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Zuletzt aktualisiert: 14.08.2009 um 12:37 UhrKommentare

40 Jahre "Woodstock": Synonym für eine Epoche

Mitte August 1969 verwandelte ein Riesenfestival mit "3 Days of Peace & Music" nicht nur die Rockmusik.

Joe Cocker

Foto © ORF/WoodstockJoe Cocker

Zwei Geburten hat es beim legendären Woodstock-Festival gegeben - und diese Kinder der Rockfestival-Revolution werden demnächst schon 40 Jahre alt: Vor vier Jahrzehnten (von 15. bis 18. August 1969) veränderte der Konzertreigen nicht nur den Stellenwert und die Live-Präsentation von Pop-Musik, sondern wurde bis heute zum Synonym für eine ganze gesellschaftliche Epoche.

Jimi Hendrix, The Who, Joan Baez, Janis Joplin, Joe Cocker, Carlos Santana und Grateful Dead waren unter jenen Bands, die auf der Bühne standen. Unter teils abenteuerlichen Bedingungen: Der Grateful Dead-Gitarrist erhielt beim Berühren seines Instrumentes jedes Mal einen Stromstoß. Eines war die im Zeichen des Wassermannes stehende "Woodstock Music & Art Fair" aber nicht - nämlich in Woodstock, oder auch nur in der Nähe davon. Dort waren die Veranstalter rund um Initiator Michael Lang nicht willkommen. Letztlich fanden die Konzerte von Jimi Hendrix und Co. auf einer kleinen Farm im 75 Kilometer entfernten Bethel (US-Bundesstaat New York) statt, 150 Kilometer von New York entfernt.

150.000 Besucher

Für 150.000 Besucher wurden Sicherheitsvorkehrungen getroffen, 186.000 Tickets verkauft - aber fast 500.000 Menschen sind gekommen. Dass das Festival dennoch in aller Friedlichkeit über die Bühne ging, war wohl mehr der gewaltlosen Stimmung unter den Besuchern zu verdanken als der Organisation. Nur dadurch, dass immer mehr Fans herbeiströmten und Absperrungen ignorierten, wurde Woodstock nicht ganz freiwillig zum Gratis-Festival.

6,50 Dollar kostete ursprünglich der Tageseintritt, 18 Dollar der Dreitagespass. Und dieser war gleichzeitig der Pass für die "Woodstock Nation", jene alternative Gesellschaft, die in den von Vietnam-Krieg, Rassen-Unruhen und Sozialkonflikten polarisierten USA für Meinungsfreiheit, Pazifismus, Gleichberechtigung (und freien Drogenkonsum) stand. Deren Hymne war wohl jene Version von "Star-Spangled Banner", mit der Hendrix nachhaltig für Aufsehen sorgte. Wenn auch zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mehr 40.000 Fans am Gelände waren: Hendrix spielte am 18. August, obwohl das Festival bereits am 17. offiziell hätte enden sollen. Aber letztlich wurden aus den geplanten "3 Days of Peace & Music" (wie am Konzertplakat zu lesen war) vier Tage, nicht zuletzt aus organisatorischen Mängeln.

Der Begriff "Woodstock" wird heute für jede größere Musikveranstaltung gerne herbeigezogen, und das Festival hat vieles vorweggenommen, was seitdem Rockfestivals ausmacht: Einen legendären Verkehrsstau, Regen und darauffolgendes Schlammbad, zuwenige Toiletten und eine kulinarische Versorgung, die durchaus zu wünschen übrig ließ: Essen und Getränke wurden bereits nach dem ersten Tag knapp (die Nationalgarde brachte per Hubschrauber Snacks und Cola). So bezog sich laut der jüngst im Verlag "Collection Rolf Heyne" erschienen Woodstock-Chronik Joan Baez mit "We Shall Overcome" sowohl auf die politische Situation als auch auf die widrigen Umstände wie Regen und Matsch.

Max Yasgur, jener Milchbauer, auf dessen Feldern das Jahrhundertfestival letztlich seinen Austragungsort fand, geriet für viele zu einem heimlichen Helden: Er versorgte die Besucher mit Wasser und seinen Milchprodukten (zum Teil gratis). Und obwohl er wahrlich kein Blumenkind war, ließ er sich auch nicht von jener negativen Stimmung abschrecken, die andere Anrainer dem nicht eben drogenfreien Publikum und der "Invasion der Langhaarigen" entgegenbrachten (es gab ein eigenes Zelt für jene, die einen schlechten "Trip" erlebten). Neben den zwei Geburten gab es auch zwei Todesfälle (ein Unfall- und ein Drogentoter).

Die 1970 veröffentlichte Filmdokumentation von Michael Wadleigh sowie zahlreiche Alben mit Festivalmitschnitten machten das Ereignis rasch international bekannt, und Woodstock avancierte zum Hippie-Mythos von Frieden, Harmonie und freier Liebe. Und das Erbe des Festivals ist bis heute gut verkaufbar (obwohl die Veranstalter ursprünglich mit einem Millionen-Minus ausstiegen): Zum 40er erscheint eine Sechs-CD-Box bei Warner Music. Und am Austragungsort wurde (nicht ohne Proteste der ehemaligen Hippies an derartiger "Kommerzialisierung") das "Bethel Woods Center for the Arts" gebaut. In dem Museum mit Konzertsaal werden am 15. August anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums die "Heroes of Woodstock" (u.a. Ten Years After, Canned Heat) spielen.

Erinnerungen an die Feiern zum 25. und 30. Geburtstag wird man sich dabei lieber sparen, denn diese gingen keineswegs reibungslos über die Bühne: 1994 konkurrierten die beiden Veranstaltungen "Woodstock '94" und "Bethel '94" vor Gericht um das Recht als offizielles Jubiläum. Und 1999 endete das Woodstock-Revival in den USA mit 225.000 Fans im Chaos, Konzertbesucher legten Brände, lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei, und auch mehrere Vergewaltigungen wurden verzeichnet. Da ist es vielleicht sogar besser gewesen, dass die europäische Ausgabe nicht stattfand - obwohl sie in Wiener Neustadt geplant war. Das Interesse war mäßig - bei der Absage waren lediglich 10.000 Tickets verkauft worden.


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