Baku, Popos - und die Suche nach dem Niveau
Die "Tracks" kotenden Lukas Plöchl und Manuel Hoffelner wollen mit einer Ode an weibliche Hinterteile "den Song Contest rocken". Österreich bleibt nichts erspart - oder sollte man "Woki mit deim Popo" am Ende gut finden? Von Thomas Golser.

Foto © APA/ORF
Geht scho, woki mit deim Popo, woki mit deim (uuh uuh!)
Woki mit deim Popo - yeah yeah, so gfoit ma des!
Geht scho, woki mit deim Popo, woki mit deim (uuh uuh!)
Woki mit deim Popo - wei wos i wü, bist du!
Aus der Dorf-Disco
Österreich "rockt den Song Contest": Der ORF war sich schon vorab sicher und ließ zehn Einzelkünstler und Gruppen in einer Ausscheidungs-Show um ein Ticket nach Aserbaidschan buhlen. Wenn Mühlvierteler (einen auf) Hip Hop machen, können dann schon einmal Texte zur Aufführung gebracht werden, die unter die Kategorie fallen: "leicht erfassbar, aber kaum zu fassen". Das Duo Trackshittaz ("Wir scheißen Tracks, aus denen sich dann oft etwas herauskristallisiert", informierte uns eine Hälfte) setzte sich gegen die stoppelbärtige Kunstfigur Conchita Wurst mit 51 zu 49 Prozent der Stimmen durch. Das Duell markierte ohne Frage eine neue Definition von Härte im Hauptabend-Programm. Wir sind Baku, wir sind Dorf-Disco, wir sind Trackshittaz: Ja, darf das denn sein?
Man kann argumentieren: Ein Land, das Trackshittaz bereits mehrere Nummer-1-Hits (Singles und Alben!) abkaufte, verdient nun auch genau diese musikalischen Botschafter. Und: Wenn beim Song Contest schon dauernd politisches Kleingeld gewechselt wird, Länder sich frech "points" hin und her schieben und die armen Österreicher dabei nicht einmal ignorieren, dann kann man sie auch gleich mit "Songs" wie diesem abstrafen.
Dankte 1966 ein ergriffener Udo Jürgens noch in Schwarzweiß seiner "Chérie" und gewann damit sogar, bleibt 2012 für Subtilitäten kein Platz mehr: "Wia san Party-Indiana, trogn de Federn auf de Kepf - und jetzt aussa mit de Depf, jetzt kummt de Nudlsuppn-Gang!". Um bei der kehrseitig orientierten Thematik zu bleiben: Vertraute man "Merci Chérie" noch wie Qualitäts-Toilettenpapier, nach zarter Kamille duftend, geschmackvoll bedruckt und vierlagig, so reicht es mittlerweile nur noch für eine Lage - die ist dafür stark befeuchtet. Österreich muss sich aber nicht zu sehr genieren, sofern es Trackshittaz in das Finale schaffen: Das Publikum wird vom Text nicht viel verstehen. Dafür sind zwei Burschen beim 57. "Grand Prix Eurovision de la Chanson", ohne einen Ton zu singen.
Zum Thema
Ob sich die "Stückscheißer" mit den bereits eifrig vorgelegten Alben "Oidaah pumpn muas's" (2011), "Prolettn feian längaah" (2011), "Traktorgängstapartyrap" (2012) und "Zruck zu de Ruabm" (2012) auch international zu Ruhm rappen können, darf zumindest angezweifelt werden. Die musikalische Weiterentwicklung blieb bislang überschaubar, aber das Mühlviertel ist schließlich auch nicht ursprünglich ein Hort der Innovation. Und auf Partys werden ja auch keine Doktorarbeiten vorgelesen. Diese "Popo-Hymne" sei voll für den selbigen, raunzt Österreich nun. Das mag sein - die Halbwertzeit des Titels ist wahrscheinlich geringer als eine frisch angebrauchte Rolle Toilettenpapier. Doch der Song Contest ist schon seit längerem eine Kuriositätenschau fern aller Geschmacksgrenzen. Versucht bunt und laut und grell zu kaschieren, dass er ein Fall für das Museum ist.
Musikalische Geisterbahn
Man tut sich mit der musikalischen Geisterbahn-Fahrt am 26. Mai wesentlich einfacher, akzeptiert man eine Tatsache: Die Musik kommt beim Song Contest seit Jahrzehnten bestenfalls an fünfter Stelle. Davor zählen: bizarre Outfits (hier hält sich das Duo zurück, Irokese, gezupfte Augenbrauen und Baseball-Kappe müssen reichen), grenzwertige Namen (mit dem Namen Trackshittaz durchaus erfüllt), zappelige Bewegungen, wie sie oft auch mit starken Fieberschüben einhergehen (waren zu sehen) und dieser gewisse "Sex-Faktor" (den sollten einem einige hyperaktive Stangen-Turnerinnen bieten).
"Einfach halten" ist die Parole, "tiefer gelegt" gewinnt die Wahl. Man kann nicht sagen, sie hätten einen nicht gewarnt, die zwei Traktor-Rapper aus Oberösterreich. Eine mit frischen Batterien bestückte Fernbedienung und hoffentlich griffnahe gelagerte Ohrenstöpsel sollten jedenfalls nicht fehlen, heißt es dann wirklich: "Popo, Woki und Baku".












