ORF: Farce, ganz nach Art des Hauses
Ein Programm, das, so dünn es auch ist, vielen nicht mehr verdaulich scheint, eine Wahl mit - de facto - nur einem Kandidaten und der Geruch politischer Vereinnahmung: Der ORF wählte sich selbst - und der TV-Kunde hofft noch immer auf seine Fernbedienung als Stimmzettel. Von Thomas Golser.

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"Der Inhaber des Präsidentenamtes ist zugleich Staats- sowie Regierungschef und ist mit weitreichenden, nahezu diktatorischen Vollmachten ausgestattet", schreibt die "Experte für eh alles"-Seite Wikipedia da über Turkmenistan: Aber halt: Der Küniglberg ist trotz allem noch im 13. Wiener Gemeindebezirk Hietzing beheimatet - er kann ja gar nicht in Zentralasien liegen. Am Dienstag fand hier eine bereits im Vorfeld entschiedene Wahl statt - doch das öffentlich-rechtliche Mäntelchen, das dem ORF einst umgehängt wurde, es passt schon lange hinten und vorne nicht mehr. Sitzt nicht mehr, hat keine Luft.
"Ich bin gut darin"
Die private Konkurrenz, von der sich der ORF angeblich immer abheben will und von der er doch sehr ungeniert kopiert, ist schon längst da und punktet im Quotenkampf. Im richtigen Leben würde man damit bei Wahlen keinen Blumentopf gewinnen. Nicht so im Staate Küniglberg: Im ORF war trotz einiger (eher weniger ernstzunehmender) "Mitstreiter" schon längst alles auf Schiene für die nächsten fünf Jahre unter dem gleichen General Alexander Wrabetz. Wobei "General" hier durchaus wörtlich zu nehmen ist: "Ich bin gut darin, ORF-Themen so anzusprechen, dass sie auf politischer Ebene dann auch umgesetzt werden", ist eine Aussage Wrabetz', die für einen Piratensender irgendwo im mittleren Südamerika durchaus stimmig sein dürfte, in einem mitteleuropäischen Staat dann aber doch Alarm auf allen Ebenen auslösen sollte. Es riecht nach parteipolitischem Postenschacher - wobei fast alle Parteien gleich ganz auf einen eigenen Kandidaten verzichtet haben. Auch RTL-Chef Gerhard Zeiler und Privat-TV-Pionier Helmut Thoma haben mit Hinweis auf politische Einflußnahme im ORF abgelehnt. Bestimmt nicht völlig grundlos.
Pressekonferenzen werden natürlich von allen Fernsehsendern prinzipiell immer in Personalunion mit Eigenlob zelebriert, vielen ORF-Konsumenten scheint es allerdings zuviel zu werden. Alexander Wrabetz stellte sich selbst auf, ließ seinen Sender Werbung für Wrabetz machen und ließ sich selbst wählen. An Interessierte teilte er - ungeachtet nicht durchwegs rosiger Zahlen - eine überaus positive Broschüre über "seinen" ORF aus. Und dem Gebührenzahler ließ er gleich einmal bestellen, dass es fortan ohne mehr Gebühren und mehr Werbezeiten nicht gehen wird. Es herrscht ungläubiges Entsetzen der Konsumenten angesichts des ORF-Programms - nur: Sie prallen an den Programm-Verantwortlichen nach wie vor ab wie Frittierfett an einer Teflonpfanne. "Wir sind wir" und "wir machen unser Programm". Was "wir" genau bedeutet, wird nun sehr, sehr deutlich: Der Stiftungsrat des ORF wählt dessen neuen Generaldirektor - und der alte ist der neue.
