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Zuletzt aktualisiert: 26.08.2012 um 20:30 UhrKommentare

Vom Weg eines Vagabunden

Andreas Scholl, einer der weltbesten Countertenöre, brilliert bei den Salzburger Festspielen in Händels "Giulio Cesare in Egitto" und hat eine neue CD in petto.

Andreas Scholl mit mit Cecilia Bartoli bei den Salzburger Pfingstfestspielen

Foto © APAAndreas Scholl mit mit Cecilia Bartoli bei den Salzburger Pfingstfestspielen

D ie viel gepriesene Pfingst-Produktion "Giulio Cesare in Egitto" hatte nun auch bei den Salzburger Festspielen Premiere. Sie singen den römischen Imperator, Intendantin Cecilia Bartoli die Kleopatra. Wie ist es denn, mit der italienischen Mezzosopranistin zu arbeiten?

SCHOLL: Cecilia ist ein Muss. Ein Vorbild für alle, die singen. Ich kenne niemanden, der so besessen davon ist, dass sich die Sänger mit den Rollen identifizieren. Es gibt tolle Sänger, bei denen hört die Messlatte irgendwo auf. Das ist genau der Punkt, wo eine neue Messlatte beginnt. Und die heißt Cecilia Bartoli. Auch ist sie ungemein kollegial. Sie ist die Erste, die zu den Proben kommt, und die Letzte, die geht, und sie ist alles andere denn eine Diva.

Ende September kommt auch Ihr neues Album "Wanderer" auf den Markt. Ein Titel, der sich auch auf Sie persönlich bezieht?

SCHOLL: Insofern schon, als ja jeder Musiker ein Vagabund ist. Wir ziehen in der Welt umher, und ab und zu muss man sich dabei aufmachen, neue Territorien zu erstreiten. Das habe ich zum Beispiel mit dem "Oswald von Wolkenstein"-Projekt gemacht.

Wie stellten Sie das Repertoire für "Wanderer" zusammen?

SCHOLL: Nun, die Haydn-Canzonetten aus seiner Londoner Zeit singe ich schon seit Jahren. Dann hat meine Frau, die Pianistin ist, gesagt: "Schau nach bei Brahms, bei seinen deutschen Volksliedern!" Es hat sich erwiesen, dass die meiner Stimme sehr gut tun.

Auch Schubert findet sich auf dem Album. In "An Mignon" singen Sie den Dialog zwischen einem Mädchen und dem Tod - das Mädchen mit der Stimme des Countertenors, den Tod als Bariton?

SCHOLL: Bei Schubert habe ich mich sehr bemüht, in die Welt des Komponisten einzudringen, mir vorzustellen, was er sich bei den jeweiligen Musikstücken gedacht hat. Nun wurde er bereits von großen Meistern gesungen, aber wenn ich ihn zum Beispiel interpretiere, wie ihn Dietrich Fischer-Dieskau gesungen hat, dann bediene ich ein Klischee. Das Publikum ist vielleicht zufrieden, weil es nicht gern überrascht wird. Doch ein Student in einer meiner Meisterklassen hat mich aufhorchen lassen. Der sang so schlicht, da klang überhaupt nichts künstlich. Und so habe auch ich mich bei Schubert um einen eigenen Weg bemüht.

Was steht demnächst noch für Sie auf den Terminplan?

SCHOLL: Ich trete bei einem Open Air in der Negev-Wüste in Israel auf, mit dem israelischen Popsänger Idan Raichel, der ganz fantastische Lieder im Repertoire hat. Wir haben ein Duett, zwei andere Songs präsentiere ich als Solist. Auf seiner neuen CD bin ich zudem mit einem deutschen Lied vertreten. Er hat es komponiert und mich um einen Text gebeten. Dafür fand ich ein Gedicht aus dem 16. Jahrhundert, "In stiller Nacht". Brahms hat es schon einmal verwendet. Es geht um die Pein von Jesus im Garten Gethsemane. Ich habe noch eine Strophe dazu erfunden. INTERVIEW: LUIGI HEINRICH

"Giulio Cesare in Egitto" von Georg Friedrich Händel. Mit Andreas Scholl, Cecilia Bartoli u. a. Regie: Moshe Leiser und Patrice Caurier. Dirigent: Giovanni Antonini. Heute, 29. und 31.8., 18.30 Uhr, Haus für Mozart, Salzburg. Karten: Tel. (0 66 2) 8045-500. salzburgfestival.at


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