Baku: Eine Stadt zwischen Ölpumpen und High Heels
Aserbaidschans Hauptstadt Baku abseits der Song Contest-Trampelpfade: Ein allseits präsenter Geidar Aliyev, ein permanenter Hauch von Öl und Frauen in schwindelerregenden High Heels.

Foto © APA | APA | APADie Crystal Hall, die Skyline von Baku und eines der Ölfelder
Baku ist eine No-Go-Zone für langhaarige, rauchende Rollstuhlfahrer mit Kontaktlinsen: Die etymologisch wahrscheinlichste Herleitung des Namens, "Stadt der Winde", kommt nicht von ungefähr. Eine stets vom kaspischen Meer herüberwehende Brise zerstört jede Frisur in Sekunden, treibt einem den Sand in die Augen und verunmöglicht das Anzünden einer Zigarette beinahe komplett. Dabei ist das Song-Contest-Motto "Light your Fire" in den meisten Lokalen durchaus wörtlich zu nehmen, ist das Rauchen hier doch ohne Einschränkung erlaubt. Zugleich ist die leidlich hügelige Stadt durch eine Myriade von Treppchen gekennzeichnet, die auf Gehsteigen unterschiedliche Niveaus ausgleichen und somit Gehbehinderten das Fortkommen erschweren.
Alles muss seine Ordnung haben
All dies bleibt dem Song-Contest-Reisenden noch verborgen, wenn er mit dem Flieger zum Landeanflug ansetzt. Da sticht eher ins Auge, dass die Vororte der Metropole aus der Luft wie ein Setzkasten aussehen - jedes Anwesen, jeder Bauernhof, ja jede Weide ist von einer Mauer umgeben, die miteinander verbunden, ein Schachbrettmuster auf die Landschaft werfen. Entsprechend ist der Weg vom Flughafen gleichsam von einer einzigen, durchgängigen Mauer gesäumt, bis man den inneren Kern Bakus erreicht.
Immerhin geht Letzteres erstaunlich schnell. Schon am Flughafen und bei der Visa-Vergabe werden die anreisenden, akkreditierte Mitglieder des Song-Contest-Trosses bevorzugt behandelt. Sollte man einer Delegation angehören, geht es mit dem Luxusbus hinter einem Polizeiauto in die Stadt. Diese erscheint zunächst von einer Mischung aus Geschäftshochhäusern, historisierenden Großbauten im Pariser Stil und generalsanierten Altbauten geprägt. Auf den zweiten Blick wirkt die Stadt jedoch keineswegs so aseptisch, findet sich doch bisweilen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Palastbauten einstöckige, bröckelnde Wohnkultur. Insgesamt gewinnt die Stadt am Kaspischen Meer dadurch eindeutig Charme und in vollster Beleuchtung bei Nacht sogar weltstädtisches Flair.
"Ah, 'Woki mit deim Popo'!"
In den engen Gassen wuselt es tagein, tagaus von Menschen. Augenfällig ist dabei die freundliche Zurückhaltung der Bewohner, auch wenn man als hellbehaarter Mitteleuropäer mangels anderer Touristenmassen unschwer als Song-Contest-Gast zu erkennen ist. Selbst in Marktvierteln wird man nicht durch offensive Verkaufstaktik belästigt. Einzig ein freundliches "Where are you from?" vernimmt der Song-Contest-Reisende hier und da, wo bei die alpenrepublikanische Deklarierung auch nach dem Ausscheiden der Trackshittaz meist mit einem "Ah, 'Woki mit deim Popo'!" quittiert wird.
Zugleich haben gut 80 Jahre Zugehörigkeit zur Sowjetunion im grundsätzlich islamisch geprägten Land ihre Spuren hinterlassen. Dank der forcierten Säkularisierung bemerkt man im Stadtbild kaum Frauen mit Kopftuch, nur mehr eine Minderheit der Einwohner sieht sich selbst als regelmäßig praktizierende Muslime. Vom Straßenbild orientalischer Städte heben sich die Frauen dementsprechend meist ab - oft mit ungeachtet des Straßenzustands schwindelerregend hohen Absätzen. Überdies scheint jung wie alt eine gewisse Neigung zu gewagten Mustern und körperbetonter Kleidung zu haben.
Geidar Aliyev
Dies betrachtet an zahlreichen Ecken und Enden stets milde lächelnd Geidar Aliyev. Der Personenkult um den 2003 verstorbenen Vater und Amtsvorgänger des jetzigen autoritär regierenden Präsidenten Ilham Aliyev ist unübersehbar, finden sich doch auch in der quirligen Altstadt stets große Plakate des einstigen KGB-Generals. Und nicht zuletzt sind zahlreiche Bauwerke, Stiftungen und auch der Flughafen nach Aliyev benannt.












