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    Zuletzt aktualisiert: 15.01.2013 um 19:14 UhrKommentare

    Aus der Chefetage an die Basis

    Wie Asfinag-Vorstandsdirektor Klaus Schierhackl inkognito eine Woche als einfacher Arbeiter seiner Firma erlebte.

    Asfinag-Vorstand Klaus Schierhackl und Mitarbeiter Raymund Oswald

    Foto © ORFAsfinag-Vorstand Klaus Schierhackl und Mitarbeiter Raymund Oswald

    Das Prinzip ist denkbar einfach: Man nehme einen Chef, ziehe ihm den Anzug aus und Arbeitsgewand an, entfremde ihn auch vom Gesicht her und schicke ihn dann, begleitet von einem Kamerateam, aus der Chefetage ein paar Stockwerke tiefer. Inkognito eben - und fertig ist ein Fernsehformat. Der ORF adaptierte diesen in England entwickelten und sehr erfolgreichen Sendungstypus und startet die neue Reihe "Undercover Boss" mit Asfinag-Vorstandsdirektor Klaus Schierhackl, Herr über 2780 Mitarbeiter.

    Herr Schierhackl, wurden Sie von keinem Ihrer neuen "Kollegen" enttarnt?

    KLAUS SCHIERHACKL: Nicht von denen, die in der Folge "mitspielen".

    Und haben sich die nicht über die Kameras gewundert?

    SCHIERHACKL: Nein, weil die ja vorher gecastet und gefragt wurden, ob sie dabei sein wollen. Offiziell sind sie allerdings in einer Folge von "Am Schauplatz" dabei, die die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen in die Arbeitswelt zum Thema hat. Und der Langzeitarbeitslose war eben ich.

    Der Langzeitarbeitslose, der Tunnel auf Autobahnen und WC-Anlagen reinigt, der Verkehrszeichen montiert und Grünflächen pflegt. Würden Sie das wieder tun?

    SCHIERHACKL: Auf alle Fälle. Sofort. Es war ein großartiges Erlebnis.

    Inwiefern?

    SCHIERHACKL: Weil ich so nah dran war am Leben und durchaus auch auf den Boden einer oft harten Realität heruntergeholt wurde. Weil ich Menschen kennengelernt habe, die zwar in keinem Vorstand sitzen - und doch sind sie Menschen wie du und ich.

    Als nach den Dreharbeiten das Geheimnis gelüftet wurde . . .

    SCHIERHACKL: . . . kam ungemein viel positive Energie von unseren Arbeitern herüber.

    Überwacht fühlte sich keiner?

    SCHIERHACKL: Zumindest hat das keiner gesagt.

    Und Sie? Hatten Sie nicht ein schlechtes Gewissen, sich quasi als "Detektiv" einzuschleusen?

    SCHIERHACKL: Ich habe mich nicht als Detektiv gesehen. Es ging auch nicht um Kontrolle oder darum, à la Günther Wallraff etwas aufzudecken. Es ging darum, einen Eindruck zu gewinnen.

    Und wenn Sie an der "Basis" auf gravierendes Fehlverhalten gestoßen wären?

    SCHIERHACKL: Die Frage stellt sich mir nicht. Und wenn einer einmal die Pause um fünf Minuten verlängert, was soll's . . .

    Was waren aber nun die Lehren aus ihrem zwischenzeitlichen Jobwechsel?

    SCHIERHACKL: Ich habe vor allem eines gelernt: wie groß die Macht des Lobes ist und dass allgemein viel zu wenig gelobt wird. Wenn man immer wieder hört, dass die geleistete Arbeit geschätzt wird, dann motiviert das unendlich. Es steigert die Freude an der täglichen Mühsal. INTERVIEW: ACHIM SCHNEYDER


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