Rückeroberung der Wörtherseebühne
Heimspiel für Naked Lunch: Die Indie-Rock-Haudegen zeigten Open Air, dass ihre Songs universell gültig sind - trotz einiger Soundprobleme.
1 / 22 Naked Lunch
Es war ein unfaires Match Freitagabend in der Wörthersee-Ostbucht: Beach-Volleyball-Junkies versus Alternativ-Rock-Community.
Parkplatz und Wiesen rund ums Klagenfurter Strandbad waren umzingelt von "Gib Gas, ich will Spaß"-Jugend, vorne am Wasser eine kleine Glaubensgemeinschaft des Indie-Pop. Die hatte dafür Großes vor: Die Rückeroberung der Wörtherseebühne - auch hier soll künftig Gegenkultur stattfinden dürfen. Mit einem Heimspiel von Naked Lunch musste das gelingen.
Perfektion
Als würde der Bühnenvorhang geöffnet, schwallte "God", dieser 3000er unter den Gitarrenwand-Songs, als Eröffnungsnummer dem fröstelnden Publikum entgegen, und die umstrittene Bühne stand in neuem Licht. "Wir spielen hier, weil dieser Ort auch uns gehört", meinte Sänger/Gitarrist Oliver Welter.
Auch wenn es einige Sound-Probleme gab und eine bestuhlte Arena nicht der Nummer-eins-Auftrittsort für Naked Lunch ist, zeigte die Show: Hier ist etwas über 20 Jahre lang Gewachsenes zu Vielschichtigkeit und Perfektion geführt worden.
Auf der breiten Bühne spielte sich die Band entlang ergreifender Melodien und rockte mitunter hart ("King George") - Welter in weißem Hemd, hüftschwingend! Ein Highlight die Version von "Into the Dark": Das von Hall- und Echo-Effekten überbordende Intro trug einen gleichsam über den See. Ihr Hit "Military of the Heart", mit Gast-Gitarristen Pieter Gabriel, zwang das Publikum endlich von den Sitzen.
Naked Luch arbeiten derzeit im Studio ihres Bassisten Herwig Zamernik an einem neuen Album. Ein paar Songs bekam man schon zu hören, wie zum Beispiel das bombastische "The Sun", noch größer mithilfe von Gastmusiker Sir Tralala.
Ein paar Zugaben, darunter die Weltnummer "Universalove", brauchte es noch, dann war die Rückeroberung der Seebühne geschafft. Dank des zweistündigen Gesamtkunstwerks Naked Lunch.


















