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    Zuletzt aktualisiert: 08.08.2012 um 08:45 UhrKommentare

    Der Wolf und die fünf vordersten Geißlein

    Der selten wirklich böse (Armin) Wolf besucht die fünf Chefs der Bundesparteien: Sie wären gut beraten, von abgekautem Geplänkel Abstand zu nehmen und den Zuschauer endlich mit echten Inhalten abseits der Parteidoktrin zu überraschen: Eine Einschätzung vor den ORF-"Sommergesprächen". Von Thomas Golser.

    Foto © AP/APA/Reuters

    ORF-Anchorman Armin Wolf, der bei seinen Interviewpartnern bekanntlich auch gerne bis zur Wurzel bohrt, selbst recht engagiert zu so manchem Thema twittert und in der "Zeit im Bild" auch einmal für den einen oder anderen gut einstudierten Scherz zu haben ist - führt heuer an Stelle von Ingrid Thurnher die "Sommergespräche": "Mühsam" seien sie alle irgendwie, ließ er bereits im Vorfeld zu Josef Bucher, Eva Glawischnig, Heinz-Christian Strache, Michael Spindelegger und Werner Faymann wissen. Trotzdem könnte gerade vor dem spannenden Wahljahr 2013 das Einschalten sehr wohl lohnen - und für das Volk dringliche Themenbereiche gibt es in diesem Land wahrlich mehr als genug.

    Die Spitzenkandidaten der fünf Parlamentsparteien und ihre Ausgangspositionen:

    Josef Bucher (BZÖ)

    Der durch und durch erdige Kärntner steht unumstritten für eine gewisse Handschlag-Qualität, brachte selbst (im Unterschied zu sehr vielen Konkurrenten) einige Erfahrung aus der Privatwirtschaft mit und wurde zuletzt auch vom rüstigen Polit-Newcomer Frank Stronach unter die Lupe genommen. Josef Bucher muss sich nur eines immer und immer wieder anhören: Er sei in der falschen Partei, am lecken Dampfer. Sieht man sich an, in welchen Bundesländern außerhalb von Kärnten das "Bündnis Zukunft Österreich" aktuell noch Zukunftsperspektiven hat, fällt es recht schwer, dem zu widersprechen. "Genug gezahlt" dient den Orangen noch immer als Slogan - ein Slogan, der allerdings gerade für Kärnten selbst unrühmliche Brisanz entwickelt hat. Bucher hält im Parlament griffige, emotionale und nachvollziehbare Reden. Die BZÖ-Themen bleiben freilich etwas vorhersehbar: Mit reichlich Kritik an der EU, dem lauten Ruf nach Steuer- und Lohnkostensenkung und ähnlichem gelang die Abgrenzung zu den Freiheitlichen bislang mäßig. "Rechts-liberal" geht sich noch immer nicht ganz aus in einem Land wie Österreich - zumindest sagen einem das die Wahlergebnisse. Dazu trägt man weiterhin die heute nicht mehr zu unterschätzende Erblast des einstigen Parteigründers - der Schatten des Vergangenheit ist ein langer. Wolf erwartet sich einen Bucher (ohne Ritterrüstung) auf der Burg Petersberg in dessen schöner Heimatstadt Friesach.

    Eva Glawischnig (Grüne)

    Wie viel Grün steckt tatsächlich noch in Grün - und wie viel Rot? Die Variante Rot-Grün kommt immer wieder zur Sprache und wurde vor allem von der ÖVP als das Horrorszenario verkauft, Eva Glawischnig kann damit offenbar gut leben. Bis zur Wahl ist beim Bürger allerdings noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten: Dass die Grünen selbst schon seit etlichen Urnengängen nicht mehr so recht vom Fleck kommen, sollte nämlich gerade ihrer Chefin zu denken geben. Glawischnig hat zuletzt der Regierung den Sanktus zum Europäischen Stabilitätsmechanismus gegeben und sich prompt den Vorwurf gefallen lassen müssen, sich verkauft zu haben: Das dürfte nicht unbedingt zu mehr Stimmen verhelfen. Zuletzt schoss sie sich vor allem auf die Themen Kärnten und Korruption ein - wie eigentlich fast alle. Es gehe um "Anständigkeit in der Politik" - nur, dass diese Begriffe für viele schon so etwas wie entgegen gesetzte Pole sind. Die Politikerin, die sich auch für eine Abschaffung der Proporzregierung einsetzt, fuhr auf ihrer "Sommertour" dem (noch unentschlossenen) Wähler nach, wollte ihm "niederschwellig" begegnen. Ein "Dialogangebot" von den Karawanken bis zum Waldviertel, vom Neusiedlersee bis zum Bodensee. Eine offenbar noch immer (oder angesichts des grünen Landtagsabgeordneten Rolf Holub: gerade jetzt) auf ihre Heimat stolze Glawischnig trifft Wolf in einer Buschenschenke am malerischen Millstättersee in Oberkärnten.

