Konstantin Wecker präsentiert neue CD in Wien
"Die Zärtlichkeit hilft mir, dass ich mich nicht in der Wut verliere, und die Wut hilft mir, dass ich nicht zu sanft werde, weil das für einen Künstler auch nicht gut ist."

Foto © APAKonstantin Wecker beim Interview in Wien
Mit "Wut und Zärtlichkeit" (Sturm & Klang/Alive) reagiert der bayrische Liedermacher Konstantin Wecker auch mit 64 Jahren immer noch aktiv auf das, was ihn an seiner Umgebung stört oder beglückt. So der Titel seines neuen Albums, das wie gewohnt politische Empörung und emotionale Innenschau nebeneinander stellt. "Die Zärtlichkeit hilft mir, dass ich mich nicht in der Wut verliere, und die Wut hilft mir, dass ich nicht zu sanft werde, weil das für einen Künstler auch nicht gut ist", beschreibt Wecker im Interview mit der APA diese beiden Stimmungslagen.
Das Album stellt für Wecker gemeinsam mit seinem Debüt "Die sadopoetischen Gesänge des Konstantin Wecker" aus dem Jahr 1973 eine Ausnahme dar: "Sie sind die einzigen Alben, die von der kreativen Weise her in einem knappen, engen Zeitraum entstanden sind. Sonst habe ich immer im Laufe des Jahres die Lieder gesammelt und zu einem Album vereinigt." Der gebürtige Münchner macht dabei keinen Hehl daraus, dass er mit einem gewissen Stolz auf seine Arbeit blickt: "Es ist mir mit diesem Album sehr gut gelungen, meine reichhaltige Erfahrung der letzten 40 Jahre in die kleine Form des Liedes einfließen zu lassen."
Inhaltlich gibt es dabei auch mehrmals das Thema "Resignation", ob das nun vor dem Charme der Kanzlerin ("Die Kanzlerin") geschieht oder vor den gesellschaftspolitischen Verhältnissen, wie im Lied "Absurdistan". Doch Wecker selbst ist diesem Geisteszustand nicht anheimgefallen. "Ich habe die Verlockungen der Resignation und die des Zynismus gespürt, aber ich tauge nicht zum Zyniker und ich tauge nicht dazu, die Hoffnung aufzugeben. Das hat sicher mit meinen Elternhaus zu tun, da ich einen Vater hatte, der während der Hitlerzeit den Kriegsdienst verweigert hat. Meine beiden Eltern waren Antifaschisten. Beide haben nicht aufgegeben, auch in dieser schwierigen Zeit, daran zu glauben, dass es anders werden kann", beschreibt er den elterlichen Ursprung seiner Haltung.
Neoliberalismus stelle die Demokratie infrage
So lässt Wecker beispielsweise im Lied "Der Virus" das System des Neoliberalismus angreifen, ein System, das er für gescheitert hält. "Es ist ein Erfolg des Neoliberalismus, dass er es in 20-jähriger, sehr intensiver und sehr professioneller Arbeit mit Hilfe von Think-Tanks geschafft hat, allen Jugendlichen einzureden: 'Wer sich engagiert, ist nicht sexy'". Doch die Verlockungen dieser Ideologie würden nicht lange funktionieren, zumindest nicht für eine Mehrheit: "Er funktioniert ja schon, aber nur für eine ganz kleine Gruppe von Menschen, die sich bereichern. Trotzdem sitzen in den Talkshows immer noch genügend Leute rum, die uns erzählen wollen, wie wichtig es ist, dass sich die Politik nicht einmischt und das die Märkte ganz frei sind."
Für Wecker stellt das aber die Demokratie infrage: "Wir können den Vorstand der Deutschen Bank nicht wählen. Das sind hierarchische und nicht demokratische Betriebe, und wenn diese Industrie unsere Politik immer mehr in den Griff bekommt, dann haben wir keine Demokratie mehr."
Konstantin Weckers exzessive Vergangenheit erfreut indes immer noch so manches Boulevardblatt: "Es ist von manchen Zeitungen geradezu ein Wahn", so Wecker, "es interessiert die Leute aber sehr viel weniger als manche Journalisten glauben." 2012 gibt es für Interessierte hingegen die Möglichkeit, Konstantin Wecker dreimal live in Österreich zu erleben, nämlich am 14. Februar im Wiener Konzerthaus, am 21. April in der Arena in Kufstein und am 24. April im Linzer Brucknerhaus.














