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Zuletzt aktualisiert: 28.11.2011 um 10:25 UhrKommentare

Queen feiert 40. Geburtstag

Trotz des Todes von Sänger Freddie Mercury vor zwanzig Jahren zählt die Band noch immer zu einer Fixgröße im Musikbusiness. Auch für den Titelsong zum neuen James-Bond-Film ist man im Jubiläumsjahr im Gespräch.

Foto © Reuters

40 Jahre lang schon residiert die britische Band-Ikone Queen in der internationalen Musiklandschaft und feiert diesen Umstand schon das ganze Jahr u.a. mit Projekten, Ehrungen, einer Ausstellung und einem Bildband. Trotz des Todes von Sänger Freddie Mercury 1991 ist die Popularität von Queen ungebrochen - gerüchtehalber sind sie für den Titeltrack zum neuen James Bond-Streifen im Gespräch. Setzte die Gruppe in ihrer aktiven Zeit regelmäßig neue Maßstäbe, so wird heutzutage die Beliebtheit nicht nur von einer breit aufgestellten Fanbasis sondern auch durch geschäftige Aktivitäten der verbliebenen Bandmitglieder aufrechterhalten. Und die Plattenindustrie melkt die schon etwas in die Jahre gekommene Kuh freilich fleißig weiter.

Kurze Genesis: Am Anfang waren Brian May und Roger Taylor. Deren Band Smile kam nicht recht vom Fleck, bis das Projekt aufgelöst wurde. Freddie Mercury, der Smile die ganze Zeit über interessehalber begleitete, übernahm das Ruder und taufte die Gruppe um: Queen sollten sie heißen, was - wenn auch mit Vorbehalt der anderen - im April 1970 akzeptiert wurde. In den folgenden acht Monaten wurden bei 16 Konzerten drei Bassisten verbraucht, bis 1971 John Deacon angeheuert wurde, der am 2. Juli sein Live-Debüt feierte. Die Besetzung blieb von da an unverändert, der Zeitrechner wurde auf Null gestellt.

Dabei ist der Erfolg nüchtern betrachtet gar nicht so leicht nachvollziehbar: Die zu jener Zeit nicht unproblematische, schwule Konnotation des Bandnamens, vor allem für den besonders prüden US-Markt; Musiker mit Nagellack und seltsamen Seidengewändern, die anfangs so manchen potenziellen Manager abschreckten; eine Musik, die zu Beginn noch unter Hardrock firmierte, später aber zusehends zu weich für die Rocker, zu hart für die Popper und zu "camp" für die Puristen wurde. Und die Presse, die keine Gelegenheit ausließ, die Band, ihre Musik und die handelnden Personen in Grund und Boden zu lästern.

So schrieb beispielsweise der "New Musical Express (NME)" über das 1978 erschienene Album "Jazz": "Kaufen Sie diesen drittklassigen Gilbert & Sullivan Ihren tauben Verwandten, falls Sie welche haben, zu Weihnachten." Dennoch verkaufte sich die Platte und auch alle anderen. Kolportierte 300 Millionen Stück sollen es insgesamt sein, und so viele hörbehinderte Onkel und Tanten kann es gar nicht geben. Im Fortlauf der Karriere wurde die Kluft zwischen der Band und der Journaille immer breiter - je erfolgreicher Queen wurden, desto bösartiger fielen die Kommentare aus. Auch zur Premiere des Musicals "We Will Rock You" 2002 prognostizierte der Blätterwald einen gigantischen Flop. Dennoch läuft die Produktion seit über neun Jahren in London und wurde längst weltweit exportiert, eine Fortsetzung ist schon in Planung.

Sachlich betrachtet kommt man aber schnell hinter das Geheimnis des Erfolgs: Vier Musiker, ausgestattet mit einem Hang zur Perfektion und der Fähigkeit, nicht nur mit allen möglichen Musikstilen zu experimentieren, sondern auch Nummer-Eins-Hits zu schreiben. So wurde Deacons "Another One Bites The Dust" zur kommerziell erfolgreichsten Single der Band. Mercury schuf mit "Bohemian Rhapsody" ein mittlerweile hochdekoriertes Jahrhundertwerk mit knapp sechs Minuten Länge. Taylor hob die Band mit "Radio Ga Ga" in den Pop-Olymp und Mays "We Will Rock You" wurde mit lediglich zwei Minuten Fußtrampeln, Händeklatschen und ein bisschen Gitarrenspiel zum weltberühmten Konterpart von Mercurys Magnum Opus.

Als 1975 trotz messbarer Erfolge das wöchentliche Einkommen pro Mann immer noch bei nur 60 Pfund lag, beschlossen sie, ihre eigene Managementstruktur zu stricken, der bis zu Mercurys Tod acht Subfirmen entsprangen, heute sind es sogar noch mehr. 1980 schafften sie den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als "höchstbezahlte Firmendirektoren".

Aber nicht nur ihre perfekt produzierten Alben sondern auch ihre Wegbereitung für das Medium Musikvideo und vor allem ihre Live-Shows machten Queen unsterblich. Licht- und soundtechnisch setzten sie mit jeder Tournee neue Maßstäbe und beackerten mit Stadionkonzerten in Südamerika internationales Neuland. Kollektiv verstummte am 13. Juli 1985 die Kritik, der sie kurz nach einer weithin missinterpretierten Auftrittsserie in Südafrika besonders heftig ausgesetzt waren, als Queen beim "Live Aid"-Auftritt zeigten, dass weder technischer Schnickschnack noch textiler Firlefanz notwendig sind, um allen anderen die Show zu stehlen. Und Mercury exerzierte vor, wie man binnen Sekunden 72.000 Zuschauer mit dem kleinen Finger dirigieren kann.

Am 24. November 1991 starb der Sänger an den Folgen von Aids. Sein Tod kam zu früh, das Potenzial der Band war mit Sicherheit noch nicht ausgeschöpft. Deacon verließ einige Jahre später das führerlose Schiff auf Nimmerwiedersehen, segnet aber anstehende Projekte stets brav ab und streift täglich seine Tantiemen ein. May und Taylor flüchteten sich in Soloprojekte, bis sie erkannten, dass Queen noch voller Leben war, da die Nachfrage ungebrochen schien. Ein Musical hob die Legende auf eine neue Gegenwartsebene, die Zusammenarbeit mit Free-Sänger Paul Rodgers brachte die halbe Königin nochmals in die Konzerthallen, wodurch vor allem jüngere Fans eine Ahnung davon bekamen, wie es früher einmal gewesen sein könnte.

Vier intelligente, kreative Köpfe haben ein Monument errichtet, das nicht mehr umzustoßen ist. Die Geschichte hat es gezeigt, die Zukunft wird es beweisen.


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