    Heinz-Christian Strache (FPÖ)

    Um Heinz-Christian Strache, im Sommer auf "Bädertour" in Wien unterwegs, ist es in den letzten Wochen still geworden. Man muss sich aber keine Sorge machen, dass er in absehbarer Zeit (und mit näher rückendem Wahltermin) nicht wieder wie gewohnt Bierkrüge und grob geschnitzte Sprüche stemmen wird. In den vergangenen Monaten war er klarer Nutznießer der aktuellen politischen Ödlandschaft: Sind die anderen Parteien vor allem mit sich selbst und allerhand Unrat beschäftigt, verleiht das einem beinahe von selbst erweiterte Strahlkraft. Dass allerdings viele Bürger in Kärnten ihr Land mittlerweile für "Scheuchmenistan" halten und der Ruf nach Kehraus und Neuwahlen zum Schrei wurde, dämmerte nun auch dem FPÖ-Obersten: Wie er die einst eingegangene Kooperation mit der FPK bewertet (und heute rechtfertigt), wird wohl ein besonders interessantes Gesprächsthema werden. Dass er wenig Freude mit dieser freiheitlichen Subspezies hat, gab der oberste Blaue mittlerweile zu. Wolf ist daran gelegen, die persönliche Entwicklung seiner Interviewpartner aufzurollen - und so dürfte in diesem Zusammenhang wohl auch der 2008 verstorbene FPÖ-Übervater zur Sprache kommen. Die Feindbilder Straches sind jedenfalls wie immer schnell ausgemacht: "Bankenspekulanten" und die "Österreich-feindliche Koalition" - zu der er inzwischen auch die Grünen zählt. Strache hat sich als Treffpunkt den Wiener Kursalon ausgesucht.

    Michael Spindelegger (ÖVP)

    Das Einmann-Krisen-Interventionsteam der Volkspartei ist nicht zu beneiden: Seit Monaten muss Michael Spindelegger nun seine Partei angesichts diverser gestrauchelter Persönlichkeiten und einer daraus reichlich unvorteilhaften Optik in Schutz nehmen. Im Untersuchungs-Ausschuss halten sich etliche bekannte und der ÖVP nicht gerade ferne Namen gegenseitig die Türklinke. Den Weg in den Gerichtssaal haben bislang noch nicht sehr viele gefunden. Dazu ein Kärntner ÖVP-Chef, der samt einigen anderen aus seinem Team zurücktreten musste - viele schwarze Schafe also bei den Schwarzen. Als Therapie gegen allzu kreativ angelegte Eigen- und Parteienfinanzierung wurden von ganz oben vor einiger Zeit Transparenz- und Moralinjektionen verordnet: Ehe dieser Kodex einmal greifen sollte, muss allerdings noch reichlich Rest- und Sondermüll aus früheren Tagen weggeräumt werden. Die ÖVP warnte aufgeregt vor dem rot-grünen Schreckgespenst und probierte damit eine gewisse Abgrenzung. Mit seinem glühenden Bekenntnis zur EU und zur deutschen Kanzlerin Angela Merkel trifft der noch immer etwas bleiche Spindelegger aber nicht gerade den Nerv vieler Österreicher - und wenn, dann den falschen. Allerdings kann man gerade darin wenigstens eine klare Positionierung sehen: Wir zahlen Milliarden Euro Krisenhilfe für sich die anstellenden europäischen Staaten - einen anderen Weg gibt es nicht. Wolf erwartet von Spindelegger bei einem Perchtoldsdorfer Heurigen reinen Wein - Österreichs Vizekanzler dürfte dort aber eher nicht zum Roten greifen.

    Werner Faymann (SPÖ)

    Auch Werner Faymann, der vor einigen Wochen zusammen mit der ÖVP und mit Unterstützung der Grünen den Europäischen Stabilitätsmechanismus samt Fiskalpakt schwungvoll durchwinkte, übte sich zuletzt etwas bemüht in Werbungsaktionen für Europa. Der Bundeskanzler dürfte damit weiter alle Hände voll zu tun haben, will er doch dem Volk gemeinsame "Vorsorge" schmackhaft machen: "Wir müssen uns mit Schutzschirmen, Solidarität und Disziplin bestmöglich wappnen". Vor allem dieses "wir" wird vom zahlenden Volk im Moment aber kaum goutiert. Zuletzt eckte Faymann bei seiner deutschen Amtskollegin Angela Merkel und ihrer CDU an, als er deren Eurokurs in Frage stellte. Innerhalb der rot-schwarzen Koalition liefert ohnehin wenig den Eindruck von Eintracht und Freude an der Sache - und das seit geraumer Zeit: eine Zweckehe ohne sehr viel Begeisterung, die darum auch gar keinen großen Hehl mehr machen kann. Daneben wird scharf in Richtung Opposition geschossen - Faymann sieht sich wohl eher als Verwalter denn als Erneuerer der Genossenschaft, die selbst dringend neue Impulse erwarten würde. Die noch nicht zu einem Ergebnis ermittelte "Inseraten-Affäre" (zuletzt soll die Justiz eine Weisung zur genaueren Untersuchung erteilt haben) dürfte ein besonders heißer Punkt werden. Bloße Verdachtsmomente in eine solche Richtung sind für einen amtierenden Bundeskanzler brisant genug - und mittlerweile geriet auch noch die Kärntner SPÖ unter Verdacht. Faymann muss Wolf in einem Wiener Gartenhotel Rede und Antwort stehen - er lässt sich dort auch auf "seinem Kanzlerfest" feiern.

    THOMAS GOLSER

    Der Terminplan

    1. 13. August: Josef Bucher (BZÖ)
    2. 20. August: Eva Glawischnig (Grüne)
    3. 27. August: Heinz-Christian Strache (FPÖ)
    4. 3. September: Michael Spindelegger (ÖVP)
    5. 10. September: Werner Faymann (SPÖ)

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