"Meine Bienen": Bejubelte Premiere
Kein Nektar, kein Leben, nirgends. Jubel für die Uraufführung von Händl Klaus' "Meine Bienen. Eine Schneise" bei den Salzburger Festspielen.

Foto © APA/Neumayr/Susi Berger
Der Mensch ist ein Biene. Er ist friedlich, wenn man ihn in Ruhe lässt. Bedroht, fährt er den Stachel aus. Er braucht den Stock. Die Wabe. Den Zusammenhalt, Nektar des Lebens.
Ein Waldbrand hat eine Schneise der Verwüstung gezogen und dabei auch 14 Bienenstöcke vernichtet. Bei Kathrin und ihrem Sohn liegt allerdings schon längst alles in Asche. Kein Nektar, kein Leben, nirgends. "Hinter den Bergen, weit weit drüben, sagen die Leute, wohnt das Glück", singt Lukas, der endlich seinen Vater finden will.
"Meine Bienen. Eine Schneise", Auftragswerk der Festspiele an Händl Klaus, erlebte am Salzburger Landestheater seine Uraufführung. Der 43-Jährige hat gemeinsam mit "Franui" ein Musik-Theater im besten Sinn konzipiert. Hier die virtuosen Sprachmelodien und Satzfugen des Innsbrucker Dramatikers, dort der famose Klangzauber aus Folklore und Klassik (diesfalls Jugendlieder von Alban Berg) der zehnköpfigen Musicbanda aus Innervillgraten.
Sumpf
So erfrischend diese Wortpartitur, so novembrig deren Inhalt. Nicolas Liautard inszeniert in düsterem Bühnenbild (mit Giulio Lichtner) und faszinierendem Licht (Jérémie Papin) ein Spiel der dunklen Ahnungen, bis zum Inzest. Er lässt die vier Hauptfiguren als vom Leben erschöpfte Wesen durch das Stück torkeln. Vor allem Lukas, dem seine Mutter keinen Halt zu geben vermag. "Sie ist wie ein Sumpf", in dem der Zehnjährige untergeht.
Das rettende Ufer sucht Lukas in den Männern, die auftauchen: Im lebensscheuen Dorfpolizisten Peter, der den Brand untersucht (intensiv: Stefan Kurt). Und Wim (kernig: André Jung), der Imker, der um seine Bienenstöcke trauert, erweist sich als Vater, aber als falscher - jener von Kathrin.
Mit seiner glasklaren Stimme, die voll Trauer und Zorn schwingt, macht sich der Wiltener Sängerknabe Michael zum heimlichen Star des 100-minütigen Abends. Und Brigitte Hobmeier (36) gibt umwerfend die gebrochene Frau; fantastisch auch, wie sie und Stefan Kurt einander die Händl'schen Halbsätze im Staccato zuwerfen. Man versteht nur zu gut, dass die Münchnerin als heißeste Aktie für die nächste "Buhlschaft" gehandelt wird.










