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Zuletzt aktualisiert: 08.10.2009 um 21:40 UhrKommentare

Mister Smith und die Matrix

The Editors sind zurück. Ganz einfach machen sie es einem diesmal jedoch nicht - denn neu ist nicht nur das Album, neu ist auch der Sound: Die Trauer trägt jetzt Retro und die Gitarren sind irgendwie verschwunden.

Nein, die Gitarre lässt Tom Smith dieses Mal zu Hause

Foto © APANein, die Gitarre lässt Tom Smith dieses Mal zu Hause

"It kicks like a sleep twitch": Tom Smith leidet wieder. Seine Stimme voller Pathos, große Refrains, treibende Rhythmen, hypnotische Gitarren... Hypnotische Gitarren? Halt, irgend etwas stimmt hier nicht. Wo sind sind die Gitarren? Wo sind wir hier? Die Single "Papillion" gibt die wundersame Wandlungen einer Band wieder, deren drittes Album "In this Light and on this Evening" vor allem eines ist: Mutig.

Schicht über Schicht

Schon die ersten Klänge der Single reißen den Hörer unsanft aus seinem gemachten Bett inmitten der düsteren, melancholischen Klangwelten der Briten. Schicht über Schicht stapeln die Herren um Mister Smith ihre Keyboard-Klänge, nach jedem Refrain, jeder Strophe wird noch ein Effekt draufgelegt. Diebische Freude am offenkundigen Ideen-Klau wird deutlich, mal werden Depeche Mode, mal OMD oder Joy Division und New Order Opfer. Ein Glück nur, dass die Bestohlenen ohnehin längst (künstlerisch) unter der Erde weilen.

Düster sind sie trotzdem und für voll gefüllte Arenen wird es auch diesmal reichen. Die Editors vollführen mit ihrem dritten Album den Sprung in eine Parallel-Welt innerhalb ihres eigenen Klang-Universums. Auch ohne Gitarren fühlt man sich in den gewollt sterilen Songs gleich heimisch, wenngleich man nicht alles wieder erkennt.

Trotzdem unverkennbar

Songs wie "The Boxer" sind jedoch unverkennbar, die ewige Trauer der dunklen Briten bleibt auch inmitten der Eighties-Klänge das Leitmotiv dieser Platte. "Eat Raw Meat = Blood Drool" stampft geradeaus, doch ist es kein "Munich", kein "Racing Rats". Es sind synthetische, dunkle Klone geliebter Hymnen, die perfekt erschaffene Welt der nach außen getragenen Trauer.

Mister Smith ist die fehlerlose, dunkle Kopie der früheren Band-Realität gelungen, weg von dem altbekannten und leicht kritisierbaren Muster der ersten beiden Alben, hineingehoben in das Reich der Synthetik. Wer Smith folgt, muss sich diesem so eigenwilligen Konzept unterordnen. Wer ihm folgt, erlebt eine eigene Welt mit eigenen Gesetzen. Wer ihm folgt, wird zu einem Teil des Ganzen. Willkommen in der Matrix. Nehmen Sie die rote Pille.

7.9 / 10

SEBASTIAN KRAUSE

Steckbrief

Die Editors wurden 2003 im britischen Birmingham gegründet, Gründungsmitglieder sind Tom Smith (Gesang, Gitarre), Chris Urbanowicz (Gitarre), Russell Leetch (Bass) und Ed Lay (Schlagzeug). Vor dem aktuellen Album erschienen 2005 "The Back Room" und 2007 "An End Has A Start".

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