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Zuletzt aktualisiert: 03.11.2009 um 21:13 UhrKommentare

Royaler Besuch mit sehr wenig Echo

Prinz Charles und seine Frau Camilla sind in Kanada zu Gast. Die meisten Kanadier kümmert das aber kaum. Die parlamentarische Monarchie halten sie für antiquiert.

Foto © AP

Das Stadion war nicht einmal halbvoll, als Prinz Charles und seine Gemahlin Camilla zum Auftakt ihres Kanada-Besuchs ins Hockey-Stadium von Neufundland geführt wurden. Premier Stephen Harper hieß den britischen Thronfolger mit warmen Worten willkommen. Der Kanadier scherzte, die Royals würden sich in Neufundland wie zu Hause fühlen. Schließlich gebe es dort überall "Fish and Chips", die denen in London in nichts nachstünden.

Viel Zeit wird Charles und Camilla dafür aber kaum bleiben. Ihre elftägige Kanada-Tournee soll sie durch zwölf Städte in vier Provinzen führen.

Charles folgt bereits zum 15. Mal einer Einladung nach Kanada. Die häufigen Besuche gehören quasi zum königlichen Pensum. Schließlich ist Kanada das älteste Commonwealth-Mitglied Großbritanniens und die Queen das Staatsoberhaupt des nordamerikanischen Staates.

Ob Mr. Windsor kommt oder nicht, ist der Mehrheit der Kanadier allerdings egal. Laut jüngster Umfrage der Kanadischen Rundfunkanstalt empfinden 60 Prozent der Bürger die parlamentarische Monarchie als antiquiert. Fast die Hälfte der Befragten befürwortet ihre Abschaffung und zieht ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt vor. Die Queen ist zwar nach wie vor beliebt. Aber 37 Prozent sind der Ansicht, sie sollte nach ihrem Tod nicht ersetzt werden. Unangenehm für Charles. Der kann sich zumindest damit trösten, dass 57 Prozent lieber ihn als seinen Sohn William als König sähen.

Regierungschef Harper bekräftigte, Kanadas Beziehung zur Monarchie sei "ein wichtiges Symbol kanadischer Identität". Das sehen die Bewohner des französischsprachigen Teils des Landes etwas anders. Auch der Präsident der 500 Mitglieder zählenden Widerstandsbewegung "Reseau de Résistance du Québécois" erklärte, die britische Monarchie sei der "Feind eines freien Québéc" und kündigte an, den

Besuch zu "stören". Die zunehmend vielschichtige und multikulturelle kanadische Gesellschaft kann den britischen Royals im besten Fall Gefühle der Nostalgie entgegenbringen, wenn nicht nur Gleichgültigkeit. 80 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Monarchie eine wichtige Rolle in der Geschichte Kanadas spielt. Als Respekt einflößende Institution empfinden die Kanadier die Royals aber eher nicht.

Im kanadischen Edmonton Journal hieß es, die königliche Familie werde heute eher aufgrund ihres "Unterhaltungswerts" geschätzt.

Bis zum nächsten königlichen Besuch ist es übrigens auch nicht mehr weit. Für das nächste Jahr sind die Queen und ihr Gemahl Prinz Philip "gebucht". Die Kosten für die Besuche werden mehrheitlich vom kanadischen Steuerzahler getragen. Unglücklich für die Queen: Kaum die Hälfte der Kanadier weiß, dass sie ihr Staatsoberhaupt ist.

ANNA VAN OMMEN, LONDON

KLEINE.tv



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