Oberhauser-Beurlaubung: Für Kopf "ungeheuerlich"
VP-Klubchef Karlheinz Kopf bezeichnet Oberhausers Beurlaubung als "ungeheuerlichen Vorgang". Bei der Bestellung Dittelbachers als TV-Chefredakteur wirft er der ORF-Führung parteipolitische Motivationen vor.

Foto © APAORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser
Die ÖVP stärkt dem beurlaubten Informationsdirektor Elmar Oberhauser weiter den Rücken. Dass dieser nach einem heftigen Disput über die Bestellung von Fritz Dittlbacher zum TV-Chefredakteur in Urlaub geschickt worden war, hält VP-Klubchef Karlheinz Kopf für einen "ungeheuerlichen Vorgang", wie er den "Vorarlberger Nachrichten" (Montagausgabe) sagte. ORF-Kommunikationschef Pius Strobl wiederum sprach gegenüber der APA von einem "natürlichen und selbstverständlichen Akt", der in der freien Wirtschaft üblich sei.
Kopf unterstellt der ORF-Führung bei der Dittlbacher-Bestellung eindeutig parteipolitische Motive: "Offenbar auf Zuruf der SPÖ-Zentrale wurde ein Chefredakteur bestellt", sagte der VP-Klubchef. Oberhauser, der seinerseits Armin Wolf aus dem Hut zauberte, habe sich dagegengestellt. Dass er nun beurlaubt werde, sei "ein starkes Stück", kritisierte Kopf. "Wenn der Herr Generaldirektor so weitermacht, ist er auf dem besten Weg, das Paradeunternehmen ORF zu ruinieren." Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse sei "zu befürchten", dass ein Ablöseantrag gegen Oberhauser im Stiftungsrat auch angenommen werde.
Heftige Kritik
p> Strobl konterte, dass dies ein "in jedem Wirtschaftsunternehmen vollkommen natürlicher und selbstverständlicher Akt ist, dass wenn Vertrauensverhältnisse gestört, Akte der Illoyalität gesetzt werden, eine Beschädigung des Unternehmens in der Öffentlichkeit verursacht wird, es zu Konsequenzen wie einer Vertragsauflösung kommt". Auch in Unternehmen wie der Asfinag, den ÖBB, und dem Verbund sei eine solche Vorgehensweise mittlerweile keine Neuheit mehr. Die Pflicht des Generaldirektors sei es, "gegenüber der Öffentlichkeit als auch gegenüber den ORF-Aufsichtsgremien klare Führung zu gewährleisten". Wrabetz habe sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, "welcher Art das Zerwürfnis war". Die oberste Pflicht des Generaldirektors sei es auch, "sich schützend vor Mitarbeiter zu stellen, die punziert und in ihrer Berufslaufbahn beschädigt werden sollen." Dies sei vor einigen Wochen mit einer Kollegin geschehen, die ohne jeden Grund punziert worden sei. "Nun erfolgt das neuerlich und das ist unhaltbar. Jene, die das tun, schaden dem Unternehmen, weil sie der Glaubwürdigkeit des ORF schaden", so Strobl.Oberhauser hatte an der Bestellung Dittlbachers zum neuen TV-Chefredakteur durch Wrabetz in einem internen Mail heftige Kritik geübt. Er sah sich durch die Wrabetz-Entscheidung einem "Diktat" unterworfen und sprach darüber hinaus von einer "völlig unzulässigen Einmischung der SPÖ", als deren Wunschkandidat Dittlbacher galt. Der Informationsdirektor hatte auch Rücktrittsgedanken anklingen lassen. Wrabetz hatte Oberhauser darauf hin ebenfalls per Mail die "öffentliche Beschädigung" der Glaubwürdigkeit der ORF-Information vorgeworfen und sich gegen die "Punzierung" von ORF-Mitarbeitern ausgesprochen. Am Freitag zitierte Wrabetz seinen Informationsdirektor zu einer Aussprache, die mit einer Beurlaubung von Oberhauser endete.
Kommt es in den nächsten Wochen nun zu keiner Einigung zwischen den beiden, dürfte Wrabetz bei der Stiftungsratssitzung am 11. November einen Abwahlantrag gegen Oberhauser stellen. Stichtag für die Einbringung eines solchen Antrags ist der 4. November. Der Informationsdirektor könnte dann mit einfacher Mehrheit von dem 35-köpfigen Aufsichtsgremium abgewählt werden. Wrabetz hatte im Stiftungsrat zuletzt jeweils wechselnde Mehrheiten hinter sich. Eine Mehrheit dürfte ihm jedoch gewiss sein: Neben der SPÖ hat sich auch der Grüne Stiftungsrat Wilfried Embacher öffentlich hinter Wrabetz gestellt. Kritik an Oberhauser übte auch der Zentralbetriebsratschef Gerhard Moser, der ebenfalls ein Stimmrecht im Stiftungsrat hat.
Unterdessen kursierten übers Wochenende weiter Gerüchte, dass Oberhauser ein Angebot von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz habe, zu dessen Sender "Servus TV" zu kommen. Nahestehende Kenner hielten dies jedoch für ausgeschlossen, da die Gesprächsbasis der beiden nach den letzten Verhandlungen zu den Senderechten für die Fußball-Bundesliga alles andere als intakt sei, wie die APA erfuhr.













