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Zuletzt aktualisiert: 30.07.2011 um 19:37 UhrKommentare

Rossacher über "Jedermann remixed"

Die Weltpremiere erfolgte am Sonntag beim Fest zur Festspieleröffnung. ORF 2 sendet "Jedermann remixe"“ am 31. Juli um 22 Uhr. Hannes Rossacher hat den ungewöhnlichen Film geschaffen. Und die Rolling Stones kommen auch ins Spiel.

Sie waren im Vorjahr für die Bildregie der TV-Übertragung des "Jedermann" verantwortlich. War das Ihr erster Bezug zum Stück?

HANNES ROSSACHER: Überhaupt nicht. Ich stamme zwar aus Steyr, war aber in Salzburg am Gymnasium, habe zehn Jahre in dieser Stadt verbracht und oft genug miterlebt, wie die jeweilige Besetzung des ?Jedermann“ zum öffentlichen Inventar wurde. Als ich dann in Wien studierte, war ich in den Sommerferien immer Fremdenführer auf der Feste Hohensalzburg, wo ich den Touristen die Schönheiten der unter ihnen liegenden Stadt erklärte.

Wie entstand die Idee zu "Jedermann remixed"?

ROSSACHER: Nach der Premierenübertragung im Vorjahr setzten wir uns zusammen und dachten nach, was man 2011 machen könnte. Langsam kristallisierte sich die Idee eines Zusammenschnitts von Szenen seit dem Uraufführungsjahr 1920 heraus. Im Herbst gab der ORF grünes Licht.

Was darf man sich unter "Jedermann remixed" vorstellen?

ROSSACHER: Eine Leistungsschau dessen, was in all den Jahrzehnten auf der "Jedermann"-Bühne stattfand, ein Who is who der deutschsprachigen Schauspielerlandschaft. Nun dauert eine Vorstellung üblicherweise 120 bis 125 Minuten. Mein Zusammenschnitt ist nur 90 Minuten lang. Ich habe mich bemüht, die intensivsten, stärksten Momente aus 90 Jahren zu zeigen, ohne den Stoff zu verlieren.

Was waren für Sie die stärksten Momente?

ROSSACHER: Die Momente, wo der Tod kommt, sich zu erkennen gibt und dem Jedermann noch eine Stunde gewährt, bis er wiederkommt. Das war immer toll und dramatisch gelöst. Auch die Begegnung mit dem Mammon war jedes Mal herausragend.

Was halten Sie von der Neuinszenierung durch Christian Stückl?

ROSSACHER: Das Stück hat sie bitter gebraucht. Stückl hat die Moralinsäure beseitigt. Und interessant ist auch, dass alle früheren Jedermänner, auch der exzellente Peter Simonischek, einem klassischen Muster folgten. Die Leute mochten zwar erkennen, dass Jedermann ein Arschloch war, aber insgeheim dachten sie doch: Vielleicht ist er ein klasser Bursch! Nicholas Ofczarek hingegen spielt erstmals ausschließlich ein richtiges Arschloch.

Haben Sie einen Lieblings-Jedermann?

ROSSACHER: Es waren viele hervorragende Schauspieler am Werk, doch einer der Alltime-Höhepunkte ist für mich die Darstellung durch Klaus Maria Brandauer. Er hat das fulminant gespielt. Wahrscheinlich lag diese Kraft auch an seinem Background im Ausseer Land. Er hatte Stoff und Region faktisch in seiner DNA.

Von welchen Produktionen gab es wenig Material?

ROSSACHER: Zum Beispiel von jenen mit Maximilian Schell und Curd Jürgens. Von Jürgens fanden wir nur Ausschnitte aus dem Festspielhaus, daher nehme ich an, dass es damals stark geregnet hat.

Sie präsentieren im Film eine eigenwillige musikalische Untermalung?

ROSSACHER: Es gibt ja keine eigene "Jedermann"-Musik. Nach einiger Überlegung habe ich mich entschlossen, Musik aus dem Great Amrican Songbook zu nehmen. Blues, Gospel, Country aus dem vorigen Jahrhundert. Kommt hauptsächlich aus den Südstaaten. Hier entdeckte ich eine Weltsicht, die ähnlich der von "Jedermann" ist. Gut und Böse, Gott und Teufel, Recht und Unrecht, Schuld und Söhne. Diese Polarisierungen findet man sowohl im Stück als auch in den ausgewählten Liedern. Dazu wollte ich eine sparsame Instrumentalisierung und eine erwachsene Stimme. Die fand ich in Hans Theessink.

"Spiel mir das Lied vom Tod" klingt nicht an?

ROSSACHER: Das wäre mir zu billig gewesen. Genommen haben wir zum Beispiel "Way Down In The Hole" von Tom Waits, "I Got A Woman" von Ray Charles oder "People Get Ready" von Curtis Mayfield.

Und die Rolling Stones.

ROSSACHER: Richtig. Zwei Mal. "Sympathy For The Devil" und "No Expectation". Die Zeilen "Once I Was a Rich Man, Now I Am So Poor" passen wunderbar zum Moment, wo Jedermann vom Geld verlassen wird.

Gibt es einen Soundtrack?

ROSSACHER: Der ist bereits erhältlich.

LUDWIG HEINRICH, SALZBURG

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