufgrund des Standortes und der schwachen Kaufkraft der Anrainer todgeweiht. "Ich habe es trotzdem gemacht", meinte "Mörtel".
Im September 1990 wurde die "Lugner City" von Dagmar Koller eröffnet. Bei der Werbung für seine City setzte Lugner von Anfang an auf trashiges Guerilla-Marketing, auch wenn er gar nicht wusste, was das eigentlich ist. Anstatt klassischer Strategien wie Winterschlussverkauf, Muttertags-Rabatt und Aktionen zum Schulbeginn gab es beim Baumeister Volksbelustigungen wie den ersten Frauenboxkampf Österreichs.
Bei der Auswahl der Geschäfte hatte Lugner ein ebenso einfaches wie effizientes System: "Ich fuhr in andere Einkaufszentren und sah mir an, welche Geschäfte voll waren. Die holte ich in die 'Lugner City', egal, was sie verkauften". Das Konzept ging auf: Heute ist die "Lugner City" eines der erfolgreichsten Einkaufszentren des Landes.
Mausi, Hasi, Katzi und Co.
Im Jahr 1990 heiratete Lugner mit Christina seine vierte Frau. Und wohl kaum eine andere Begleiterin an Lugners Seite hatte einen ähnlichen Zug zur Öffentlichkeit wie "Mausi". Das Paar bekam mit Jacqueline eine gemeinsame Tochter. Im August 2007 wurde die Ehe geschieden. Seitdem fanden sich an der Seite "Mörtels" unterschiedliche Frauen, die allesamt Tiernamen verpasst bekamen. Seine derzeitige Lebensgefährtin Anastasia Sokol alias "Katzi" macht allerdings vor allem durch ihre angeschlagene Gesundheit und offensichtlichen Essstörungen Schlagzeilen.
Lugner zog sich nach Eröffnung seiner City aus dem Baugeschäft zurück und übergab es seinen beiden Söhnen aus früheren Ehen. Zwischendurch kämpfte der Unternehmer auch mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. "Ich bin aber nie in Konkurs gegangen", betonte Lugner. Sein Ausflug in die Politik war ebenfalls nur mäßig erfolgreich: 1998 bekam er bei der Wahl zum Bundespräsidenten 9,9 Prozent der Stimmen, seine Bewegung "Die Unabhängigen" landete bei der Nationalratswahl 1999 mit 1,02 Prozent einen veritablen Bauchfleck.
"Soll ich zuhause sitzen und Schach spielen?"
Die Lugner City ist auch noch heute das Hauptbetätigungsfeld des Baumeisters. Er mobilisiert gegen das Rauchergesetz, will die Ladenöffnungszeiten ausweiten und liefert sich einen Kleinkrieg mit der Gewerkschaft. "Es ist schon sehr Kräfte aufreibend, aber der Erfolg gibt mir Kraft. Soll ich zuhause sitzen und Schach spielen?"
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