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Zuletzt aktualisiert: 28.10.2009 um 16:04 UhrKommentare

Die Magierin mit dem kühlen Blick

Annie Leibovitz ist die berühmteste Fotografin der Welt. Nun zeigt die 60-Jährige, zuletzt wegen Finanznöten in den Schlagzeilen, sehr persönliche Arbeiten im Kunst Haus Wien.

Annie Leibovitz

Foto © APAnnie Leibovitz

Sie hatte sie alle schon vor der Kamera: Bill Clinton und Brad Pitt, Johnny Depp und Nicole Kidman, Lady Di und die Queen. Annie Leibovitz ist die wohl berühmteste und bestbezahlte Fotografin der Welt.

Am 2. Oktober wurde die Amerikanerin 60. Doch sie hatte zuletzt wenig Grund zum Feiern: Trotz ihrer gigantischen Honorare steckt sie in einer tiefen Finanzkrise - Bankrott nicht ausgeschlossen. 24 Millionen Dollar (16 Millionen Euro) schuldet die Starfotografin der New Yorker Art Capital Group, einer Edel-Pfandleihe für die Kunstszene.

Wie Leibovitz in diese Schieflage geraten konnte, ist bis heute ein Rätsel. Beim US-Magazin "Vanity Fair"verdient sie als Cheffotofrafin angeblich mehr als zwei Millionen Dollar im Jahr. Für andere Arbeiten - etwa im Auftrag der Kofferschmiede Louis Vuitton oder der Modefirma Gap - verlangt sie mehrere zehntausend Dollar am Tag.

Fotos, die Geschichte schrieben.

Dafür liefert die Perfektionistin kühl durchkomponierte, aufwendig inszenierte Kunstwerke. Zu ihren bekanntesten Arbeiten gehören die Aktfotos von Demi Moore, auf denen die Schauspielerin hochschwanger mit bloßem Bauch zu sehen ist. Sie fotografierte den nackten John Lennon, der sich im Liegen an Yoko Ono klammert - nur wenige Stunden vor seinem Tod. Und das erste offizielle Foto der Familie Obama aus dem Weißen Haus stammt natürlich auch von Leibovitz.

In ihrer aktuellen Ausstellung "A Photographer's Life", die nach New York und London ab Freitag auch im Kunst Haus Wien zu sehen ist, zeigt Leibovitz allerdings auch sehr persönliche, einfache und emotionale Schwarzweiß-Bilder. Sie erzählen von einem ungewöhnlichen Leben mit vielen Höhen und Tiefen.

Als Kind einer jüdischen Großfamilie an der US-Ostküste geboren, hatte Anna-Lou, so ihr eigentlicher Name, Kunstlehrerin werden wollen. Doch ihre Fotomappe machte 1970 beim Musik-Magazin "Rolling Stone" so Furore, dass sie sofort angestellt wurde. 1983 wechselte sie zu "Vanity Fair". Die Zäsur half ihr auch, von der langjährigen Kokain-Sucht loszukommen, in die sie während einer Konzerttournee mit den Rolling Stones geraten war.

Prägend für ihre künstlerische Entwicklung war ab 1988 die Beziehung Susan Sontag. Leibovitz und die 16 Jahre ältere Essayistin waren "zwei Menschen, die sich gegenseitig durchs Leben halfen", sagte die Fotografin einmal. "Das Wort, das es am ehesten trifft, ist wohl Freundin."

Tiefschläge

Im Dezember 2004 stirbt Sontag an Krebs, bald darauf auch Leibovitz' Vater. Vielleicht war dies die Zeit, in der die Künstlerin endgültig den Überblick über ihre Finanzen verlor. In den langen Leidensjahren der beiden war sie von Terminen immer wieder um die halbe Welt gejettet, um möglichst oft bei ihnen zu sein.

Nachdem Leibovitz im Alter von 51 Jahren mit einer Samenspende ihre erste Tochter Sarah auf die Welt gebracht hatte, ließ sie 2005 die Zwillinge Susan und Samuelle von einer Leihmutter austragen - ein teures Verfahren. Zudem verhob sie sich mit dem Kauf von drei historischen Stadthäusern in Manhattan.

2008 schließlich war sie so blank, dass sie den 24-Millionen-Kredit aufnehmen musste. Ihre verpfändeten Fotorechte hat sie zwar wieder zurück, doch Geld fehlt weiter. "Ist sie streitlustig genug, das durchzustehen?", sinnierte "Vanity Fair"-Herausgeber Graydon Carter kürzlich. "Auf alle Fälle. Ich würde Annie bei gar nichts abschreiben."

NADA WEIGELT

Zur Person

Annie Leibovitz, geboren am 2. 10. 1949 in Waterbury, Connecticut/USA.

Fotografin, weltberühmt durch aufwändige Porträts von Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

Austellung

Annie Leibovitz: "A Photographer's Life 1990 - 2005". 30. 10. bis 31. 1., Kunst Haus Wien, Untere Weißgerberstraße 13, Tel. (01) 712 04 95, kunsthauswien.com

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