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Zuletzt aktualisiert: 08.12.2009 um 06:00 UhrKommentare

Maler Arnulf Rainer wird 80

Mit seinem Werk ist er seit Jahrzehnten in den wichtigsten Museen der Welt zu Hause und mit den bedeutendsten Kunstauszeichnungen dekoriert.

Arnulf  Rainer

Foto © APAArnulf Rainer

Erst vor etwa zwei Monaten eröffnete sein eigenes Museum in Baden bei Wien, heute feiert der österreichische Maler seinen 80. Geburtstag. "Das Leben ist nur ein Abglanz der Kunst", kommentierte Rainer einmal eine seiner Ausstellungen. Sein eigenes Leben ist schon lange in den Glanz der Kunst getaucht.

"Kunstkompass"

Auf der "Kunstkompass"-Liste der international meistbeachteten zeitgenössischen Künstler macht Rainer seit Jahren beständig Plätze gut, heuer liegt er auf Rang 68. Denn auch in seinem achten Lebensjahrzehnt bediente der Künstler, der hauptsächlich auf seinem umgebauten Bauernhof im Innviertler Enzenkirchen und im Winter auf Teneriffa lebt und arbeitet, seine Galeristen - etwa die Wiener Galerie Ulysses, die Schärdinger Galerie am Stein oder die Gmundner Galerie 422 - mit immer neuen Werken.

Auch in den Museen ist es alles andere als ruhig um das ehemalige Enfant terrible geworden: Seine Zusammenarbeit mit Dieter Roth war im Vorjahr im Belvedere, die mit Günter Brus ist noch bis 31. Jänner in der Albertina zu sehen. Eine umfangreiche Werkschau gab es erst kürzlich im Klagenfurter Museum Moderner Kunst, das Salzburger Museum der Moderne legt mit "Female" noch bis 7. Februar den Fokus auf die Frauenbilder Rainers. Geburtstag gefeiert wird am 8. natürlich auch im Rainer Museum: Zwischen 10 und 16 Uhr gibt es freien Eintritt, im Festsaal werden Filme über den Künstler gezeigt.

Werdegang

Arnulf Rainer wurde 1929 in Baden bei Wien geboren. Von 1940 bis 1944 besuchte er die Nationalpolitische Erziehungsanstalt in Traiskirchen. Nach der Staatsgewerbeschule in Villach, wo er 1949 maturierte, wurde er sowohl an der Hochschule für angewandte Kunst als auch für bildende Kunst aufgenommen, die er aber beide nach wenigen Tagen wegen Kontroversen mit seinen Lehrern verließ. Gemeinsam mit Fuchs, Lehmden, Brauer, Hollegha und Mikl gründete er 1950 die "Hundsgruppe", 1953 begegnete er dem Priester Otto Mauer. In dessen "Galerie nächst St. Stephan" war Rainer schließlich mit seinen ersten Einzelpräsentationen sowie mit Hollegha, Prachensky und Mikl als Malergruppe "Galerie St. Stephan" zu Hause.

Mit Beginn der 50er Jahre wandte sich Rainer nach erstem Interesse für Surrealismus und Informel seinen berühmt-berüchtigten Übermalungen zu. Eigene und fremde Bilder, Selbstporträts und Fotos kamen ihm unter Farbe, Kohlestift und Kugelschreiber, 1961 wurde er in Wolfsburg wegen der öffentlichen Übermalung eines prämierten Bildes sogar gerichtlich verurteilt. Gerade wegen seiner radikalen Verhüllung von oft auch religiösen Symbolen war Rainer jahrelang umstritten - von kirchlicher Seite wurde seine Arbeit aber mit mehreren Auftragsarbeiten und Ehrendoktoraten sowohl der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität von Münster als auch der Kath.-Theol. Privatuniversität Linz zunehmend gewürdigt.

Ab 1963 arbeitete Rainer in verschiedenen Studios in Berlin, München, Köln und schließlich Wien, wo 1968 im Museum des 20. Jahrhunderts auch seine erste Retrospektive stattfand. Als ihm 1974 der Kunstpreis der Stadt Wien verliehen werden sollte, verweigerte er die Teilnahme an der Übergabe-Zeremonie - der Preis wurde ihm wieder aberkannt. 1977 nahm er an der documenta 6 teil, ein Jahr später vertrat er Österreich bei der Biennale von Venedig. Im November 1978 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis, seit 1978 ist er Mitglied des Österreichischen Kunstsenates. Ab 1981 hatte Rainer eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in Wien inne, 1994 wurden 38 Bilder die in seinem Akademie-Atelier aufbewahrt waren, übermalt und beschädigt. Ermittlungen gegen Rainer selbst und seine Galeristin wurden im Jahr darauf eingestellt, er selbst ließ sich auf eigenen Wunsch emeritieren.

Retrospektiven

Retrospektiven waren Rainer in den großen Museen der Moderne zahlreich gewidmet. 1984 im Centre Pompidou in Paris, 1989 im Guggenheim Museum New York, anlässlich seines 70. Geburtstags im Stedelijk Museum in Amsterdam. Seit 2002 widmet die Pinakothek der Moderne in München Rainer einen eigenen Raum, in dem einige seiner Werke permanent gezeigt werden. Im darauffolgenden Jahr erhielt Rainer, nach Georg Baselitz und Sigmar Polke, den Rhenus-Kunstpreis für sein Gesamtwerk. 2005 erhielt er als erster nicht spanischer Künstler den Aragón-Goya Preis für sein Lebenswerk. Für das Museum, das ihm nun von seiner Heimatstadt Baden gewidmet wurde, zeigte sich Rainer durch eine großzügige Schenkung von 42 seiner Werke im Gesamtwert von 600.000 Euro an das Land Niederösterreich erkenntlich.


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