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Zuletzt aktualisiert: 10.05.2012 um 14:30 UhrKommentare

Baku sieht sich als sicherer Ort für Homosexuelle

Aktivisten in Baku, die Opposition und auch die Präsidialverwaltung beteuern, die Partystadt unter Palmen sei für den ESC Ende Mai absolut sicher - Aserbaidschan ist aber ein islamisch geprägtes Land an der Grenze zum Iran, wo Homosexualität unter Todesstrafe steht.

Foto © Markus Schieder - Fotolia.com

Die luftige und grüne Uferpromenade am Kaspischen Meer scheint wie gemacht für die schwul-lesbische Fangemeinde des Eurovision Song Contests (ESC) in Aserbaidschan. Doch Aktivisten im Westen warnen immer wieder, dass hinter den schillernden Fassaden der Hauptstadt Baku der Schwulenhass zu Hause sei. Aserbaidschan ist ein islamisch geprägtes Land an der Grenze zum Iran, wo Homosexualität unter Todesstrafe steht. Doch Aktivisten in Baku, die Opposition und auch die Präsidialverwaltung beteuern, die Partystadt unter Palmen sei für den ESC Ende Mai absolut sicher.

Anfragen von Verängstigten

Es gebe sie dauernd, die Anfragen verängstigter schwul-lesbischer Fangruppen, wie gefährlich Baku denn nun wirklich sei, sagt Kamran Rzajew und verdreht die Augen. "Wir sind kein schwulenfeindliches Land. Und für Ausländer ist es hier schon gleich gar nicht gefährlich", betont der Leiter der Organisation Gender & Development bei einem Treffen im Club Benua in Baku. Die vor fünf Jahren gegründete Einrichtung hilft Homosexuellen, die sich in dieser Kultur mit starken religiösen Traditionen ausgegrenzt fühlen oder auch in ihren muslimischen Familien Gewalt ausgesetzt sind.

Der Mittdreißiger und sein Lebensgefährte Elchan Bagirow (36) erklären, dass wegen religiöser Vorbehalte und eines Mangels an Erfahrung mit westlicher Kultur für die meisten Aserbaidschaner Homosexualität etwas Fremdes sei. Aber Ängste vor Übergriffen gewalttätiger Fundamentalisten, die etwa in Internetblogs mit Morden drohen, weisen die beiden Aktivisten zurück. "Das Land ist zwar ein Polizeistaat. Das bedeutet aber auch, dass es sicher ist", sagt Kamran und löscht seine Zigarette in seinem Whisky.

Kamran und Elchan sagen, dass Sexualität sich in der Ex-Sowjetrepublik traditionell im Verborgenen abspiele. Auch ihre Organisation arbeitet unter dem Tarnnamen Gender & Development (etwa Geschlechterrolle und Entwicklung), um offiziell registriert zu bleiben. Vom Staat gebe es Geld für den Kampf gegen Aids und HIV sowie ein Methadonprogramm für Drogensüchtige. Beide erzählen auch, dass viele offensichtlich Schwule etwa im Showgeschäft völlig unbehelligt arbeiteten. Aber richtiges Outing sei ein Tabu. Deshalb sei auch die öffentliche Debatte um eine mögliche schwul-lesbische Parade (Gay Pride) zum ESC etwas Neues für das Land.

"Wir haben hier im Kaukasus den Vorteil, dass körperliche Nähe unter Männern durchaus zur Kultur gehört und Schwule deshalb nicht gleich auffallen", sagt Kamran. Muslimische Jugendorganisationen warnen allerdings davor, sich auf der Straße etwa zu küssen oder übertriebene Nähe zur Schau zu stellen. Das örtliche ESC-Komitee sieht aber keine Gefahr von Gewalt. "Die Regierung hat garantiert, dass jeder sicher sein wird. Für uns ist der ESC ein großes Ereignis, um unsere Musik und Kultur zu präsentierten", sagt Tahir Mammadow vom ESC-Komitee.

Auch die Präsidialverwaltung gibt Entwarnung: "Wir versichern Euch: Aserbaidschan ist ein toleranter Platz. Uns kümmert nicht, wer schwul ist und wer nicht", sagt der Chef der Abteilung für gesellschaftspolitische Fragen, Ali Gassanow: "Trotzdem sollte jeder die Kultur berücksichtigen". Traditionell betonen die Funktionäre, dass das Land an der Schnittstelle zwischen Ost und West ein weltlicher Staat sei, der Religionen und Minderheiten schütze. "Aserbaidschan will so reich werden wie die Golfstaaten und so weltoffen wie der Westen", sagt Gassanow.

Schwul-lesbisches Publikum

Die Oppositionspolitiker, die sonst mit den autoritären Machthabern wegen Menschenrechtsverstößen und Freiheitsbeschränkungen über Kreuz liegen, sowie Politologen wischen übertriebene Bedenken westlicher Besucher ebenfalls weg. Auch Sänger Ell, der beim ESC in Düsseldorf voriges Jahr mit Nikki ("Running Scared") den Sieg nach Baku holte und die Show in diesem Jahr moderiert, sieht keine Gefahr für das schwul-lesbische Publikum.

"Das garantiere ich", sagte der 22-Jährige mit gekonntem Augenaufschlag bei einem Treffen in Baku schon im Mai vorigen Jahres.

Ulf Mauder/dpa

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