Musik aus dem Winterwald von Småland
Wen die Neue von Midlake nicht wirklich begeistert, wer die Fleet Foxes etwas zu verhuscht findet, dem seien die "Brothers of End" aus Südschweden empfohlen. Cardigans-Mitglieder schufen mit Unterstützung eine wahrhaftige Pop-Perle.

Foto © Bengt Lagerberg, Mattias Areskog, Lars-Olof Johansson Ståle
Ja, Mann traut sich seit einiger Zeit wieder: Traut sich Gefühle und Empfindsamkeit zu, macht stille Musik dazu. "Herbstlaub-Sammler"-Lieder sagen die einen, großes Gefühlskino, das die Fleet Foxes, Midlake und zahllose andere Barden da leise offerieren. Man könnte aber auch sagen, diese Kategorien sind sinnlos, solange die Musik nur Qualität hat. Und manchmal entstehen auch echte Perlen, die zwar kommerziell die Wahrnehmungsgrenze nicht einmal streifen, aber sonst alles richtig machen.
So gehört bei "Brothers of End" und ihrem Erstlingswerk "The End": Mattias Areskog (spielte neben seinem Job als Journalist immer wieder Gitarre in verschiedenen Bands), Lars-Olof Johansson Ståle (Keyboarder und Gitarrist der auf Eis gelegten "Cardigans") und Bengt Lagerberg (Drummer ebendort) kennen sich seit ihren Kindheitstagen im Städtchen Jönköping in der schwedischen Region Småland. 2007 fand man nach langer Zeit wieder einmal zusammen und gründete nebenbei gleich eine Band: "The End" ist deren Anfang.
Eine stille, verträumte Platte ist es geworden, mit perfekt harmonierenden Stimmen, feuchtem Echo, viel Gitarre und größtenteils überragenden Songs. Die perfekte Untermalung für einen Spazierganz durch einen Wald in der Dämmerung. Mit jedem Schritt und mit jedem Hören tun sich neue Details auf, in keiner Sekunde werfen einem diese "stillen Brüder" etwas in Gesicht, alles passiert beinahe beiläufig, gewinnt gerade dadurch an Eindringlichkeit. "Quiet is the new Loud" - das war Ende der 1990er-Jahre ein sagenhaft dummer Slogan, doch man fühlt sich hier versucht, ihn zu reaktivieren.
"Why" ist die erste Single - falls sich jemand gefragt hat, ob es jemals so etwas wie die schwedische Variante von "Crosby, Stills, Nash & Young" gegeben hat: Hier ist sie, mit 40 Jahren Verspätung. "Big Bird", "Beats for You", "What's wrong with that?", "Falcon Crest vs. Dynasty" (!): Das ist perfekte Wintermusik und Spätnacht-Untermalung, so sanft sie auch ist, fern von jedem Kitsch. Vielleicht sollten die Cardigans, die durchaus auch ihre Momente hatten, noch länger Pause machen. Diese Platte ist nicht weniger als ein kleines Meisterwerk, das Gehör verdient. Danke, Schweden.













