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Zuletzt aktualisiert: 27.07.2012 um 15:40 UhrKommentare

Eröffnung der Festspiele als Appell für Europa

Bundespräsident Heinz Fischer mahnte bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele den europäischen Zusammenhalt ein. Insgesamt stehen bei den Festpielen 248 Veranstaltungen auf dem Spielplan.

Bundespräsident Heinz Fischer bei der Eröffnungsrede

Foto © APABundespräsident Heinz Fischer bei der Eröffnungsrede

Die 92. Salzburger Festspiele 2012 sind heute, Freitag, Mittag in der Felsenreitschule offiziell eröffnet worden. Hauptthema in den Reden der Politiker war das Projekt Europa und die Forderung nach europäischem Zusammenhalt. Die Festakt-Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur wurden von Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler explizit auf den Schwerpunkt "Jüdische Musik" in dem bereits seit einer Woche laufenden sakralen Festspiel-Auftakt "Ouverture spirituelle" verwiesen.

Bundespräsident Heinz Fischer warnte dann vor wachsenden Tendenzen zur nationalen Abschottung. Sich auf die Bühnenschicksale fremder Menschen einzulassen, könne die Empathie für reale Schicksale vertiefen und den Menschen fremde Kulturen näher bringen. "Das trägt dazu bei, forcierte nationale Egoismen zu überwinden, die einem Europa der friedlichen und vernunftbetonten Zusammenarbeit entgegenstehen", erklärte Fischer.

Danach erinnerte Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) an die Idee, das Salzburger Paradestück "Jedermann" neu zu schreiben. "Das wäre spannend, gewiss. Ich fürchte jedoch, dass dieser Auftrag bereits vergeben ist, an skrupellose Finanzspekulanten, die das Stück umschrieben."

Kulturministerin Claudia Schmied (S) betonte, Kunst müsse ökonomisch besser abgesichert sein. "0,6 Prozent des österreichischen Bundesbudgets gehen derzeit in Kunst und Kultur. Wer die Gesellschaft weiterentwickeln will, wird Möglichkeiten suchen, diese Budgets zu erhöhen." Die Europäische Union müsse von einer ökonomischen Gemeinschaft zu einer Kultur- und Wertgemeinschaft wachsen, betonte Schmied.

Der Schweizer Literaturwissenschafter Peter von Matt beschäftigte sich in seiner Eröffnungsrede mit Kunst und Verschwendung und fragte, ob die stets überflüssige, von ihrem Wesen her verschwenderische Kunst in einer Welt der Armut legitim sei. Trotz einer Reihe von Kritikpunkten am Kunstmarkt und den Künstlern selbst schloss der 75-jährige Schweizer mit dem Gedanken, dass Kunst mehr als "zynischer Luxus" sei. "Sie ist ein Glücksfaktor für alle. Denn auf der Verschwendung, also dem kurzfristigen Genuss von Überfluss, beruht das Fest. Und ohne Feste kann keine organisierte Gemeinschaft leben. Kunst und Fest sind nicht identisch, aber in ihrem Wesen verwandt... Wer dagegen antritt, tritt an gegen die menschliche Natur."

Proteste am Rande der Eröffnung

Am Rande der Eröffnung der Salzburger Festspiele protestierten Aktivisten gegen das zur Zeit vieldiskutierte Bettelverbot und brachten ihre "Bettelautomaten" in Stellung. Das sind "bettelnde Kartonkisten mit Sehschlitz", die laut Aufschrift die Peinlichkeit ersparen sollen, Armut sehen zu müssen. Nach Angaben der Organisatoren hat sich auch Bundespräsident Fischer über die Anliegen dieser Protestaktion informiert.

Insgesamt stehen 248 Veranstaltungen auf dem Salzburger Spielplan, der heuer bis 2. September und damit um zehn Tage länger dauert als je zuvor. An den insgesamt 45 Festspieltagen sind 265.000 Karten aufgelegt.


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