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Zuletzt aktualisiert: 12.08.2009 um 19:52 UhrKommentare

Arbeit nicht um jeden Preis

Arbeit zu haben, ist nicht mehr selbstverständlich. In die Knie zwingen lassen sich die Jungen aber nicht. Ein ökonomischer Balanceakt zwischen Lust und Frust.

Foto © AP

Gerhard ist ein guter Mensch. Zu gut für diese Arbeitswelt: "Deswegen hat man mich ausgenutzt und irgendwann auch gemobbt." Nach der HBLA für Gartenbau nimmt er diverse Jobs an. Wird gekündigt. Mehrmals.

2006 muss er mit der Diagnose "schwere Depression" leben lernen. Heute geht der 26-Jährige wieder aufrecht durchs Leben. Er nimmt Anti-Depressiva, hat mit Hilfe von "AlphaNova" einen geschützten Arbeitsplatz als Pflanzenschutzberater gefunden: es geht ihm sehr gut. Er sucht um den Ingenieurstitel an, will ein Diplom machen. Die Finanzkrise belastet ihn nicht. "Meine Krise war zwischen 2005 und 2007, das war die persönliche - und nicht die Finanzkrise." Was ihn an der Arbeitswelt heute stört? "Der Umsatz muss passen, der Rest ist egal. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, alles muss in kürzerer Zeit immer schneller gehen. Wer nicht mitkommt, kann seine Sachen packen." Seine neue Firma, sei da "eine Ausnahme."

Ellenbogen raus

Die Krise selbst hat aus seiner Sicht auch eine positive Seite. "Jetzt müssen wir nachdenken, wieso wir dort sind, wo wir sind und warum etwa Burn-out zum Thema geworden ist."

Christiane hat schon vor zwei Jahren einen Namen für die heutige Generation gefunden. Die "Elbow generation", die Ellbogen-Generation: also hart austeilen, nicht nach rechts und links schauen. "Jeder kämpft nur um das eigene Überleben", sagt die 27-Jährige, die in London als Bankerin arbeitet. Anfang dieses Jahres wurde die Bank, an der Christiane tätig ist, verstaatlicht und sie weiß nicht wie es weiter geht. Die junge Frau beginnt deswegen im Herbst ein Psychologie-Studium. Nebenberuflich, ein zweites Standbein. Um am Abend beruhigt einschlafen zu können. "Sicherheit ist wichtig. Ich verdiene gerne mein eigenes Geld, habe gerne ein geregeltes Einkommen."

Sie sucht gerade einen neuen Job. Arbeit dominiere den Alltag. "70 Prozent unseres Gesprächsstoffes dreht sich um unseren Job, die Wirtschaft und finanzielle Aussichten", sagt die Bankerin. Viele tun alles für den Traumjob. Selbst würde sie hart arbeiten, Kritik einstecken, diese konstruktiv umsetzen. Die Menschen in London haben ihre ganz eigene, britische Art gefunden mit dem fallenden Börsen-Index umzugehen. Moldan: "Sie nehmen die Krise mit schwarzem Humor, gemischt mit Sarkasmus, serviert mit Bier in einem Pub."

Stefanie weiß, was sie nicht will. Vier Jahre lang hat sie als Lehrerin unterrichtet. "Doch das hat mich nicht glücklich gemacht." Sie kündigt. Einfach so. "Alle haben mich gefragt, ob ich spinne", sagt Stefanie und lacht. "Ich finde es wichtig, für mein Glück ein Risiko einzugehen."

Ihren Traum als Schauspielerin zu leben, hat für sie einen hohen Stellenwert. Auch wenn der Traum derzeit nur neben einem Job als Jugendbetreuerin Platz hat. Stefanie hat auch schon die andere Seite kennengelernt: Arbeitslosigkeit nämlich. Oder Schulden. Trotz Angst hat sie den Optimismus behalten. "Ich will nicht denken, das Leben ist anstrengend", sagt sie. Denn: "Spaß machen muss es. Auf jeden Fall."

Nach Dienstschluss

Leidenschaft. Die packt Florian in seinem Job als gelernter Karosseriebautechniker. Sich weiterentwickeln, dazulernen, Werkstättenleiter oder Kundendienstleiter werden, das ist ihm wichtig. Seine nächsten Ziele: Meisterprüfung und Berufsmatura.

Wenn es die Auftragslage verlangt, macht der 19-Jährige Überstunden, ist abends am Handy erreichbar. Erfolg im Beruf als persönliche Bestätigung. Der Job sei wichtig, allerdings nur bis 16.30 Uhr. "Die Freizeit ist mir genauso wichtig", betont er. Den Audi A6, der vor der Tür parkt, hat er sich selbst gekauft. Darauf ist er stolz. Sparen ist ihm überhaupt wichtig. Er trinkt nicht, er raucht nicht. Dass er keine staatliche Pension mehr beziehen wird, kostet ihn ein Schulterzucken: "Ich denke nicht darüber nach, was in 50 Jahren sein wird." Stattdessen sorgt er selbst vor und zahlt monatlich 150 Euro in eine private Pensionsvorsorge ein.

Noch schläft Florian gut. Er beschäftigt sich nicht damit, ob auch in seiner Firma Kurzarbeit oder Kündigungen ins Haus stehen könnten.


Generation Krise

Grafik: Kleine Zeitung

In einer Serie beleuchtet die Kleine Zeitung die Generation Krise.

 




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