Ära Wrabetz II: "Das ist eigentlich keine Wahl"
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zweifelt keine Sekunde an seiner Wiederwahl. Taktisch klug legt er nun "seine" Ziele für den Staatsfunk vor.

Foto © APAORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz
Da sitzt er jetzt, hoch über den Dächern Wiens, im obersten Stock des ORF-Zentrums am Küniglberg, mit dem trockenen Selbstbewusstsein eines Managers, der von seiner Unabkömmlichkeit überzeugt ist.
Alexander Wrabetz zweifelt nicht daran, dass der 35-köpfige Stiftungsrat ihn am 9. August für eine weitere Amtsperiode bestätigen wird. "Das ist ja eigentlich keine Wahl", sagt Wrabetz, "sondern die Verlängerung einer Vorstandstätigkeit." Es klingt fast, als würde er sagen: ein Formalakt.
Vor fünf Jahren konnte der Sozialdemokrat Wrabetz seine konservative Vorgängerin Monika Lindner vom Thron stoßen. Dem war wildes Tauziehen vorausgegangen: Schließlich wurde Wrabetz von einer wackeligen rot-blau-grün-orangen "Regenbogenkoalition" ins Amt gewählt - gegen den Willen der damaligen Kanzlerpartei ÖVP. Neben Wrabetz und Lindner stiegen 2006 auch der heutige "Kurier"-Chefredakteur Helmut Brandstätter, Medienmanager Rudolf Klausnitzer und ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz in den Ring. Bis zur Wahl war alles offen.
"Mehr Stimmen"
Das ist nun nicht mehr der Fall. Keiner seiner sechs Mitbewerber hat realistische Chancen, eine Mehrheit im hauptsächlich politisch besetzten Stiftungsrat auf sich zu vereinen. "Mein Ziel ist es, mehr Stimmen als bei der letzten Wahl zu bekommen", sagt Wrabetz.
Dafür spielt er seinen Amtsinhaberbonus genüsslich aus. Auch der Zeitpunkt für die Präsentation seiner Bewerbung ist geschickt gewählt. Wrabetz kann gute Nachrichten verkünden: Der zuletzt finanziell schlimm gebeutelte Staatsfunk wird heuer wieder schwarze Zahlen schreiben; der Kultursender Ö1 hat erstmals mehr als 700.000 Zuhörer pro Tag. Die Lage sei "stabil", sagt Wrabetz, ehe er sich seiner offiziellen Bewerbung widmet.
Genug gespart
Auf 115 kartonierten Seiten hat er seine Pläne für die kommende Periode zusammengefasst. Seine Pläne? Nun ja, in das Konzept seien zahlreiche Ideen seiner Mitarbeiter eingeflossen, gibt der ORF-General auf Nachfrage zu.
Seine wichtigste Botschaft: Die Zeit des Sparens sei vorbei. Zuletzt habe der ORF 500 Stellen abgebaut. Für Mitte kommenden Jahres plant Wrabetz ein neues Personalkonzept: "Ich will neue Leute an das Unternehmen heranführen und binden." Zugleich will Wrabetz das Budget für Eigenproduktionen um fünf Prozent jährlich anheben. Damit soll etwa die "Geschichte Österreichs vollständig aufgearbeitet werden". Den geplanten Spartensender ORF 3 sieht er als Kernstück des Kulturprogrammes.
Woher das Geld dazu kommen soll? Die Mehrkosten will Wrabetz über eine Liberalisierung der TV-Werbung, höhere Programmentgelte und vollständige Gebührenrefundierung hereinbringen. Dass dafür eine Reform des ORF-Gesetzes notwendig ist, schreckt ihn nicht: "Ich bin gut darin, ORF-Themen so anzusprechen, dass sie auf politischer Ebene auch umgesetzt werden".
In eigener Sache hat Wrabetz das bereits bewiesen.
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Die Kandidaten für die Wahl zur ORF-Generaldirektion stehen fest. Insgesamt sieben Bewerber haben fristgerecht bis Donnerstag 24.00 Uhr ihre Unterlagen eingereicht und sind somit rein formal im Rennen. Neben dem amtierenden ORF-Chef Alexander Wrabetz bewarben sich die frühere EU-Abgeordnete Karin Kraml (früher Resetarits), der ORF-Balkankorrespondent Christian Wehrschütz, Manfred Greisinger, Rene Hager, Dario Lindes und Martin Roger Müller. Bis zum 4. August könnte sich der Kreis der Bewerber theoretisch noch erweitern. Stiftungsräte könnten bis dahin rein theoretisch noch Nominierungen vornehmen.














