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Zuletzt aktualisiert: 15.08.2009 um 08:27 UhrKommentare

Zu zweit auf Wolke Sicher

Die Scheidungskinder von damals treiben die Heiratsstatistik von heute nach oben. Beziehung wird in unsicheren Zeiten zum Anker. Vier Liebeslinien.

Foto © Kzenon - Fotolia.com

Bernd und Marlene werden Ende August heiraten. Den Hochzeitsanzug haben sie in New York gekauft, die Seide für das Brautkleid in Thailand. Das Wort "lebe" - haben sich beide in Australien auf den Unterarm tätowieren lassen. Auf ihrer Weltreise. Ein halbes Jahr waren sie unterwegs.

"Wer weiß, ob wir das später noch gemacht hätten? Da hat man dann so vieles, was einen abhält. Man lernt einfach ein ganz anderes Leben kennen." Ihre Freunde haben die beiden auf ihrem Weblog "Wir sind dann einmal weg" an ihrer Reise teilhaben lassen. Fotos und Geschichten. Die Kinder des Internets, daheim in der Welt.

Sie sind vor der Krise weggefahren, aber mitten in ihrem Epizentrum wieder angekommen, meint Bernd. "Obwohl, auf der Weltreise war die Krise nicht schlecht. Da war vieles billig. So richtig angekommen, bin ich aber noch immer nicht." Trotzdem, Angst, dass sie nicht wieder Fuß fassen könnten, hat Bernd nicht. Er schreibt Bewerbungen und aktiviert alte Kontakte. Zuerst geht er aber noch zum Frisör und vor den Traualtar. "Und wer weiß, irgendwann packen wir wieder unsere Koffer und sind wieder weg."

Aysun dagegen ist gekommen, um zu bleiben. Sie war elf als sie mit ihrer Familie von der Türkei nach Österreich auswanderte. Die Studentin ist die Älteste von sieben Geschwistern. Von klein auf musste sie Verantwortung übernehmen: "Du bist eine Mutter für deine Geschwister, weil du die Älteste bist."

Ob sie gerne so wie ihre Eltern wäre? "Jein", antwortet sie. Aysun bezeichnet sich "für die Umstände, für mich, für mein Leben" als emanzipierte Frau. Sie will die Welt nicht umkrempeln, keine Revolutionärin sein. Auch mit dem Wort "Feminismus" kann Aysun nichts anfan

gen. Sie glaubt an Gleichberechtigung. Wenn sie den Richtigen getroffen hat, möchte sie heiraten. Mit einem großen Fest. Heiraten sei zwar nicht zwingend notwendig, aber Aysun findet es schön "offiziell" zusammen zu sein.

Geteilte Verantwortung

Verliebt, verlobt, verheiratet. "Klassisch konservativ", geben Ana und Dario zu. Gelebte Klischees - Frau am Herd, Mann auf dem Sofa - kommt für die jungen Eltern allerdings nicht in Frage. Ihr Lebenskonzept: partnerschaftlich, gleichberechtigt. Erster Härtetest: Rafael, der vor sechs Wochen auf die Welt kam. Wickeln, baden, in der Nacht aufstehen. "Wir wechseln uns ab. Nicht weil es meine Frau verlangt, sondern weil ich für beide da sein will." Geteilte Karenz? "Sofort, das können wir uns aber nicht leisten", bedauert Dario. Obwohl ihm dieses Selbstverständnis nicht vom Vater vorgelebt wurde. "Wir müssen nicht immer alles unreflektiert von unseren Eltern übernehmen. Wir sind alt genug, unsere eigenen Wege zu gehen." Die beiden sind verliebt wie am ersten Tag, das spürt man. So soll es bleiben. Die Elternrolle als Beziehungskiller? "Wir nehmen uns Zeit füreinander. Jetzt natürlich erst, wenn der Kleine schläft, aber es soll ja besser werden", sagt Ana. Party machen, nicht an Morgen denken. Das war. Jetzt ist das Leben ein anderes. "Und das ist gut so."

Das halbe Leben

"Mein halbes Leben. Wenn man es mit 30 nicht geschafft hat, ist alles vorbei." Das ist der Titel von Marko Doringers Dokumentarfilm, in dem er sich mit der geradezu magischen Altersgrenze 30 auseinandersetzt. Die Zahl, die "so einen sozialen Druck ausübt". Doringer hat eineinhalb Jahre sich selbst und ehemalige Schulkollegen beobachtet. Immer wieder trägt er im Film Vater-Sohn-Konflikte aus. Sein Vater: "Du kannst die Kamera ja für Urlaubsfilme verwenden und dein Studium beenden. Mach das doch! Ich unterstütze dich dabei!"

Marko ist überzeugt, dass sich die Form des Erwachsenwerdens geändert hat. "Wir werden anders erwachsen als unsere Eltern. Es ist nur verständlich, dass wir es für sie nie sind." Die Jungen von heute wären aber keine Jammerer, die den Hintern nicht hoch kriegen. "Wieso sollen wir Steine schmeißen? Die Werkzeuge der Rebellion haben sich verändert. Heute haben wir Twitter und Facebook. Heute wollen wir Sicherheit. Und? Was ist eigentlich so falsch daran?"


Generation Krise

Grafik: Kleine Zeitung

In einer Serie beleuchtet die Kleine Zeitung die Generation Krise.

 




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