Sido 1, ORF 0: Der Rapper ist zurück
Der ORF und vielfältige Wege sich am öffentlich-rechtlichen Tableau lächerlich zu machen: Sido scheuerte dem Heinzl eine, wurde geschasst und nun als verlorener Sohn wieder an den Küniglberg zurückgeholt. Der Rauswurf des Rüpel-Rappers dürfte vor allem auch der Quote Gewalt angetan haben. Von Thomas Golser.

Foto © APA/ORF/Thomas Ramstorfer
Der ORF will Menschen "Die große Chance" geben und lässt dabei nicht die kleinste Chance aus, sich selbst als Kasperliade zu präsentieren: Die Berliner Schnauze, die einem allzu anhänglichen Boulevard-Moderator eines auf die Schnauze gab, ist wieder zurück. Sido bekommt, nachdem er vor knapp zwei Wochen aller Ämter enthoben wurde, eine zweite Chance und feiert sein völlig unerwartetes (?) Comeback als Juror.
Bleibt alles anders
Bleibt alles anders? Jetzt, da Österreich gerade erst Frieden mit der ganzen Causa geschlossen hat? Wie kam es nun dazu? Fernsehdirektorin Kathrin Zechner betont vor allem die pädagogische Seite der Angelegenheit und hat den Glauben an das Gute im Menschen plötzlich wieder gefunden: "Wir wollen mit dieser Entscheidung ein Beispiel geben, dass am Ende eines Streits idealerweise Aussprache und Versöhnung steht". Und: "Das ist keine Rücknahme der Entscheidung, die direkt nach der Prügelattacke getroffen wurde. Der Stopp war nötig, weil auf beiden Seiten überzogen wurde". Aha.
Aussprache, Versöhnung - kurz ein Plädoyer gegen Gewalt, das man ganz allgemein dick unterstreichen will. Im richten Leben wichtig und richtig. Warum dürfte es dem Gebührenzahler trotzdem schwer bis unmöglich fallen, diese ganze Posse noch ernst zu nehmen? Und warum wird es langsam unmöglich, im ORF und seiner kruden Programmgestaltung noch Spurenelemente von Anspruch, Würde und Glaubwürdigkeit zu finden? Ein Verdacht lässt sich nicht vom Tisch wischen: Der Rauswurf des Rüpel-Rappers dürfte vor allem auch der Quote der Talentshow Gewalt angetan haben. Ein Rapp ist noch kein Rapper, in einem Obersthofmeister namens Seyffenstein (Rudi Roubinek spielte diese Rolle auch in dieser Sendung) wurde offenbar kein Meister gefunden.
Das ernste Symptom
Was sogar in einem "Club 2" zur schlagkräftigen Staatsaffäre aufgeblasen wurde, ist vor allem das ernste Symptom eines chronisch Kranken. Unter dem dünn gewordenen Deckmäntelchen einer öffentlich-rechtlichen Programmanstalt in Wahrheit über weite (wenn auch nicht alle) Strecken das wässrige Programm eines Privatsenders anzubieten - mit dem dazu passenden Personal und allen Nebeneffekten: Das stößt sauer auf. Dass ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz trotzdem eine "Haushaltsabgabe" (alle müssen bezahlen, auch die ohne Empfangsgerät) für gangbar hält, umso mehr. "Leistungen haben ihren Preis", meinte er jüngst im Interview. "Wer bezahlt, darf endlich auch Qualität erwarten", könnte der Kunde da dagegenhalten. Und/oder gleich abdrehen.
"Wir sehen und schätzen positive Entwicklung", meinte Zechner weiter zum gefallenen Sohn Dominik Heinzl und zum geschassten Adoptivling Sido. Könnte der ORF-Konsument, der den lecken Dampfer als Passagier über Wasser halten darf, das doch bloß einmal uneingeschränkt über das Programm dort sagen. Sido 1, ORF 0.














