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    Zuletzt aktualisiert: 10.05.2012 um 11:21 UhrKommentare

    Letzter Schliff für Bakus große Stunde

    Vor dem Eurovision Song Contest in Aserbaidschan gibt es bisweilen Zweifel, ob sich die autoritäre Ex-Sowjetrepublik eignet für den Wettbewerb - doch für den Hochglanz-Effekt wird nun 24 Stunden in vier Schichten täglich gearbeitet, heißt es.

    Foto © APA

    Dutzende Arbeiter bohren, knien auf dem Boden und verlegen Steinfliesen. Viele Gesichter sind hinter selbstangefertigten Stoffmasken versteckt, der Wind wirbelt den Staub auf. Zwischen Baumaschinen und Erdhügeln herrscht geschäftiges Treiben. Es ist kaum zu glauben, dass in wenigen Wochen Tausende Menschen genau über diesen Platz in die "Crystal Hall" in Aserbaidschans Hauptstadt Baku strömen werden. Nach seinem Sieg beim Eurovision Song Contest (ESC) im vergangenen Jahr hat sich die autoritär regierte Kaukasusrepublik in dieses Großbauprojekt gestürzt.

    Kriegsschiffe wurden entfernt

    Die alte Militärbasis auf der Landzunge am Kaspischen Meer musste dem Prestigeprojekt zur Austragung des diesjährigen ESC kurzerhand Platz machen. Die vor Anker liegenden, veralteten Kriegsschiffe wurden entfernt, monatelang wimmelte es von Hunderten Arbeitern, im Versuch den Kampf gegen die Zeit zu gewinnen. Vergangenes Monat verkündete eine aserbaidschanische Stiftung dann stolz, dass die Arbeiten an der Halle abgeschlossen seien. Der Hauptvertragspartner für den Bau der Crystal Hall, die Alpine Bau Deutschland AG, eine Tochter des österreichischen Baukonzerns Alpine, konnte sich stolz auf die Schulter klopfen.

    24 Stunden in vier Schichten wird täglich gearbeitet, heißt es. Der Boden, die Grünanlagen und die Verlegung der Steine, müssten um die Halle noch fertiggestellt werden. Drinnen arbeite man noch an der Dekoration. Für Journalisten wandelt sich die glitzernde Halle mit spitzen Glasplatten aber dann zur "Secret Hall", eine Besichtigung ist nicht vorgesehen. Rund 16.000 Zuschauer sollen in wenigen Tagen für die Song-Contest-Finals hier Platznehmen, vor einer Bühne, auf die Millionen Blicke von Fernsehzusehern aus ganz Europa gerichtet sind.

    Die Augen tränen. Die Arbeiter sind den starken Wind vom Kaspischen Meer jedoch längst gewöhnt. Mit heftigem Peitschenschlag weht die aserbaidschanische Flagge auf einer Anhöhe neben der Halle im Wind. Nicht grundlos bedeutet Baku "die windige Stadt". Vor wenigen Monaten verwies Tadschikistan dank zusätzlicher drei Meter Aserbaidschans Fahnenmast (162 Meter) auf den zweiten Platz. "Unsere Fahne ist die höchste", heißt es nichtsdestotrotz stolz von vielen Aserbaidschanern (Aseris), um gleich mit dem nächsten Superlativ aufzutrumpfen. "Unser Boulevard wird der längste sein." Die vor mehr als hundert Jahren angelegte Straße wurde, wie so vieles in Baku, in den vergangenen Jahren erneuert. Die sieben Kilometer wurden extra für den Song Contest um drei Kilometer verlängert. In den nächsten Jahren sollen weitere fünf Kilometer hinzukommen, um auch noch die aktuell führende Axe Historique in Paris, zu der auch die Champs Elysees gehören, überholen zu können.

    Ebenfalls in rekordverdächtigem Tempo hat Aserbaidschan die Innenstadt in den vergangenen drei Jahren dank der sprudelnden Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft rundumerneuert. Alte Bauten aus der Sowjetzeit wurden dem Erdboden gleich gemacht, neue Glitzerbauten ragen weit in den Himmel. Einen Aufschrei gab es nicht nur von vielen Bewohnern, die ihre Häuser gegen ihren Willen für die "Stadtverschönerung" verlassen mussten, sondern auch von Historikern. Den Bedenken Letzterer wurde zumindest teilweise nachgegeben, fast könnte man in Bakus Innenstadt straßenweise einen Vergleich zu Wiener Graben und Kärntnerstraße ziehen. Alte Häuserfassaden wurden vereinzelt erhalten und mit neuem Innenleben gefüllt.

    Der Blick ist streng, aber er wirkt. Hunderte Polizisten begegnen dem Besucher auf seinem Spaziergang durch die Innenstadt. Und die Präsenz zeigt Wirkung: Baku hat die niedrigste Kriminalitätsrate in der Region, wird einem versichert. Nicht einmal mehr Abfallreste trauen sich offenbar auf den Straßen zu zeigen, sogar Wien könnte sich an der Sauberkeit ein Vorbild nehmen. Die wohldurchdachte Präsentation soll Touristen aus aller Welt in die Stadt am Kaspischen Meer locken, versucht Aserbaidschan doch seinen Wirtschaftssektor nicht zuletzt durch die Tourismusbranche zu diversifizieren, um sich aus der Dominanz der Energiepolitik zu lösen. Neue Luxushotels sprießen dazu aus dem Boden, in freudiger Erwartung dicker Brieftaschen.

    Der "Stadtverschönerungsprozess"

    Die autoritäre Landesführung - für Kritiker eine Günstlingswirtschaft rund um Staatschef Ilham Aliyev (Aliew), für die auch der Index der Antikorruptionsorganisation "Transparency International" ein von Korruption durchzogenes System ausweist - hat sich viel Mühe gemacht, um diese glitzernde Oberfläche zu kreieren. Umso verständnisloser bis verärgert reagieren die Machthaber auf Kritik an Menschenrechtsverstößen, politischen Gefangenen, Anwendung von Gewalt bis hin zu Folter, massenhaften Zwangsumsiedlungen im Zuge des "Stadtverschönerungsprozesses" und mangelnder politischer und Medienfreiheit im Land. Die Kritik Europas wird als Unverständnis für die junge Republik und Anlegen von "Doppelstandards" vehement zurückgewiesen.

    Aber auch im Land erheben mutige Aktivisten ihre Stimme. Die Kampagne "Sing for Democracy" möchte am 18. Mai, wenige Tage vor dem ESC-Finale am 26. Mai, ebenfalls ein Musikfestival in Baku veranstalten. Noch gibt es keine Genehmigung, dass die Lieder zu Menschenrechten und Demokratie dort erklingen können.

    Viola Bauer/APA

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