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Zuletzt aktualisiert: 12.08.2009 um 05:00 UhrKommentare

Zurück in die Zukunft

Ehe, Kinder, Harmonie - in der Krise entdecken die jungen Österreicher alte Werte neu. Engagement? Gerne. Aber die große Rebellion war gestern.

Foto © Kurhan/Fotolia.de

Sie trägt eine Blume im Haar, in sich die Sonne und ein Ungeborenes. Schwangerschaftswoche 21. Im Moment, sagt sie, sei ihr Leben einfach "wow". "Weil es ein Wunder ist, dass in dir etwas aufwächst, das ein Teil von dir ist." Michi ist Optimistin, das spürt man. Sie lacht viel, sucht den Augenkontakt, stellt Fragen. Dass sie Kinder haben will, war immer klar. Am liebsten "fünf Stück".

Den Freund kennt die 27-Jährige erst seit Jänner dieses Jahres. "Aber wie soll ich sagen, das passt super." Er freue sich riesig, organisiert Geburtsvorbereitungskurse, Kinderbücher, Arzttermine. Sie werden das Kind partnerschaftlich großziehen. Angst, dass es mitten in die Krise geboren wird, hat sie nicht. "Es geht doch immer weiter, ich habe einen Job als Friseurin und würde auch alles andere machen."

Am Abend, wenn Michi im Bett liegt, denkt sie oft darüber nach, wie es sein wird, wenn da noch jemand ist. Was sie ihm mitgeben will: Familiensinn, Liebe, Liebe zu Natur und Tieren, Miteinander, Toleranz, Traditionen. "Weihnachten soll nicht zur Geschenkeverteilung werden." Taufen? Ja. In die Kirche gehen? Zu Anlässen. Als Mutter will sie so sein wie ihre, als Vorbilder nennt sie ohne lange darüber nachzudenken: "Meine Eltern."

Prioritäten

"Die Familie", sagt auch Bernd, "ist eines der wichtigsten Dinge im Leben". Der 26-Jährige ist gerade dabei, selbst eine zu gründen. Im Oktober wird er heiraten, mit Kirche und allem Drum und Dran. "Nach Hause kommen und abschalten, das ist ganz wichtig", sagt er. Heimat ist dort, wo er sich wohlfühlt. Mit der Krise habe das nichts zu tun. "Vor ein paar Jahren stand die Karriere über allem." Die Prioritäten haben sich geändert.

Doch wichtig ist dem jungen Mann auch das, was er neben seinem Jus-Studium macht. Er nennt es, "sich um die Belange anderer kümmern", was andere Politik nennen. Doch auf die Straße geht er nicht. Er findet: "Man kann vieles, wenn nicht alles, am Verhandlungstisch lösen." Engagement, das ist ihm wichtig. Sich zu interessieren und wählen zu gehen. "Doch es braucht eine Gruppe, die einem zuhört, einen hineinlässt", sagt er. Derzeit würden das die Falschen schaffen.

Stephan ist keiner, der die Welt aus den Fugen heben will. Er steht nicht auf Piercings, zerrissene Klamotten und rotzfreches Auftreten. Stephan ist nett, zuvorkommend und hat einen Plan fürs Leben. Der Jungfeuerwehrmann will Bundesheerpilot werden, irgendwann eine Familie gründen, ein Haus bauen, Zeit für Freunde haben. "Genau dafür lohnt es sich zu leben ", sagt er. Später will er einmal so leben wie seine Eltern, vor allem will er werden wie sein Vater, "der heute mein bester Kumpel ist."

Einen Platz sollen in diesem Leben auch die Kirche und der Glaube haben, nicht jeden Sonntag, nicht aus tiefer religiöser Überzeugung. "Sondern weil sie Teil unserer Kultur ist", erklärt der 19-Jährige. Brände löschen, Sandsäcke schleppen, Keller auspumpen, dafür steht der junge Mann 365 Tage 24 Stunden zur Verfügung. "Helfen zu können ist ein ungemein gutes Gefühl", sagt Stephan, "ebenso wie Kameraden zu haben."

Lachen und Weinen

Familie und Freunde sind auch Bernadettes Antriebskraft. Trotzdem sind ihre Koffer schon gepackt. In fünf Tagen startet für die 20-Jährige ein neuer Lebensabschnitt. Drei Monate in Mallorca als Animateurin leben und arbeiten. Die forsche Wienerin geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn geplant war die Karriere als Animateurin nicht. Eigentlich wollte Bernadette Moderatorin werden, aber der große Traum ging bis jetzt nicht in Erfüllung. "Auf der Suche" sei sie. "Selbstfindung und so. Als Animateurin will ich mein Selbstvertrauen stärken. Ich denke, es wird ein gutes Training sein." Dafür lässt sie Familie und Freunde zurück.

Die Menschen, die sie geprägt haben, hatten immer ein offenes Ohr für sie. Ihr Papa, der nicht so begeistert vom neuen Job war. Die Mama, die ihr den Rücken gestärkt hat. Und der Bruder, bei dem sie sich immer Rat holt. Ihre Heimat? "Die ist da, wo meine Leute sind und ich aufgewachsen bin. Im 13. Bezirk in Wien."


Generation Krise

Grafik: Kleine Zeitung

In einer Serie beleuchtet die Kleine Zeitung die Generation Krise.

 




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