Wenn der Rock die Massen lockt
Das Nova-Rock-Festival in Nickelsdorf (Burgenland) ist der Auftakt des Musiksommers. Über Massen, Wirtschaft. Und Woodstock.

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Der Endspurt beginnt, der Countdown läuft: Was für die Freunde der gepflegten Klassik die Hochburgen Salzburg und Bregenz sind, ist dem eher erdigen Rockfan das Nova-Rock-Festival im burgenländischen Nickelsdorf. Mit diesem Massenevent beginnt traditionellerweise der Reigen der sommerlichen Großveranstaltungen in Sachen Rock/Pop, wobei das Spektakel auf den Pannonia Fields II eher die härtere Fraktion anlockt. Heuer auf dem Programm stehen unter anderen altgediente Lautstärke-Berserker wie Iron Maiden, System Of A Down, VolBeat, Wolfmother oder die legendären Motörhead.
Ausverkauft
Bereits Anfang der Woche konnte die "Ausverkauft"-Meldung verkündet werden. Die Folge war ein Ansturm von zu spät gekommenen Rock-Aficionados auf die Vorverkaufsstellen. Vergeblich. Restkarten waren kaum bis gar nicht mehr aufzutreiben. Wer im Besitze eines Tickets ist, darf Folgendes erwarten: Auf zwei Hauptbühnen sind im Laufe der drei Tage (11. bis 13. Juni) mehrere Dutzend Bands zu sehen bzw. hören. Und das alles zum Gesamtpreis von 120 Euro. In Anbetracht der Preise für ein Einzelkonzert ein wahres Schnäppchen. Rund 150.000 Menschen tummeln sich jährlich auf dem Gelände mitten im Nirgendwo, heuer können die Veranstalter den millionsten Besucher begrüßen. Der Vertrag mit den Organisatoren des Festivals wurde übrigens erst unlängst bis 2016 verlängert.
Auch ein Rock-'n'-Roll-Zirkus braucht eine Infrastruktur - und zwar eine gewaltige. Die ersten Trucks, die für den Bühnenaufbau sorgen, sind längst angerollt; die Zelt- und Caravanstadt wächst ebenfalls bereits aus dem Boden. Apropos Boden: Ortskundige wissen, dass das Festival in den letzten Jahren wettertechnisch nicht immer gesegnet war. Vor allem der Regen sorgte für Rutschpartien und Schlammschlachten. Das soll heuer besser werden. In den vergangenen Wochen wurde das Geh- und Fahrwegenetz auf dem Gelände befestigt und geschottert, die Investitionskosten beliefen sich auf rund 200.000 Euro.
Obwohl der große Auflauf von Rockfans in den letzten Jahren äußerst friedlich vonstattenging, wurde das Sicherheitskonzept des Vorjahres überarbeitet. Rund 600 Sicherheitskräfte, laut Veranstalter so viele wie noch nie, werden täglich im Dienst sein. Außerdem sind ausreichend Ärzte, Sanitäter, Polizei und Feuerwehr im Einsatz. Der Löscheinsatz beschränkt sich zum Glück meist auf die "Brände" der allzu durstigen Besucher. Dass das Musikfestival auch längst zum Wirtschaftsfaktor für die Gemeinde Nickelsdorf und Umgebung geworden ist, zeigt die Präsenz von Politikern bei den Präsentationen. So bezeichnete Landeshauptmann Hans Niessl die Veranstaltung als "großes Highlight" für die gesamte Region. Und Bürgermeister Gerhard Zapfl ist erfreut darüber, dass die Menschen mit Nickelsdorf sofort das Nova Rock assoziieren.
So ändern sich eben die Zeiten. Als im Jahr 1969 einige langhaarige Hippies im idyllischen Ort Woodstock (Staat New York) ein dreitägiges Festival veranstalten wollten, lehnten die besorgten Bürger bzw. der Gemeinderat die Veranstaltung ab. Woodstock fand dann in Wahrheit im rund 70 Kilometer entfernten Ort Bethel statt. Der Rest ist Geschichte, nicht nur Musikgeschichte.
War Woodstock die Idee des jungen Musikproduzenten Michael Lang, der sich mit dem Festival finanziell sanieren wollte, heißt der Mann hinter dem Nova-Rock-Festival (und mittlerweile hinter den meisten großen Rockfestivals in Österreich) Ewald Tatar. Tatars in Mattersburg ansässige Firma - die Nova Music Entertainment GmbH - ist Teil der Holding "Barracuda Gruppe", die jährlich rund 400 Konzerte organisiert. Auf Vorwürfe, er sei ein beinharter Monopolist, antwortet der blondmähnige Burgenländer so: "Es steht jedem frei in Österreich, selbst ein Festival zu organisieren".
Mister Nova Rock
Begonnen hat Tatars Laufbahn als Discjockey, unter anderem im Jazzpub Wiesen. Nach dem Betriebswirtschaftsstudium und einer kurzen Zwischenstation als Journalist beim ORF landete Tatar wieder in Wiesen. Zuerst als Mädchen für alles - Fahrer, Bühnenarbeiter, Plakatierer -, später als erfolgreicher Programmverantwortlicher. 2004 dann gründete der Mann mit dem Aussehen und der Ausstrahlung eines kalifornischen Surfers die "Nova Music", im Jahr darauf ging erstmals das Nova-Rock-Festival über die Bühne.
Der Rest ist ebenfalls Geschichte. Zwar noch nicht große Musikgeschichte, aber immerhin.
Features
Zum Thema
Nova Rock
Anreise: Wenn irgendwie möglich, Anreise mit dem Pkw meiden! Das Festival fällt heuer mit dem Pfingstwochenende zusammen, entsprechend hoch wird das Verkehrsaufkommen sein.
Züge: Die ÖBB haben auf vielen Bahnhöfen Sonderzüge eingerichtet, Informationen bitte vor Ort beziehen. Auf dem Bahnhof Nickelsdorf stehen Shuttlebusse für die Festivalgäste bereit. Auf dem Sportplatz von Nickelsdorf gibt es wieder einen Eltern- bzw. Kinder-/Jugendlichen-Abholplatz.
Tickets: Wer bis jetzt noch keine Tickets hat, ist zu spät dran. Das Festival ist ausverkauft! Letzte Chance: auf eBay mitsteigern, kann aber teuer werden. Vor dem Gelände blüht der Schwarzmarkt - ist aber ebenfalls nicht billig.
Festival-Highlights
Urban Arts Festival: 16. bis 18. Juni, Wiener Neustadt
Donauinselfest: 24. bis 26. Juni, Wien
Frequency Festival: 18. bis 20. August, St. Pölten
Sunsplash Reloaded: 27. August, Wiesen
Two Days A Week: 2. bis 3. September, Wiesen










