Promis machen Sarkozy nur wenig Freude
Betrunkene Rapper und millionenschwere Steuerflüchtlinge aus dem Showbusiness sind im Unterstützerkomitee des französischen Präsidentschaftsanwärters.

Foto © ReutersAus Protest in die Schweiz? Johnny Hallyday
Vor der französischen Präsidentenwahl im
Frühjahr werden für Innenminister Nicolas Sarkozy, den
chancenreichsten Kandidaten im bürgerlichen Lager, seine
Freundschaften aus dem Showbusiness immer öfter zum Problem. Am
vergangenen Sonntag wurde der Rapper Doc Gyneco von der Polizei
festgenommen, nachdem er stockbetrunken mit seinem Roller gegen ein
Taxi gefahren war. Er musste mehrere Stunden in der
Ausnüchterungszelle verbringen.
Empörung. Im Dezember hatte der millionenschwere Rocksänger und alte
Sarkozy-Kumpel Johnny Hallyday den Minister und Chef der
Regierungspartei UMP mit der Ankündigung in Verlegenheit gebracht,
sich aus steuerlichen Gründen in die Schweiz abzusetzen. Und der
TV-Moderator Pascal Sevran, auch ein Ministerfreund, löste einen
Sturm der Empörung aus, als er wegen der hohen Geburtenrate in Afrika
vorschlug, "den halben Planeten sterilisieren zu lassen".
Hoffnung. In Frankreich suchen viele Präsidentschaftsanwärter die Nähe von
Exponenten des Showbusiness in der Hoffnung, dadurch ihre Popularität
steigern zu können. Sarkozys Freundschaft mit dem dunkelhäutigen
Rapper Doc Gyneco hatte viele überrascht, nachdem der Politiker sich
nicht erst beim Aufstand der Vorstadtjugend vor einem Jahr einen Ruf
als Hardliner erworben hatte.
Buch. Der Musiker scheint inzwischen von Sarkozy geradezu begeistert zu
sein. Am Montag kündigte er im Radiosender RTL an, er wolle am 10.
Februar ein Buch mit dem Titel "Les grands esprits se rencontrent"
("Das Treffen der großen Geister") über seine Unterstützung für den
UMP-Chef herausbringen. Es trägt den Untertitel "2007, Sarkozy et moi
- une amitié au service de la France" ("2007, Sarkozy und ich - eine
Freundschaft im Dienste Frankreichs").
"Elend". Auch seinen unfreiwilligen Ausflug auf die Polizeiwache will der
geläuterte Doc Gyneco nun in den Dienst seiner neuen Freundschaft mit
dem Innenminister stellen. Er sei entsetzt gewesen über "das Elend"
der Beamten, sagte er der Tageszeitung "Le Parisien". "Ich habe den
Polizisten gesagt, dass ich Nicolas sagen werde, unter welchen
elenden Bedingungen sie arbeiten müssen."
















