Es begann mit einem letzten Platz
Vier Mal Schlusslicht und etliche Male im hinteren Drittel: Österreich beim Song Contest ist keine Erfolgsgeschichte. Am Freitag kürt das TV-Publikum Österreichs Vertreter 2011 - nach dreijähriger Pause.

Foto © ORF/Ali Schafler/Eurovision Song Contest 1991 in RomThomas Forstner ging für Österreich zwei Mal an den Start
Das Debüt war kein gutes Omen: "Wohin, kleines Pony, woll'n wir reiten?" hieß der erste Beitrag aus Österreich beim Grand Prix Eurovision de la Chanson, wie der Song Contest 1957 noch hieß. Interpret Bob Martin kehrte mit nur drei Punkten heim - letzter Platz. Seither hat der ORF alle möglichen Formen von Lied- und Interpretensuche für das größte Wettsingen Europas, das als Komponistenbewerb konzipiert war, ausprobiert - und ist immer wieder gescheitert.
Prominente Songschreiber
Ob man nun den Beitrag von einer internen Jury mit sogenannten Fachleuten aussuchen oder das Publikum entscheiden ließ - sei es durch das Einsenden von Postkarten (etwa 1981), durch 290 von einem Meinungsforschungsinstitut ausgesuchte Österreicher (1982), durch Telefonabstimmung (aktuell Televoting inklusive SMS) oder eine Stimmaufteilung auf die neun Landesstudios (2005). Dabei waren immer wieder prominente Namen beteiligt: Robert Stolz komponierte unser Lied von 1960 ("Du hast mich so fasziniert") - immerhin Platz sieben bei 13 Teilnehmern. Rainhard Fendrich ("Freiheit"), Georg Danzer ("Highway") und Bilgeri ("Flieg heute Nacht") wiederum scheiterten als Songschreiber bereits in den Vorausscheidungen.
Auch sonst Erfolgsverwöhnte wie André Heller und Peter Wolf, die sich 1979 für "Heute in Jerusalem" zusammentaten, wurden als Autoren nur mit fünf Punkten bedacht. Bis heute bleibt Udo Jürgens unser einziger Sieger - bei seinem dritten Anlauf 1966 konnte er "Merci, Jury" sagen. 1964 war er mit "Warum nur, warum" Sechster geworden, 1965 mit "Sag ihr, ich lass sie grüßen" Vierter. Als er dann 1968 für Karel Gott "Tausend Fenster" komponierte, reichte es bloß für Platz 13.
Schlechte Gesangsleistungen
Oftmals lagen die schlechten Platzierungen an den Gesangsleistungen: So hörte man 1984 bei Petra Frey die tiefen Töne kaum ("Für den Frieden der Welt"), zudem war das Lied altbacken, bei Wilfried wartete man 1988 vergeblich auf adäquate Töne. Oft waren die Songs aber allzu flüchtig - "Einfach weg" eben. Anspruchsvolleres wie von Timna Brauer ("Die Zeit ist einsam", 1986) tat sich wiederum auch schwer. Manchmal schlich sich leider der Eindruck ein, dass der jeweilige ORF-Verantwortliche einem befreundeten Komponisten einen Gefallen tun, also Tantiemen bescheren wollte - und die Liedauswahl daher "geheim" stattfand (etwa "One Step", 1997 - ein Schuss in den Ofen: Platz 21).
Immerhin gibt es die Länder, die noch nie gewonnen haben - Portugal, Zypern, Island etwa. Zwei Mal engagierte der ORF den deutschen Hitfabrikanten Dieter Bohlen als Produzenten: Er bescherte uns 1989 mit Thomas Forstner einen fünften ("Nur ein Lied") und 1992 mit Tony Wegas einen zehnten Platz ("Zusammen geh'n"). Ohrfeigen für heimische Musikschaffende, für die das rot-weiß-rote Ticket doch gedacht ist. Dem Reglement widerspricht es freilich nicht, dass der Komponist oder Interpret eine andere Staatsangehörigkeit hat.
Am Freitag kürt das TV-Publikum Österreichs Vertreter 2011 - nach dreijähriger Pause. Möge das Omen aus 1957 ungültig geworden sein!













