Tribut an Billie Holiday: Kraft aus Emotionen
Jazz she can! Zum 50. Todesjahr von Billie Holiday hat die führende Jazzsängerin Dee Dee Bridgewater ein äußerst eindringliches Album aufgenommen.

Foto © APADee Dee Bridgewater
Ihre neue CD, ein Tribute an Billie Holiday, beginnt sehr fröhlich und endet ziemlich traurig. Warum so dramatisch?
DEE DEE BRIDGEWATER: Die letzte Nummer "Strange Fruit" ist meiner Meinung nach so was wie ein secret song, da wäre es nicht korrekt gewesen, mit einem anderen Song weiterzumachen. Und ich glaube, es lässt den Hörer mit einer Menge Gedanken zurück. Das ist ein Song, der untrennbar mit Billie verbunden ist und auch ein Wendepunkt in ihrem Leben und ihrer Karriere war.
Es scheint, dass Sie am Ende dieses Songs sogar weinten?
BRIDGEWATER: Ja, ich habe tatsächlich geweint. Es ist ein sehr schwer zu singendes Lied. Ich wurde einfach von der Emotion des Songs überwältigt.
Können Sie bestätigen, dass dieses Album Ihr bislang persönlichstes ist?
BRIDGEWATER: Ich glaube, ich muss Ihnen zustimmen. Vor allem, weil wir diese Aufnahmen, für die mir wunderbare Musiker zur Seite standen, in einem Live-Setting gemacht haben. Das heißt, alle Songs auf dieser CD wurden zwar im Studio eingespielt, aber überhaupt nicht bearbeitet. Was man hört, sind die ersten oder maximal zweiten Takes der jeweiligen Songs. Ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis.
Der Song "Strange Fruit" ist auch ein Symbol für die Sklaverei und die US-Geschichte des Rassismus. Was hat sich mit Obama verändert?
BRIDGEWATER: Die Tatsache, dass wir fähig sind, den ersten afroamerikanischen Präsidenten zu haben, ist bezeichnend für den Fortschritt, den das Land gemacht hat. Aber wie die Welt sehen kann, hat sich noch keine antirassistische Einheit entwickelt. Bis zur Durchsetzung der Gesundheitsreform gab es eine kollektive Anstrengung eines Teiles der Republikanischen Partei, Obama auch als Individuum nicht anzuerkennen, ohne sich auf die wirklichen Bedürfnisse des Landes zu konzentrieren: Die Attacken waren wirklich persönlich. Rassismus ist in diesem Land für afroamerikanische, mexikanische und hispanische Menschen noch immer ein großes Problem.
Sie haben unter anderem auch eine Tribute-CD an Ella Fitzgerald gemacht. Die Beeinflussung durch Billie Holiday geht aber in eine andere Richtung.
BRIDGEWATER: Der Einfluss ist eine Art zweischneidiges Schwert. Mit Billie Holiday hatte ich unheimlich intensive Nachforschungen zu betreiben, um sicher zu sein, sie nicht zu verraten. Das sind zwei verschiedene Frauen mit zwei verschiedenen Hintergründen. Wahrscheinlich hat aber Billie auf eine bestimmte Weise den meisten Einfluss aller Jazzsängerinnen, da ihre Musik einen viel breiteren Kreis an Individuen erreicht hat. Es gibt so viele Sängerinnen, die nicht im Jazz-Genre singen und doch von BH beeinflusst sind, etwa Erykah Badu, Amy Winehouse, Madeleine Peyroux, verschiedene Instrumentalisten sowie ganz allgemein Menschen, die von ihrem Stil und ihrem Leben berührt sind. INTERVIEW: OTMAR KLAMMER

















