"Es muss nicht immer alles im Konsens sein"
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz über seine internen Sorgen, neue Aufgaben für die Landesstudios und die Veränderungen, die der Sender in den nächsten Jahren bewältigen muss.

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E rst der Aufstand der Info-Redaktion gegen Niko Pelinka, dann protestieren die freien Mitarbeiter gegen ihre miese Bezahlung, jüngst wehrt sich der Betriebsrat, weil die Parkplätze auf dem Küniglberg kostenpflichtig werden. Fühlen Sie sich gerade als Watschenmann des ORF?
ALEXANDER WRABETZ: Nein. Das Unternehmen steht gut da, aber wir müssen, wollen und werden in den schwarzen Zahlen bleiben und trotzdem unsere programmlichen Aktivitäten ausweiten. Das führt dazu, dass mit den Mitarbeitern und mit der Belegschaftsvertretung nicht immer alles nur im Konsens geht.
Wie beurteilen Sie Ihre Performance in den letzten Monaten?
WRABETZ: In Anbetracht der Herausforderungen sind wir auf gutem Kurs. In jedem Land ist der Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Diskussionen verwickelt. Aber außer in Belgien und Finnland sind die Öffentlich-Rechtlichen nirgends noch so relevant wie in Österreich. Der ORF ist nach wie vor das meistgenutzte Medium des Landes. Klar hat man da nicht immer ein freundliches Umfeld.
Glauben Sie nicht, dass all die Debatten Sie geschwächt haben?
WRABETZ: Nein, das ist normal. Solche Diskussionen gibt es in jedem relevanten Unternehmen unter Marktdruck, Konkurrenzdruck und Kostendruck.
In Leserbriefen an die Kleine Zeitung zum ORF-Programm ist die Leidenschaft auffällig, mit der nicht nur die Gebühren, sondern auch die vielen US-Serien abgelehnt werden. Man hat fast den Eindruck, der ORF gehört zu den meistgehassten Institutionen im Land - noch vor dem Finanzamt.
WRABETZ: Der ORF löst Emotionen aus, weil wir für das Leben der Leute wichtig sind. Die Mehrheit der Österreicher schätzt aber den ORF - wir sind Marktführer in allen Medien und stehen wirtschaftlich gut da. Laut unseren Umfragen lehnt lediglich ein Kern von fünf Prozent sehr vieles am ORF ab. Interessanterweise kennen die fast jedes Detail des Programms, über das sie sich aufregen.
Jeder hat sein Lieblingsstück vom ORF, aber im Großen und Ganzen mag man ihn nicht so.
WRABETZ: Die Leute mögen an uns ganz schön viel. Unser TV-Marktanteil lag im ersten Halbjahr bei 38,3 Prozent, davon träumen andere Sendergruppen. Und gerade was die Landesstudios machen, ist wichtig für die Leute.
Die haben auch alle tüchtig gespart, ächzen entsprechend und sollen nun auch noch dem neuen Mittagsmagazin von ORF 2 zuliefern. Wie soll das funktionieren?
WRABETZ: Die Landesstudios werden dadurch noch wichtiger. Und den Bereich, in dem nicht geächzt wird, den sagen Sie mir.
Die Generaldirektion?
WRABETZ: Nein. Wir sind hier sogar überproportional weniger geworden. Und im gesamten Unternehmen leisten wir mit 600 Mitarbeitern weniger weit mehr als vor drei Jahren. Auch die Landesstudios haben zu den Sparmaßnahmen viel beigetragen und ihre Leistungen sogar ausgebaut. Nächstes Jahr werden wir nun auch auf ORF eins noch die Regionalinformation ausbauen.
Wo und wie?
WRABETZ: Am Vorabend. Das soll eine Art "Regionalflash" werden, eine jüngere Informationsleiste. Wir bekommen ja immer wieder bestätigt: Die regionale Nähe zum Publikum ist eine wesentliche Stärke des ORF, und die will ich unbedingt beibehalten.
Das wollen die Landeshauptleute sicher auch, weil sie dann öfter im TV vorkommen.
WRABETZ: Die Stärke der Landesstudios ist nicht die Nähe zur Politik, sondern zu den Menschen.
Wie werden sich die Programmpläne der TV-Direktorin Kathi Zechner ausgehen? Gerüchteweise wurde ihr Zusatz-Budget von 80 auf fünf Millionen eingedämpft.
WRABETZ: Die Budgetverhandlungen für 2013 laufen noch. Die TV-Direktorin hat den Auftrag, den Programm-Marktanteil zu stabilisieren und möglichst viel fürs Publikum zu bieten. Der Kaufmännische Direktor hat den Auftrag, das zu finanzieren und dabei zu schauen, dass wir in den schwarzen Zahlen bleiben. Wir können nicht mehr ausgeben, als wir haben, das weiß aber auch die TV-Direktorin.
Haben Sie sich vom Standort St. Marx schon verabschiedet?
WRABETZ: Um St. Marx geht es gar nicht. Die Frage ist: Baut der ORF ein neues Quartier oder bleiben wir am bestehenden Standort? Es gibt Vor- und Nachteile für alle Varianten, und auf einmal haben auch alle Parteien eine Meinung dazu. Letztlich liegt die Entscheidung bei mir, welchen Weg wir gehen. Und der wird von einer breit aufgestellten Mehrheit im Stiftungsrat getragen sein.
Hilft Ihnen da die oktroyierte "Abkühlungsphase" bis Herbst?
WRABETZ: Wenn Sie an die letzten Jahre zurückdenken, war mein Timing ja letztlich zumeist sehr gut, wenn es um Entscheidungen ging, die polarisieren. Aber egal, welche Standortvariante es letztlich wird: Wesentlich ist, dass wir uns überlegen, wie der ORF der Zukunft aussehen soll, was für eine Art von Studios, welche Kapazitäten wir im Jahr 2020 brauchen, welche Plattformen wir bespielen. Da wird es die relevanten Veränderungen geben, vollkommen unabhängig vom Standort.
INTERVIEW: UTE BAUMHACKL














