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Zuletzt aktualisiert: 16.01.2012 um 21:19 UhrKommentare

ORF-Programmänderung: "Alex - allein zu Haus"

Zwei Minuten hatten 55 Mitarbeiter des "Aktuellen Dienstes Fernsehen" Zeit, ihrem Frust über die eigenwilligen Personalbesetzungen im ORF in einem YouTube-Clip die nötigen Worte zu geben. Wrabetz' Weg zurück aus dem eigenen Strafraum wird dadurch nicht eben einfacher. Von Thomas Golser.

Foto © APA

Man darf, nein muss den Hut ziehen - nicht unbedingt vor dem ORF als Apparat(schik). Man könnte ja im Moment auch Probleme mit einer Definition haben, was dieser genau sein soll. Vielmehr sind es die Redakteure desselben, die sich an noch vorhandenen Stolz und Ethos klammern und aufhorchen lassen: Zwei Minuten hatten insgesamt 55 Mitarbeiter des "Aktuellen Dienstes Fernsehen" Zeit, ihrem Frust über die eigenwilligen Personalbesetzungen von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in einem YouTube-Clip die nötigen Worte zu geben. Sie taten es - von Bornemann bis Zimmermann, von Leitner bis Wolf, von Dittlbacher bis Rafreider - und in nur zehn Stunden wurde das Video satte 68.000 Mal aufgerufen. Meutern eint - und jenen, die bislang unter Wrabetz dienten, ist klar: Ist die Glaubwürdigkeit für den Kunden einmal weg, bleibt das auch so.

Weiter kampfeslustig

Brigitte Kulovits-Rupp, immerhin Vorsitzende des ORF-Stiftungsrates, empfahl mittlerweile Wrabetz die Rücknahme der Ausschreibung für die Leitung seines Büros wegen "formaler Fehler". Der Protest wäre damit freilich keinesfalls erledigt, denn Pseudo-Nachbesserungen will man nicht akzeptieren. "Eine Neu-Ausschreibung des GD-Büroleiters wird Problem nicht lösen, sollte dann doch N. Pelinka bestellt werden. Wird Protest nicht stoppen", "zwitschert" Dieter Bornemann in frustbefeuerter Twitter-Laune.

Er ist damit auf einer Linie mit Armin Wolf, der sich - seines Promi-Status im Sender bewusst - schon bislang sehr kampfeslustig zeigte und das Schmieren-Personaltheater nicht mehr länger ansehen will. "Die Meinungen hier sind die meinen", heißt es auf Twitter: Wolf verkündet stolz, dass ein anderer Sender das Thema aufgriff: "Team des NDR-Medienmagazins ZAPP dreht gerade einen Beitrag über unseren Protest in der ZiB-Redaktion. Sendung: Mittwoch 23h20, NDR". Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Ein hochrangiger ORF-Redakteur freut sich darüber, dass ein anderer Sender von Sumpfgebieten im eigenen Haus berichtet und macht Werbung für dessen Bericht.

Brachte bereits am 23. Dezember ein übereifriges Personal-Christkindl den Ex-"Freundschaftsrat" Niko Pelinka ins Büro des Generals vorbei, so wollte man in der Belegschaft spätestens am 24. von solchen Geschenken nichts mehr wissen. Der von Wrabetz ganz oben auf der Wunschliste Stehende selbst gab sich zuletzt kleinlaut: Er bewarb sich zwar, gab aber zur Protokoll, dies nur getan zu haben, weil "der Generaldirektor dazu aufgefordert" hatte. Er habe Wrabetz bereits angeboten, seine Bewerbung zurückzuziehen, dieser habe das allerdings bislang abgelehnt.

Dampfer mit Schlagseite

Bereits vor Dienstantritt gab man sich offenbar schon sehr pflichtbewusst und führte aus, wozu "aufgefordert" wurde. Dass das so nicht gehe, ist mittlerweile auch im Stiftungsrat klar: Die Besetzung dieser Position solle "genauso wie alle anstehenden Bestellungen entsprechend den beschlossenen Arbeitsbildern erfolgen", gab Kulovits-Rupp dem Kapitän des schlagseitigen ORF-Dampfers als Hausaufgabe mit auf den Weg. "Die drei Wochen anhaltende öffentliche Debatte und ihre möglichen negativen Auswirkungen auf das Unternehmen" hätten sie dazu bewogen. Doch damit noch nicht genug: Parallel dazu bietet jetzt die Gewerkschaft der Privatangestellten (Druck, Journalismus, Papier) bereits Rechtsschutz für jene Mitarbeiter, die gegen die Bestellung in Rot klagen wollen und ihren ORF nicht auf den Ballhausplatz bzw. in die Löwelstraße umziehen lassen wollen.

Man darf auf den nächsten Schritt von Wrabetz gespannt sein: Dass gerade ein General ein ziemlich generelles Eigentor schießen kann, war schon zuvor offensichtlich. Nun ist der Weg zurück aus dem eigenen Strafraum aber nicht gerade einfacher geworden.

THOMAS GOLSER

Zitiert

Wir, die Journalistinnen und Journalisten des ORF, stehen für einen unabhängigen ORF. Wir sind ausschließlich journalistischer Ethik und dem ORF-Publikum verpflichtet. Die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die in der Verfassung garantiert ist, lassen wir uns nicht nehmen, weder durch partei-politische Wünsche noch durch die offenkundige Bereitschaft der ORF-Geschäftsführung solche Wünsche zu erfüllen. Am 23. Dezember hat der Generaldirektor des ORF eine ganze Reihe von Postenbe-setzungen bekanntgegeben, die offensichtlich parteipolitisch motiviert waren.

Aus der Video-Botschaft

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