Erinnerungen an die ORF-Zukunft
Am Donnerstag wird das Personal der Ära Wrabetz II. gekürt. Die Medienredaktion der Kleinen Zeitung zeigt die wichtigsten Themen für die Zukunft des ORF auf.

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1. Wir-Gefühl. Das ORF-Fernsehen hat zu wenig Kontakt zu seinem Publikum. Ein paar Star-Nächte und irgendwo die Musi spielen lassen reicht nicht. Die mittlerweile sehr mobile, leichte Technik würde mehr Live-Übertragungen ermöglichen. Die identitätsstiftende Konsumentensendung "Help" ist unersetzt, das "Bürgerforum" zu selten. Beliebte Anchors bleiben fern des Publikums. Der Ö1-Club mit 54.000 Mitgliedern zeigt vor, wie es gehen könnte.
2. Programmoffensive. Demnächst muss massiv Geld in eigenes Programm investiert werden. Österreichische Ware ("Polt", "Schnell ermittelt", "Wir sind Kaiser", "Willkommen Österreich" etc.) findet erfahrungsgemäß ein treues Publikum. Dafür muss die Entwicklungsabteilung gestärkt werden. Ein Ziel könnte sein, Programmideen international zu vermarkten. Bei "Kommissar Rex" und "Universum" ist das einst gelungen. Die Eigen-kreativität des Unternehmens ist Schlüsselkompetenz fürs Überleben der Marke ORF.
3. Junges Programm. Die "Donnerstagnacht" ist ein Beispiel dafür, wie man intelligente und meist junge Leute an den Sender bindet. Nach der Vergebührung von MTV sollte man auch ein Popmagazin durchaus kritischen Charakters andenken. Globale Showphänomene wie Lady Gaga & Co. kommen im ORF-TV nur am Rande vor. Auch ein Lebenshilfe-Anchor speziell für junge Leute wäre überlegenswert, detto eine Jobbörse.
4. Mutiger werden. Der Hauptabend in ORF eins ist zur Abspielstätte von "CSI", "Dr. House" und "Soko" verkommen und lässt jegliche Innovation vermissen. Dabei ist insbesondere die US-Ware totgespielt ("CSI" lockte am Montag noch 246.000 Seher an). Ein ur-österreichisches, neues Format wie "Schlawiner" versteckt man dafür kurz vor Mitternacht. Verkrustete Programmschemata werden nicht aufgebrochen: Der freitägliche Hauptabend in ORF 2 gehört seit Jahrzehnten deutschen 08/15-Krimis. Bildungsfernsehen wie "Weltjournal", "kreuz und quer" sowie "Eco" starten dagegen nie vor 22.30 Uhr - zu spät für das Gros der arbeitenden Bevölkerung.
5. Kopierverbot. Fast ebenso oft, wie der ORF Privatfernsehen kopiert, scheitert er auch damit - das zeigen Beispiele wie "Single mit Kind", "Der Laden läuft" oder "Die Comedy Couch". Wer brav sein muss, soll sich nicht an Sendungen versuchen, die von Frechheiten leben. Oder selbige so intelligent verpacken, dass sie als öffentlich-rechtlicher Spaß akzeptiert werden.
6. Umgang mit Stars. Monatelang werden "Stars" in Castingshows aufgebaut oder als "Dancing Stars" präsentiert - das war es dann aber schon. Nur die wenigsten werden nachhaltig ins Programm integriert. Auch beliebte heimische Serienstars werden vom Unternehmen zu wenig verwertet.
7. Nachwuchsschulung. Mehrmals schon hat Alexander Wrabetz laut über eine Nachwuchsakademie nachgedacht, hausintern gibt es keine Ausbildung für Nachwuchstalente. So muss bei Privatsendern (Doris Golpashin) oder bei Ö3 für Shows, Talks und Magazine rekrutiert werden.
8. Der Stiftungsrat. Unter den herrschenden Bedingungen ist die viel geforderte "Entpolitisierung" unrealistisch. Der ORF wird immer unter einem gewissen Einfluss der jeweiligen Regierung stehen. Aber man könnte das 35-köpfige Gremium problemlos um ein Drittel verkleinern und ausschließlich mit Wirtschafts-, Bildungs- und Medienexperten besetzen. Auch ein Mitglied des Rechnungshofes würde gut hineinpassen. Die so genannten "Freundeskreise" von SPÖ und ÖVP gehören als sittenwidrig verboten.















