ORF-Enquete: Wissenschafter äußern ihre Forderungen
Karmasin tritt für eine für "regulierte Selbstregulierung" ein. Hausjell betont, dass es nichts Schlimmeres gebe als schlecht bezahle Journalisten.

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Im Zuge der ORF-Enquete im Parlament ist auch die Wissenschaft zu Wort gekommen. Medienwissenschafter Matthias Karmasin übte Kritik an dem Ablauf der Debatte über eine Neustrukturierung des ORF. Wichtig wäre, zuerst eine Ziellinie festzulegen, dann über Organisationsstrukturen und Standorte zu sprechen, danach die Refinanzierungsmöglichkeiten zu behandeln und sich erst am Schluss mit Personalpolitik zu befassen, so Karmasin.
Zur Festlegung der Kernkompetenzen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bedarf es laut Karmasin einer "regulierten Selbstregulierung". Dies würde bedeuten, dass die Politik zwar die rechtlichen Rahmenbedingungen vorgibt, deren Interpretation und konkrete Umsetzung solle aber Aufgabe der Medienunternehmen sein.
Basis für ein demokratisches System
Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell unterstrich die Rolle "gemeinwohlorientierter Medien", da diese die "Luft zum Leben" für eine demokratisches System seien. In diesem Zusammenhang forderte Hausjell eine "integrative Medienpolitik", die Menschen mit Migrationshintergrund stärker berücksichtigt. Laut Hausjell sind demnach "17 Prozent der österreichischen Bevölkerung" in den österreichischen Medien "nicht ausreichend repräsentiert".
In Hinblick auf die finanzielle Lage des ORF nahm Hausjell die Politik in die Verantwortung. Neben der Wirtschaftskrise hätten auch die Einschränkungen der Werbemöglichkeiten mit dem ORF-Gesetz 2001 und die von der ÖVP gestrichene Gebührenrefundierung zur derzeitigen Situation beigetragen. Diese sei aber gar nicht so schlecht, wie häufig medial dargestellt: "Die heutigen Zahlen liegen erheblich über der Prognose von Gerd Bacher", so Hausjell. Der ehemalige ORF-Generalintendant hatte bei seiner Abschiedsrede 1994 für den ORF für "die nächsten zehn Jahre" einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent vorausgesagt.
Weiters sprach sich Hausjell für "ausreichendes und gut bezahltes" ORF-Personal aus. Hausjell: "Es gibt nichts Schlimmeres als schlecht bezahlte Journalisten, die dann erpressbar werden." Auch für WU-Professor Michael Holoubek spielen Journalisten in der Diskussion eine zentrale Rolle. Diese wären Träger der klassischen Meinungsfreiheit und würden sich auch um die journalistische Gestaltungsfreiheit kümmern.














