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    Zuletzt aktualisiert: 11.12.2009 um 12:00 UhrKommentare

    Soap&Skin live: Überinszenierte Zerreißprobe

    Soap&Skin gastierte mit Ensemble im restlos ausverkauften Grazer Orpheum. 60 Minuten lang sorgte sie für andächtige Stimmung und Gänsehaut.

    Soap&Skin

    Foto © David BauerSoap&Skin

    Ihre Körperhaltung leicht gebückt. Die Hände wie ein Schutzschild vor sich nach unten hängend und verkreuzt. Mit kreidebleichem Teint und langem zerzausten Haar. Im Hintergrund quietschende Laute von Schweinen. So erscheint Anja Plaschg (19) aka Soap&Skin auf der mit nur einem weißen Spot auf ihren Flügel gerichteten, effektvoll beleuchteten und ansonsten dunklen Bühne. Wie immer wirkt sie zerbrechlich, verstört, und so, als ob sie gar nicht an diesem Ort hier sein wolle. Ihr Blick jedoch ist zielgerichtet und wild entschlossen. Ohne dem Publikum des restlos ausverkauften Grazer Orpheums die kleinste Beachtung zu schenken, setzt sie sich hinter den schwarzen Flügel. Unweigerlich fällt die Aufmerksamkeit auf ihr schwarzes Oberteil, das einer Zwangsjacke gleicht. Es ist Luft abschnürend eng am Rücken zusammengezogen. Fast scheint es so, als ob es die fragile Soap&Skin zusammenhält, sie davor schützt zu zerreißen. Anja Plaschg ist wie gewohnt von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet. Die einzige Ausnahme: Ein blaues verkehrtes Anarchie-Zeichen, das sie auf ihre Brust gemalen hat.

    Soap&Skin mit Ensemble

    Anders als bei ihrem letzten Konzert in der Grazer Postgarage beginnt sie nicht gleich damit, wild Akkorde in die Tasten zu hämmern. Vielmehr verharrt sie eingefroren in ihrer aufrechten Haltung am Klavierhocker. Sie wartet. Sie wartet auf ihr sechsköpfige musikalische Verstärkung. Erstmals tourt Soap&Skin mit einem Ensemble durch Österreich und Deutschland. Vier Streicher, ein Bläser und eine Sängerin. Nicht viele wissen, dass die schüchterne Sängerin im Hintergrund, die oft als einzige im Dunklen steht und dennoch Soap&Skin voller Inbrunst mit einer atemberaubend schönen Stimme gesanglich unterstützt, Anjas ältere Schwester Evelyn Plaschg ist.

    Die stark emotionalisierenden musikalischen Stimmungsbilder gepaart mit unterkühlten Elektrobeats werden durch das Ensemble verstärkt. Die Musik dringt unweigerlich noch tiefer in die Körper des Publikums ein. Ein Publikum, das inhomogener nicht sein könnte: Da steht der Opern-Abo-Inhaber dicht gedrängt neben einem Emo - jeder will etwas vom Seelenschmerz abbekommen. Die verstärkte Emotionalität rührt den einen oder anderen bei Songs wie "Cry Wolf" oder "The Sun" sogar zu Tränen. Der Schmerz, den Soap&Skin in ihren Songs ohnedies vermittelt, wird mit Ensemble noch tiefer, noch intensiver. Das ganze Konzert wird dadurch noch mehr zu einer ganzkörperlichen Grenzerfahrung: Klänge, die nicht nur unter die Haut gehen, sondern tiefe seelische Abgründe vor einem offenlegen, einen dort regelrecht hineinziehen.

    Von "Überinszenierung" und "absoluter Kontrolle"

    Passagenweise läuft Anja Plaschg jedoch Gefahr, in Überkitschung zu enden. Die Songs wirken mit Ensemblebegleitung kalkulierter und weniger authentisch. Die Authentizität ist an diesem Abend ohnedies der Knackpunkt. Immer wieder schwirren einem beim Zuhören Begriffe wie "Überinszenierung" und "absolute Kontrolle" im Kopf herum. Irgendwie kauft man der Perfektionistin Plaschg den Zufall nicht ab, wenn sie mitten in einem Song aufhört zu spielen, und verlegen ins Publikum sieht, sich dann aber zum Weiterspielen ermuntern lässt. Oder wenn Plaschg vom Klavierhocker aufspringt, hinter ihrem Flügel verschwindet, sich vor Hustenanfällen verbiegt und vorgibt beinahe zu ersticken und danach mit mehr als leiser Stimme kryptisch ins Mikro haucht: "Ich habe so eine Stimme, die arbeitet manchmal gegen mich". Einer der wenigen Momente, wo Plaschg mit dem Publikum spricht.

    Erschaudernde Schreie

    Bei ihrer musikalischen Performance gibt sie viel, vielleicht sogar alles, doch mit Worten spart Plaschg. Bei "Marche Funèbre" bricht Anja Plaschg nochmals mit der Publikumsscheue und stellt sich den andächtig Lauschenden. Auge in Auge mit dem Publikum steht sie vorne auf der Bühne hinter ihrem Mikrofon und performed die dramatische Nummer mit vollem körperlichen Einsatz. Verstörend bewegt sie sich wie ein Cyborg im Takt der Musik und blickt einen starr, mit weit aufgerissenen Augen direkt in die Seele. Für Gänsehaut sorgt Plaschg bei "Fall Foliage". Sich wie vor Schmerz neben ihrem Flügel krümmend, dringen ihre Schreie auch ohne Mikro bis in die letzten Reihen. Das ganze Orpheum erschaudert. Sie liefert sich dem Publikum gnadenlos aus. Es wirkt so als gehe sie an ihre Grenzen, stellt sich einer Zerreißprobe, nur die "Zwangsjacke" scheint sie davor zu schützen, nicht tatsächlich zu zerreißen.


    Fakten

    Anja Plaschg wurde am 5. April 1990 in Gnas geboren und wuchs als jüngstes von vier Kindern in der südoststeirischen Gemeinde Poppendorf auf.

    Für ihr Debüt-Album "Lovetune for Vacuum", das heuer im Frühjahr erschien, wurde sie mit dem Amadeus in der Kategorie "Alternative/Rock" ausgezeichnet. Im Jänner bekommt sie den "European Union Border Breaker Award".

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