Die Prinzenrolle
Bei den Briten hält sich das Gerücht, die Queen werde heuer ihr Amt abgegeben. Wird Charles zugunsten seines Sohnes in der Thronfolge übersprungen? Vieles spricht dagegen.

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Es fing alles mit einer scheinbar harmlosen Mitteilung ans Finanzministerium an. Prinz William und sein Bruder Harry sollten nach Angaben der Royals künftig mehr öffentliche Termine wahrnehmen. Daraus resultierende Kosten müssten entsprechend verwaltet werden. Das Memo wurde prompt von der britischen Boulevardpresse aufgeschnappt und als Indiz dafür gesehen, dass die Queen kurz vor dem Abdanken stehe. Ihr Zepter werde sie nicht gemäß jahrhundertealter Tradition ihrem Sohn Charles übertragen, sondern ihrem Enkel William.
Die Royals dementierten dies vehement. Schließlich geht es nicht nur um die Frage, wer demnächst den britischen Thron besteigt, sondern ob die Monarchie in Großbritannien überhaupt noch zeitgemäß und erwünscht ist.
William hat eines, was den Royals derzeit fehlt, aber nicht unbedingt ein Kriterium ist, um König zu werden: Beliebtheit. Seit dem Tod Prinzessin Dianas ist die Popularität des Königshauses stetig in den Keller gerutscht. Da hilft auch nicht, dass sich Großbritanniens oberster Ökobauer so stark für den Klimaschutz einsetzt. Prince Charles durfte sogar beim Klimagipfel in Kopenhagen über gefährdete Tropenwälder referieren. Die Herzen der Briten gewinnt der ewige Thronfolger damit aber nicht. Die nehmen ihm zum Teil noch immer die Hochzeit mit seiner Jugendliebe Camilla Parker-Bowles übel. Seine Kritik an progressiver Architektur sorgte erst kürzlich für einen Baustopp - sehr zum Argwohn namhafter internationaler Architekten. Doch die Historie zeigt, dass die Imperfektionen der jeweiligen Royalen noch nie ein Hinderungsgrund waren, die Macht zu übernehmen. Auch die Verfassung sieht kein Überspringen der Nachfolgeordnung wegen mangelnden Charismas vor.
Die Show stehlen
Prinz William liefert unterdessen den Glamour, der den Royals Positiv-Schlagzeilen bringt. Seine Romanze mit Kate Middleton ist ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse. Nachdem die beiden kurzfristig auseinander gingen, besteht nun kein Zweifel an einer geplanten Verlobung. William übernimmt im Sinne der Arbeitsteilung zwar immer öfter Aufgaben der Queen, ließ kürzlich aber in einer ungewöhnlich direkten Mitteilung erklären, er habe nicht die Absicht, seinem Vater die Show zu stehlen.
Zugleich wird die Frage der Notwendigkeit eines Königs oder einer Königin in Zeiten der Krise immer heikler. Offiziell hat das britische Staatsoberhaupt abgesehen von der jährlichen Eröffnung des Parlaments nur wenig Einfluss auf die Tagespolitik. Im Vorjahr gab der britische Staat aber für die Royals und die Instandhaltungskosten diverser Paläste rund 41 Millionen Pfund (45 Millionen Euro) aus. Angesichts der angespannten Kassen geht es bei der Diskussion weniger um das politische Staatsmodell, sondern um das Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Staatsoberhaupt nach europäischem Vorbild, ohne Pomp und Hermelinmantel, würde dem Fiskus schließlich eine Menge Geld sparen.
Die Windsors arbeiten derzeit entsprechend hart an ihrem Ruf. Überschwängliche Parties sind unerwünscht. Entgleisungen von Prinz Harry, der sich öfter mit rassistischen Bemerkungen unbeliebt machte, ebenso. Die Armee-Karriere der beiden jungen Prinzen hat Palastsprechern zufolge erste Priorität.
Fleißige Königin
Bei all dem Trubel um die Zukunft der Monarchie vergessen aber viele Briten, dass die 83-jährige Queen überhaupt keine Anstalten macht, ihren Platz zu räumen. Die pflichtbewusste Elisabeth II. nimmt noch immer mehr als 400 öffentliche Termine jährlich wahr. 2012 will sie ihr 60-jähriges Thron-Jubiläum feiern. Vizepremier Peter Mandelson versprach den Briten zu diesem Anlass einen extra Feiertag. Wenn das keine Art ist, den Briten die Monarchie schmackhaft zu machen.















