Jochen Distelmeyer: Der "Apfelmann" solo
Wo Distelmeyer drauf steht, ist auch Distelmeyer drin: Das Liebkind des deutschen Feuilletons kehrt "Blumfeld" den Rücken und legt mit "Heavy" sein erstes Solo-Album vor.

Foto © Nic Frechen Jochen Distelmeyer gibt's jetzt auch solo
Erst sagte Jochen Distelmeyer dem in die Jahre gekommenen Diskurs-Pop ade und sang mit seiner Band Blumfeld über den "Apfelmann", 2007 war dann nach 16 Jahren auch mit der Band selbst Schluss. Jetzt legt der 43-Jährige mit "Heavy" (Sony) sein erstes Solo-Album vor und bietet sowohl Erwartetes, wie auch Überraschendes. Für Distelmeyer selbst gibt es auch keinen Bruch zwischen Blumfeld und seiner Arbeit unter eigenen Namen: "Ich habe jetzt mit 'Heavy' als Songschreiber da weitergemacht, wo ich vorher aufgehört habe. Zwar unter veränderten Vorzeichen, wenn man so will, aber aus einer Kontinuität heraus", stellt der Sänger im Gespräch mit der Austria Presse Agentur in Wien klar.
Musik als Lebenselexier
Es war zu erwarten, dass das Ende von Blumfeld nicht auch das Ende von Jochen Distelmeyer als Musiker sein würde. Er arbeitet weiterhin mit einer Band, bei der es jetzt statt einer quasi-familiären Struktur eine klarere Aufgabenverteilung gibt. "Ich hab weit vor 20 Jahren angefangen Musik zu machen, Musik war mein Zugang zur Welt, schon bevor ich meinen ersten Song geschrieben habe. Musik passt zu meinen Organismus", meint er selbst. Das Konzept als Grundlage für den Song war für Distelmeyer dabei nie der Ausgangspunkt: "Ich hab eigentlich immer nur Songs darüber geschrieben, was mich berührt, was mir wichtig ist." Was bei "Heavy" unter anderem die Auseinandersetzung mit Beziehungsthemen ("Lass uns Liebe sein") und die Verortung des eigenen Ichs bedeutet.
Unerwartet harte Gitarren erklingen diesmal aber auch, zum Beispiel auf der zweiten Singleauskoppelung, wo Distelmayer die Frage "Wohin mit dem Hass?" stellt und sich als Empfänger für diesen anbietet. Die Rückkehr der Rockgitarre gibt es nicht nur auf diesem Song, ebenso der per i-tunes erhältliche Bonustrack "Einfach so" wartet mit dieser auf. "Mich hat das archaische und primitive Spielen von Rock interessiert", lautet die Erklärung, "primitive Musik für primitive Verhältnisse und archaische Zeiten".
Vom Glück der Gelassenheit
Ob die Sprache in seinen Songs mit den Jahren einfacher und direkter geworden ist? "Kann sein. Ich wollte aber immer so direkt wie möglich sein. Aber jetzt ist es im Laufe der Zeit so geworden, dass mir schon lange nichts mehr peinlich ist und sich mein Vokabular geschärft hat. Es ist eine normale Entwicklung, die sich im Alter vollzieht." Mit relativer Gelassenheit sieht Distelmeyer das Verhältnis zu Fans. "Ich finde es vollkommen normal, dass, wenn man Fan von einer Band ist, man dann gewisse Erwartungen hat, wohin sich das entwickelt. Wenn ich die hie und da nicht erfüllt habe, tut mit das leid, aber ich mach natürlich die Songs erst mal für mich und kann dann nur auf mein Herz hören".
Seine Position als Liebling des deutschen Feuilletons empfindet Distelmeyer als Ausdruck der Anerkennung seiner Arbeit, auch wenn es da vorkomme, dass ein Bild von ihm entworfen werde, das nichts mit ihm zu tun hätte. Die meisten Missverständnisse hätten sich aber über die Jahre aufgelöst, "manche sind auch geblieben, wie die Vorstellung, dass das eine so extrem verkopfte, anspruchsvolle Sache ist - aber das ist okay." Auch wenn es ihm um die direkte Erfahrung von einem Song geht, sieht Distelmeyer im Kritiker denjenigen, der diesem einen "Hallraum" gibt, wobei er dies als ambivalent wahrnimmt: "Wenn ich ins Kino gehe, will ich nicht so viele Besprechungen lesen, weil die wie ein Filter wirken. Manchmal ist es aber auch gut, es gibt kein Patentrezept."
Features
Distelmeyer in Concert
Liveauftritte von Jochen Distelmeyer und Band gibt es noch für dieses Jahr zu vermelden. Am 7.12 führt in seine Tour nach Ebensee (Kino Ebensee), am 8.12. nach Wien (WUK), am 9.12 nach Salzburg (ARGE) und abschließend am 10.12. nach Dornbirn (Spielboden).















