Die Qualität des Stillstandes
Der Titel der neuen Element-Of-Crime-CD "Immer da wo Du bist, bin ich nie" ist Nonsens. Es muss heißen "Immer da wo wir sind, seid ihr auch": Fans werden die "neue Elements" lieben.

Foto © UniversalWenn die Musik mal schöner ist als die Band (Regener: rechts hinten)...
Nach den letzten beiden Langspielplatten "Romantik" (2001, eher übel) und "Mittelpunkt der Welt (2005, eher besser) warf ihnen sogar so mancher Fan absoluten Stillstand im Sinne von "Rythmus-Wechsel nur noch, wenn sich einer kratzen muss" vor - dazu Blaupausen-Texte, wie man sie von Bandoberhaupt Sven Regener (seit einigen Jahren auch als Autor hoch im Kurs) schon wesentlich besser gehört hatte. Faktum ist: Element Of Crime fanden für den neuen Longplayer, für den man sich immerhin vier Jahre Zeit gelassen hatte, zurück zu alten Qualitäten und dazu ein wenig mehr Schwung. Keinen Deut mehr, keinen Deut weniger. "Das ist gut, das ist schön", würde Regener sagen.
Das achte "deutsche" Album
1986 gab man sein Debüt auf Vinyl - 1991 traute man sich mit "Damals hinterm Mond" (bis heute zusammen mit "Weißes Papier" Favoriten der meisten Fans) die begrüßenswerte Abkehr von den bemühten englischen Texten. Insgesamt acht "deutsche" Alben entstanden seitdem, und der Bastard aus Chanson, Rock, Folk und Pop zeigt bei der treuen Gefolgschaft kaum Abnutzungserscheinungen. Wenn Regener, Meister der ironisierten Melancholie, über die Tiefen und Untiefen der Welt schwadroniert und dazu seine durchaus zigaretten- und pilserprobte Stimme grummeln lässt, ist das ein wenig so, als stelle einem ein guter Freund ein Glas Bier nach dem anderen als Trost hin. Allerdings ohne Kopfweh am nächsten Morgen.
Im Grunde kann man sagen, dass Element Of Crime seit vielen Jahren das gleiche machen, nur zwei Lieder - ein schnelleres und ein langsames - im Repertoire haben. Doch Obacht! Wer so lange derart hohe Qualität abliefert und mindestens zwei exzellente Musiker im Bandgefüge hat (Gitarrist Ilja und Schlagwerker Pappik - Bierzelt-Bassist Young begeistert hingegen weniger), an dem perlen derartige Vorwürfe ab wie Regen an einem frisch gewachsten Volvo. Element Of Crime sind trendresistent, weil das Wort "Trend" in Regeners Vokabular noch nie vorkam: Man hört eine Platte der Elements nicht, man zieht sie an wie sein gut eingetragenes Paar Lieblingsschuhe.
Produktion knackig, Texte konfus
Was fällt nun doch auf auf an der neuen Scheibe - abgesehen vom verbesserungswürdigen Titel? Insgesamt mehr Tempo und Biss (der Opener "Kopf aus dem Fenster" und der Titeltrack traben z.B. munter vor sich hin), eine etwas kantigere und "folkigere" Produktion als auf den letzten beiden Alben, weniger Trompete, dafür mehr Mundharmonika. Die Texte sind mittlerweile derart vage, dass man damit alles und nichts anfangen kann, das war zu Zeiten von "Weißes Papier" noch anders. Und wer mit Liebesliedern (schön: "Am Ende denk ich immer nur an Dich") noch immer millimetergenau die Grenze zum Kitsch vermeidet, völlig unpeinlich Texte wie "Kaffee und Karin, Birgit und Bier" abliefern kann und im Chorus auch einmal kleine Mädchen mitsingen lässt, der hat weiterhin Kredit bei seinen Freunden, welcher Weltenschmerz auch gerade bei denen zur Untermiete wohnt.
Ach ja: Die Elements, eine fabelhafte Live-Band, beehren Österreich: Am 22. Jänner spielen sie im Linzer "Posthof", am 23. Jänner im Innsbrucker "Hafen" - und am 9. Februar 2010 gibt es das Tournee-Abschlusskonzert im Wiener Gasometer.
8.0 / 10
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Steckbrief
Augenblicklich bestehen die im März 1985 in West-Berlin gegründeten Element Of Crime aus Sven Regener (Stimme, Trompete, Gitarre, Klavier), Jakob Ilja (Gitarre) Richard Pappik (Schlagzeug, Mundharmonika) und Dave Young (Bass). Nach vier eher holprigen Studioalben in englischer Sprache gab es 1991 das Debüt auf Deutsch.



















