Eine Generation in der Krise
Sie sind jung, gebildet und mobil. Sie hätten alle Chancen. Dann kam die Finanzkrise und mit ihr jede Menge offene Fragen. Eine Generation im Porträt.

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Die Siebziger hatten den Vietnamkrieg und Kreisky, die Achziger Tschernobyl und die grüne Bewegung, die Neunziger die New Economy und Jörg Haider. Dann kam 9/11, der Kampf gegen den Terror. Und heute? Wirtschaftskrise, Staatsschulden, Klimakollaps, Arbeitslosigkeit, Rezession, Angst. Ganz schön viele Krisen für eine Generation. Ganz schön wenig Protest dagegen.
Die Kinder der Krise, sie sind die Österreicher von morgen. Und in beiden Fällen die Opfer. 18 bis 30 Jahre alt, aufgewachsen im Wohlstand, in Sorglosigkeit, im festen Glauben daran, die ganze Welt stünde ihnen offen. Sie sind gut ausgebildet, gönnen sich kaum Auszeiten, sind flexibel, mobil, denken global. Sie haben alles richtig gemacht. Ihr Fehler: Zur falschen Zeit mit Engagement in die Arbeitswelt zu drängen.
Aus der Generation Praktikum wird die Generation Krise, in der häufig nicht einmal mehr der Praktikumsplatz drinnen ist. Stattdessen: Einstellungsstopps, Kurzarbeit, Kündigungen, Arbeitslosigkeit, Armut. Mit Ende des Jahres, schätzt der Wirtschaftsforscher Hans Pitlik laste auf Österreich ein Schuldenberg von 190 Milliarden Euro, exklusive Asfinag oder ÖBB. "Es gibt Rechnungsmodelle, wonach die Staatsschulden in wenigen Jahren 80 Prozent des BIP ausmachen könnten." Schulden belasten. Arbeitslosigkeit auch.
Abgebrüht
Die Krise ist. Punkt. Kein Kitt oder ideologische Reibefläche. Sondern etwas, das den Einzelnen belastet. Schon spürbar ist. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstitutes "tfactory" hätten die 20- bis 29-Jährigen im Schnitt um 50 Euro weniger im Geldbörsel. Im Jänner 2009 hatten bereits 60 Prozent der Jungen (15 bis 29 Jahre) laut Gfk eine private Pensionsvorsorge, das sind um 14 Prozent mehr als ein Jahr davor. Vorausschauend. "Gesunder Realismus", nennt es Marktforscher Alexander Zeh. "Lösungsorientiert" der Soziologe Philipp Ikrath vom Institut für Jugendkulturforschung. "Probleme sind dazu da, um gelöst zu werden."
Pragmatisch
Alles, was sie wissen, ist, dass sie es schwer haben werden: Staatsschulden abstottern, Erderwärmung spüren, vielleicht lebenslang prekär arbeiten, niemals Teil eines Sozialsystems sein. Dafür werden sie die Pensionen ihrer Eltern blechen, mit dem Wissen, dass ihre einmal niemand zahlen wird.
Auf die Straße gehen? Unwahrscheinlich. "Sie sind skeptischer, systemdistanzierter, desillusionierter und grundverdrossener, weil sie einen höheren Anspruch haben", sagt die Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle. Kurzum: pragmatischer. Das urteilte auch bereits die deutsche Shell-Studie 2006. "Ich glaube nicht, dass die Jungen unpolitischer sind als der Rest der Bevölkerung." Was sie kaum interessiert, sind klassische Institutionen: Parteien, Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften. "An deren Stelle treten themenbezogene, kurzfristige Gruppen, die mit dem eigenen Vorteil verknüpft sind", sagt Stainer-Hämmerle. Etwas müsse sich im Lebenslauf gut machen, etwas bringen. "Und gut zu einem passen", sagt Ikrath. Einen Plan fürs Leben, den hätten sie.












