A little less mess: Das Mixtape 2010
Die ultimativen Zehn - zumindest für den jeweiligen Autor: Zeitnehmen, zurücklehnen, genießen oder herumspringen - der Musikgeschmack des Redakteurs darf danach gepriesen und verflucht werden. Hier die Favoriten von Sebastian Krause. Viel Vergnügen!

Foto © Frau Reuter - Fotolia.com
Band of Horses – Laredo
Roadtrip-Musik, mit Neil-Young-Riff und der kalifornischen Sonne im Refrain. Wem das nicht gefällt, der lebt womöglich im Kloster.
The Roots – Right on
Hip Hop war ja auch noch da, irgendwie nicht tot zu kriegen. Wobei, das meiste, was 2010 so aus den Boxen kam und nach Rap klang, roch gleichzeitig schon ziemlich verwest. Wie immer bleibt es dann an den Roots, die Ehre des kreativen Hip Hop am Leben zu erhalten. Mit Erfolg, wenn auch im Schatten von Kanye West.
Mimicking Birds – Home and somewhere else
Der Song, wenn im Frühling die ersten Sonnenstrahlen auf die Haut fallen. Erwärmt das Herz mit einer Schlichtheit, die einen so schnell nicht mehr los lässt.
The Tallest Man on Earth – The Dreamer
Großartiger Song von der leider kaum beachteten iTunes-EP "Sometimes the blues is just a passing bird" – nicht beachtet, weil ja jeder zugleich dem zweiten Album des Schweden lauschte. Weite Felder, Sonnenuntergänge – das Kopfkino für den guten Tag.
The Black Keys – Everlasting Light
Bumm tschack, bumm bumm tschack, bumm bumm tschack – 60's Chor, Blues-Riff, bumm bumm tschack, bumm bum tschack?.. Fehlt wem etwas?
Vic Chesnutt – Flirted with you all my life
Zu Beginn des Jahres 2010 war er schon nicht mehr hier: Vic Chesnutt, der kleine Mann mit der großen Stimme, beendete sein Leben im Dezember 2009. Eine Existenz, die für Außenstehende nicht zu begreifen ist, brachte stets wunderbarste und zerbrechlichste Songs hervor. "Flirted with you all my life" zeigt einen Chesnutt, der dem Tod ein Ständchen singt, ihn fast schon verspottet und ihn doch als Freund beschreibt. Gerade deshalb hallte der Song auch 2010 noch nach, genau wie der, der ihn schrieb.
Four Tet – Sing
Kieran Hebden alias Four Tet ging es 2010 ungewohnt geradlinig an. Anstatt Jazz-Samples und vertrakter Beats stand Tanzbares im Vordergrund – und das mindestens genau so schlau wie sonst. Es klackt, fiept und rumpelt, als hätte sein Laptop Husten. Als wären die Maschinen menschlich.
The Gaslight Anthem – Boxer
Die werden auch immer besser: Die vielleicht ohnehin schon derzeit beste Rockband des Planeten setzte 2010 noch einmal einen drauf und baute die eigene Klasse aus. "Boxer" ist nur alles, was klassischen Rock 'n' Roll ausmacht – so schwer ist das doch gar nicht. Oder?
Liars – Proud Evolution (oder im "500qd Thom Yorke Remix")
Beides herrlich: Das Original als Industrial-Stampfer der US-Rocker, oder der fiepende Remix des Radiohead-Masterminds mit den rechtlich geschützten Offbeat-Drumsamples.
R.E.M. - Discoverer
Late Arrival in der definitven Liste, dafür aber der beste R.E.M-Song des letzten Jahrzehnts. Ein wenig von "Green", ein bisschen "New Adventures in Hi-Fi" und eine vetrackte Melodie, die beim dritten Hören klickt. Und, vor allem, die Zeile des Jahres: "With the slightest bit of finesse, I would have made a little less mess". Besser kann man es nicht sagen.
Die Alben:
The Decemberists – The King is Dead
Ja, schon klar. Die Platte erscheint erst Anfang 2011 – aber es gibt Mittel und es gibt Wege. Außerdem: Was Anfang des Jahres erscheint, wird bei der nächsten Bestenliste garantiert vergessen. In diesem Fall: eine Ungerechtigkeit. Die Decemberists klingen auf dem neuen Longplayer entspannt wie lange nicht mehr und liefern zudem die besten Songs ihrer Karriere ab, irgendwie zwischen Folk, Rock und R.E.M.
Gala Drop – Overcoat Heat EP
Ein portugisisches Duo, dessen percussive Instrumentals irgendwo zwischen klassischer Elektronik und futuristischem Pop verloren gehen und nicht mehr gefunden werden wollen. Schwer zu beschreiben, aber umso leichter nicht mehr aus dem Gehörgang zu kriegen. Der Geheimtipp schlechthin.
Warpaint – The Fool
Homogenität ist in der Musik nie verkehrt und Monotonie eine unterschätzte Tugend. Warpaint, übrigens bestehend nur aus Frauen, beherrschen beides. Vermutlich der weibliche Gegenentwurf zum verschwitzten Schwanz-Rock der Männerwelt. Vagina-Rock, ungleich anziehender.













