Groß nimmt Abschied: Nach der ZiB, Zeit für etwas Neues
Nach 23 Jahren beim ORF und sieben Jahren als Moderator der ZiB wird sich Gerald Groß (47) am Donnerstagabend von seinen Zusehern verabschieden. Der gebürtige Steirer macht sich selbstständig und wird Medientrainer.

Foto © ORF/Günther PichlkostnerGerald Groß nimmt Abschied
H err Groß, wie geht's wenige Stunden vor Ihrem Abschied als ZiB-Moderator?
GERALD GROSS: Es schleicht sich ein bisschen Wehmut ein, denn nach 23 Jahren verlässt man klarerweise auch eine Familie. Jetzt kommt man drauf, wie viele Leute man vermissen wird - viel mehr als man anfangs geglaubt hat.
Abgesehen von den Personen - was wird Ihnen am meisten fehlen?
GROSS: Das Gefühl, dass einem bei diesem Informationszirkus nichts entgeht. Auch wenn ich jemand bin, der im Urlaub 14 Tage ohne Internet auskommt.
Weshalb verlassen Sie den ORF?
GROSS: Weil ich etwas Neues probieren möchte, das ich nicht nebenbei machen kann. Ich entscheide mich nicht gegen den ORF, sondern für etwas Neues.
Als Medientrainer schulen Sie künftig nicht nur Manager, sondern auch Journalisten. Was wird einer der wichtigsten Punkte sein, den Sie dieser Gruppe mit auf den Weg geben wollen?
GROSS: Ich würde jedem raten immer zu bedenken, dass man jeden im Leben ein zweites Mal sieht. Als Journalist soll man etwa in Interviews oder Konfrontationen die Wertschätzung nie verlieren. Sei hart, aber fair.
Tut Ihnen einer Ihrer Interviewpartner leid, weil Sie ihn ungerecht behandelt haben?
GROSS: Als Alfred Gusenbauer noch Oppositionschef war, hab ich ihn in der ZiB 2 einmal so interviewt, dass er es nicht geschafft hat, auch nur eine vollständige Antwort abzuliefern, weil ich ihn ständig unterbrochen hab. Selbst von nicht deklarierten SPÖ-Wählern hat mir das harte Kritik eingebracht und so voll war mein Posteingang auch nie wieder. So etwas ärgert mich im Nachhinein schon sehr, aber Alfred Gusenbauer hat mir inzwischen verziehen.
Gab es denn je eine parteipolitische Rüge für Gerald Groß?
GROSS: Es würde mich wundern, wenn nicht, doch bis zu mir durchgedrungen ist, sie nicht. Meine Chefs haben das wohl abgeblockt. Als Redakteur und Moderator für die ZiB hatte ich damit die geringsten Probleme. Die Landespolitik finde ich bedrohlicher: In meinen ersten Jahren im Landesstudio Burgenland gab es schon die eine oder andere Interventionen oder Drohungen von politischer Seite. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich da ziemlich mutig war, mich nicht entmutigen zu lassen.
Gaben Sie als ZiB-Moderator jemals ein Geheimzeichen für Ihre Familie oder Fans?
GROSS: Ja, einmal: Für meine Kinder, die damals noch klein waren, bildete ich mit der Hand eine Schere und hab' gewunken.
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Fakten
Gerald Groß: geboren am 12. März 1964 in Vorau, aufgewachsen in Pinkafeld.
Karriere: studierte Germanistik und Geschichte, ab 1988 Landesstudio Burgenland, ab 2001 bei ZiB 2, ab 2004 bei der ZiB.
Zukunft: "The Media Quarter Academy"














