5000 neue Wörter bringt der Jubiläums-Duden
Fast mit ähnlicher Spannung erwartet wie der neue Dan Brown: Folge 25 des Duden ist da. 135.000 Wörter erwarten, dass man nach ihnen schlägt.

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Erster spontaner und naheliegender Eindruck: noch dicker ist er geworden, der treue Kerl und Ratgeber in der Not, der vor 129 Jahren erstmals das Licht der auch damals schon verworrenen Sprachlandschaft erblickte. Aber eben das wollte Konrad Duden mit dem nach ihm benannten Nachschlagewerk vor allem erreichen: Klarheit schaffen und zum Reinheitsgebot der deutschen Sprache beitragen. Das einstige Deutungsmonopol gilt aber nicht mehr.
Vor allem die jüngste Rechtschreibreform brachte den als unumstößlich geltenden Schlachtturm gegen die babylonische Sprachverwirrung gehörig ins Wanken. Konkurrenzverlage publizierten eigene Lexika, weil die kollektive Unsicherheit über richtige und falsche Schreibweisen ständig wuchs.
Gegenwartsgeschichte
Nun also liegt die 25. Ausgabe vor, angereichert, wie es sich für einen Jubiläumsband gehört, mit insgesamt 5000 neuen Wörtern. Auch wenn es seltsam klingen mag: Dieser Duden unterscheidet sich von den Vorgängern massiv. Er "erzählt" auf seine Weise anhand der sprachlichen Neuzugänge Gegenwartsgeschichte. Da taucht die "Abwrackprämie" auf, dort der "Lebensmensch" und der "Börsenzocker" oder gar das "It-Girl", dessen Neu-Präsenz vor allem einer unaufdringlichen Dame namens Paris Hilton zuzuschreiben ist. Möge bald das "Out-Girl" folgen.
Tankini ist, wie modebewusste Damen bestimmt wissen, keine neue, aus Ozeanien stammende Fremdsprache, sondern ein Badeanzug, der sich auch in einen Bikini verwandeln lässt.
Nicht nur durch die Finanzkrisen hielten, gewiss zum Ärger vieler Sprachschatzhüter, etliche weitere Anglizismen Einzug, so die "Bad Bank" oder der "Exzellenzcluster". Andere Begriffe entschlüpften dem Internet, etwa "twittern"; wer sich gegen dieses Denglish wehrt, möge aber lediglich ein plausibles Alternativ-Wort zu Computer nennen. Eine Flatrateparty wartet als Gewinn. Und wir versprechen, uns "fremdzuschämen".
Fakt ist auch, dass man einigen Begriffen lieber nicht begegnen würde. Dem "Komasaufen" zum Beispiel oder dem "Phrasenschwein". Aber auch hier gilt: Es ist ein Spiegel- und Sittenbild unserer Zeit, erstellt von 30 Redakteuren, die monatelang prüfen, wie gebräuchlich die Neuschöpfungen in der Öffentlichkeit sind. Nicht weniger als 135.000 Wörter erwarten, dass man nach ihnen schlägt, wer bedenkt, dass der Wortschatz im Durchschnitt bei knapp 10.000 Wörtern liegt, mag erahnen, was da alles alphabetisch auf Abruf bereit steht.
"Schwürigkeit"
Übrigens: Eine Hochrechnung ergab, dass Goethe über einen Fundus von 90.000 Begriffen verfügte. Aber das las sich, etwa in einer Tagebuchaufzeichnung aus dem Jahr 1779, so: "Elender ist nichts als der Behagliche Mensch ohne Arbeit, das schönste der Gaben wird ihm eckeln. Schwürigkeit irdische Maschinen in Ganz zu sezzen. Aerger über die Pferds Wirthschafft."
Soll man es sagen? Aber klar: Die Sprache lebt. Gut so. Wenngleich strenge Leser bemerken werden, dass ein wunderbarer Begriff verschwand. Das Wörtchen "ehegestern", Alternative zu "vorgestern". Es wurde, schade, aber toll, wohl an der Attributbörse verzockt.
Features
15 neue Begriffe, die Geschichte schrieben
- Börsenzocker
- Abwrackprämie
- Lebensmensch
- twittern
- Komasaufen
- Dopingarzt
- Raucherkneipe
- Hybridauto
- Sofortrente
- armutsgefährdet
- Kuschelkurs
- Web 2.0
- Wutrede
- Handy-TV
- It-Girl
Was sagt der Duden?
1880 erschien im Brockhaus-Verlag erstmals ein völlig neuartiges Nachschlagewerk. Federführend war Konrad Duden, der damit ein allgemein gültiges Rechtschreiblexikon für die deutsche Sprache schuf.
Mittlerweile gibt es zwölf Duden-Bände, mit denen auch etliche Spezialbereiche abgedeckt werden (Fremdwörterbuch, Synonymwörterbuch, Bedeutungswörterbuch etc.).
Duden Nr. 25 (1216 Seiten) ist um 22,60 Euro erhältlich. Eine erweiterte Ausgabe mit CD-Rom kostet 28.80 Euro.








