Wenn der Popo eine eigene Meinung hat
Die Trackshittaz, Österreichs Beitrag zum Songcontest in Baku, rockten auf dem Nassfeld. Was viele den Kopf schütteln lässt, ist für die Fans einfach nur "geil."

Foto © KLZ/Weichselbraun
Selbstironie wird dankend angenommen, auch wenn sie in diesem Rahmen nicht nötig wäre. "Bis Baku nehm ich noch Gesangsunterricht, das verspreche ich euch." Tröten und lautes Gekreische treiben den Geräuschpegel in die Höhe. Lukas Plöchl kann also nachlegen: "Mit diesem sexistischen, vulgären Lied fahren wir zum Songcontest." Einem älteren Mann, der gerade seinen Skitag beendet, bleibt der Mund offen. Ortsbewohner, die mit Hund und Kinderwagen vorbeikommen, wenden sich kopfschüttelnd ab.
Freitag Nachmittag bei der Talstation des Millenium-Express. Sonnenschein, Skifahrer im Frühjahrsschnee, grüne Hänge ringsum, eine rote Schneekanone, die sich langsam in Betrieb setzt. Und eine Bühne, auf der die österreichischen Vertreter beim Songcontest, die Trackshittaz, ein Best-of ihres Schaffens präsentieren. Mit der Aufforderung "Links ein Schritt, rechts ein Schritt" und "Oida Taunz!" wird es ernst. Die Initiatoren des "S'cool, Ski & Board", Österreichs größtem Schulskikurs mit etwa 1000 Teilnehmern, bewiesen einen guten Riecher als sie die Mühlviertler Lukas Plöchl und Manuel Hoffelner als Live-(bzw. Halb-Playback-)Act engagierten. Näher an die Zielgruppe geht kaum. "Die Jungs sind einfach cool und machen echt geile Musik", sagt Eva (14) aus Ried.
Das Gailtal ist an diesem Nachmittag durchwegs "geil". Jenny (15) aus Niederösterreich findet Manuel besonders "geil", für Magda (15) aus Bad Aussee war ihr "Snowboardlehrer geiler", Freundin Anna (15) hätte es "geiler" gefunden, wenn David Guetta hier wäre. Auf der Bühne sind die Trackshittaz mittlerweile "geiler als die Polizei erlaubt". Eigenlob stinkt zwar, aber Plöchl hat ja "genug Parfum mit". Und immer wieder: "Ihr seid zu leise, da geht mehr." Den eher unbeteiligten Après-Ski-Gästen wird gedroht, den Tisch wegzunehmen.
Die Buam ausn Stoi
Eingängige Discobeats, und Volksmusiktöne, Hip-Hop, Rapelemente und Elektrosound verbinden die Trackshittaz zu einem Musikstil, den sie "Traktorgangsta-Partyrap" nennen. Spaß, Party, Mädels und Relaxen sind das Motto, Proletengehabe inklusive. Ihre Textzeile "Du kriegst den Buam ausn Stoi, aber den Stoi nit aus den Buam" klingt wie eine Allegorie auf ihren Erfolg.
"Sie sind einfach sympathisch und singen in der Sprache, die wir auch sprechen", sagt Theresa (16) aus Linz. Ob sie Textzeilen wie "Außa mit de Depf" nicht frauenfeindlich findet? "Nein, ich finde das nicht so schlimm. Das muss man ja nicht machen." Stefanie (15) und Lara (14) aus Klagenfurt reisen den Trackshittaz durch ganz Österreich nach. "Sie sind einfach sie selbst und nicht abgehoben." Matthias (16) aus Wien sieht sie als "leiwande Gruppe mit guten Liedern".
Party like a Goasbock
Vertreter der österreichischen Agrarwirtschaft sollten darüber nachdenken, die Trackshittaz als Werbeträger zu verpflichten - nach dem Stall ist jetzt "Party like a Goasbock" angesagt. Da wird sogar der Liftwart neugierig und öffnet das Fenster. "Was wollt's denn hören?", schreit ein von den Strapazen der letzten Wochen gezeichneter Lukas Plöchl in die Menge. "Uuh, uuh, uuh" schallt es zurück. Wenn die Aufforderung zum Popowackeln in Baku auch so funktioniert, hat Udo Jürgens seine Epigonen gefunden. Die Frage, "Habt's ihr alle euren Arsch mit?", ist eine rhetorische, bei "Woki mit deim Popo" gibt es kein Halten mehr. Wer jetzt noch nicht weiß, dass der Popo "Gefühle" und "eine Meinung" hat, ist selbst schuld.
Nach einer Stunde ist die Show vorbei, es folgt ein Autogramm-Marathon. "Bildungsauftrag haben wir keinen, wir wollen einfach Spaß haben", sagt Plöchl in Vorfreude auf den Songcontest. "Vielleicht gibt es ja in Europa auch so viele Verrückte wie in Österreich", meint Karl (45) aus Eisenstadt. "12 Points from Germany" sind sich Feodor (68) und Angelika (56) aus Berlin sicher: "Die Jungs sind einfach authentisch und haben gute Chancen."