So oder so: "Wrabetz 2.0" war längst Programm - und das, obwohl bzw. weil klar ist: Manche Bedürfnisse so mancher Menschen werden hier befriedigt, in den seltensten Fällen aber die des ORF-Kunden. Der Mief politischer Vereinnahmung haftet dem ORF nach wie vor penetrant an wie eines jener lästigen Häuferln, in das man schon wieder einmal getreten ist. Erst jüngst wurde ein peinliches Zitat vom SPÖ-Jungstar und ORF-Stiftungsrat Niko Pelinka durch (fast) alle Medien gereicht: "Ja, wir telefonieren ziemlich häufig und seitdem er (also Wrabetz, Anmerkung) Infodirektor ist, fragt er mich immer um meine Meinung, wer 'Im Zentrum' auftreten soll". Dass es eine solche Absprache des SPÖ-Stiftungsrates mit dem ORF-Generaldirektor über Gäste der Diskussionssendung gegeben hatte, wurde natürlich sofort von beiden Seiten entschieden dementiert: "Nicht autorisiert", "falsch wiedergegeben". Selbstverständlich nicht im ORF, ließ man wissen.
Der ORF mag in seiner 56-jährigen Geschichte schon so manches sichtbare oder unsichtbare Tal durchschritten haben. Es ist heute aber beinahe unmöglich jenen Kommentaren zu widersprechen, die sein Programm und den Apparat dahinter nur noch als Posse in Dauerschleife sehen. Einst brachte man die unterhaltsame "Löwingerbühne" im Hauptabendprogramm zur Aufführung in der Television, heute ist man selbst Darsteller. Dass dabei Millionenbeträge abgebrannt werden wie anderswo Streichhölzer, scheint ohne Folgen. Und zwar direkt am Geschmack sehr vieler Kunden vorbei, wie Umfragen belegen. Wer erinnert sich z.B. noch an "Mitten im 8en" aus der Ära Wrabetz 1.0 - es war ein 6,5 Millionen Euro teurer Rohrkrepierer. Egal: 160 Millionen Euro extra scheinen von der Politik genehmigt, wofür auch immer sie eingesetzt werden. Der Durst wird damit noch lange nicht gestillt sein - dieser Patient hängt vermutlich noch länger am Tropf.
USA statt Austria
Vieles - wenn auch gewiss nicht alles - im ORF wäre für für den Konsumenten verdaubar, wenn nur das dort zusammengerührte Programm schmecken würde. Tut es aber nicht. Programmiert werden mittlerweile Doppelfolgen von "Mein cooler Onkel Charlie" und "How I Met Your Mother" - anderswo im Nachmittagsprogramm gesehen - und zwar zur Prime Time und auf "ORF eins". Wer z.B. an einem Montag aufdreht, wird neben diesen beiden Formaten an nur einem Tag an US-Serien sehen (ein Auszug): "Spy Kids", "Gilmore Girls", "Hannah Montana", "Oliver Been", "Eine schrecklich nette Familie", "Malcolm mittendrin", "Scrubs", "CSI NY", "Californication", "Grey's Anatomy", "Cougar Town" und "Emergency Room". 14 US-Serien im Endlos-Orbit - Serien, die ihre Fans haben, doch: Bildungswert: fraglich, Österreich-Gehalt: null. Privatfernsehen, gespeist aus Gebührentöpfen. Dazu Wiederholungen von Wiederholtem ("Dieser 'Tatort' - der kommt mir so bekannt vor..."). Was sehenswert ist (und ja, es gibt noch Formate, auf die der Österreichische Rundfunk stolz sein darf), geht im Wulst an Wertlosem unter oder wird zu Sendezeiten für die an Schlaflosigkeit Leidenden im Land versteckt.
Die Fernbedienung als Stimmzettel, vielleicht irgendwann auch einmal für den ORF gültig.
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Wrabetz im April
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Wahltag: Um 10:00 tritt der 35-köpfige Stiftungsrat im Großen Sitzungssaal des ORF-Zentrums zum Kandidatenhearing und zur Wahl zusammen.
Stimmzettel: Nur zwei Namen stehen auf dem Stimmzettel: Christian Wehrschütz und Alexander Wrabetz.
Nicht geheim: Das ORF-Gesetz schreibt in diesem Fall zwingend eine offene Abstimmung vor.















